Das Wasserschloss in Mühlhausen

Wasserschloss Mühlhausen

Das Gemeindezentrum unserer Pfarrgemeinde steht in Mühlhausen. Im ehemaligen Wasserschloss befinden sich sowohl die Gemeinderäume als auch das Pfarrbüro und die Pfarrwohnung. Hier finden die meisten unserer Gemeindeveranstaltungen statt. Im Erdgeschoss sind der Julius-von-Gemmingen Raum, die Gemeindeküche, der Jugendraum und die sanitären Einrichtungen untergebracht– alles mit einem behindertengerechten Zugang. Über den Treppenturm erreicht man den 1. Stock. Hier befinden sich der Henhöfersaal mit kleiner Teeküche, das Pfarrbüro und das Büro des Pfarrers. Der Henhöfersaal ist für Veranstaltungen für bis zu 80 Personen ausgelegt.

Nach der grundlegenden energetischen Sanierung des Wasserschlosses in den Jahren 2013/14 erstrahlt das Wasserschloss wieder in einem einladenden Zustand. Die gelungene Mischung aus historischem Gebäude und modernen Komponenten wie einer aktiven Be- und Entlüftung, Wand- und Fußbodenheizung sowie einem durchdachten Lichtkonzept sorgen für eine zeitgemäße Nutzung des Gebäudes.

Zusammen mit dem Innenhof mit seiner alten Linde, den erhaltenen Burgmauern und dem an der Straße gelegenen Wirtschaftsgebäude mit seiner altehrwürdigen Tordurchfahrt sowie die Lage am Ufer der Würm bietet das Wasserschloss ein einmaliges historisches Ensemble, das zu den architektonischen Höhepunkten der Gemeinde Tiefenbronn zählt.

Die Geschichte des Wasserschlosses

Hans Dietrich von Gemmingen (1516-1566) erbaute die Schlossanlage in den Jahren 1551 bis 1553. Als Tiefburg konzipiert sollte sein neuer Familiensitzt den Wirren der Zeit trotzen. Er wohnte zuvor in Heimsheim, welches sich zu Württemberg gehörend der Reformation anschloss. Hans Dietrich von Gemmingen wollte sich dem neuen Zeitgeist widersetzen. Nachdem er auf Druck der Stadt und des württembergischen Herzogs seine Patronatsrechte für die Besetzung der Heimsheimer Pfarrkirche zugunsten der Reformation abgeben musste, entschloss er, sich in seine Besitzungen im katholischen Biet zurückzuziehen, aus dem auch seine Vorfahren stammten. Der Reformation zum Trotz soll er sein neues Zuhause „Trutzluther“ genannt haben.

Da die drei Söhne Hans Dietrichs von Gemmingen innerhalb der katholischen Kirche Karriere machen konnten und so über ein gutes Einkommen verfügten, konnte man nun durch finanzielle Zuwendungen auch die Ausstattung des Hauptgebäudes dem Zeitgeschmack entsprechend anpassen. Der älteste Sohn Hans Dietrichs, Hans Otto, wurde 1591 Bischof in Augsburg. Aus dieser Zeit stammen vermutlich die Wandmalereien im Treppenturm sowie noch einige kleinere Renaissanceverzierungen im Dachgeschoss des Hauptbaus.

In der Folgezeit verarmte die Mühlhausener Linie der von Gemmingen zusehends. Das Wasserschloss musste zeitweise sogar verpfändet werden. Die knappen finanziellen Mittel sorgten dafür, dass die Anlage weitgehend original im Zustand der Erbauungszeit erhalten geblieben ist.

Nachdem 1791 das neue Schloss, der heutige Kindergarten, im Ortszentrum erbaut wurde, bestand nun für das „alte Schloss“ kein wirklicher Bedarf mehr.

1823 wurde unter maßgeblicher Beteiligung von Julius von Gemmingen und Aloys Henhöfer die Evangelische Kirchengemeinde Mühlhausen gegründet. Julius von Gemmingen hatte als Patronatsherr vom badischen Staat die Aufgabe erhalten, für die neue Kirchengemeinde eine Kirche, eine Pfarrwohnung, eine Lehrerwohnung sowie die Entlohnung des Pfarrers und des Lehrers bereitzustellen. All dies ließ sich im Wasserschloss auf schnellstem Wege einrichten. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass aus der ehemaligen „Trutzluther“ nun nach fast 300 Jahren eine „Lutherburg“ wurde, in der man nun sicherlich auch häufig das bekannte Lutherlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ sang und auch heute noch singt.

Im 1. Stock wurde ein Betsaal eingerichtet, die erste evangelische Kirche von Mühlhausen, und im 2. Stock die Pfarrwohnung. Auf der zum Fluss hin gelegenen Gebäudeseite wurde 1824 ein Schulhaus angebaut und im Anbau des Hauptgebäudes im 1. Stock eine Lehrerwohnung eingerichtet. Die Schule wurde bis 1906 als eigenständige evangelische Volksschule betrieben.

Kurz vor dem ersten Weltkrieg wollte sich die Kirchengemeinde zugunsten eines Neubaus vom Wasserschloss trennen. Der Kirchengemeinderat hatte bereits einem Abbruch zugestimmt. Doch der Krieg machte diese Pläne zunichte.

Nachdem man sich von den Folgen des Krieges soweit erholt hatte, dass man wieder die Zukunft in den Blick nehmen konnte, entschied man sich, das Wasserschloss zwar als historisches Gebäude erhalten zu wollen, aber dennoch zum Verkauf zu freizugeben. Der beginnende Denkmalschutz sorgte dafür, dass das Wasserschloss bereits im März 1935 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Da kein geeigneter Käufer gefunden werden konnte, blieb das Wasserschloss im Besitz und in der Nutzung durch die Evangelische Kirchengemeinde.

Im zweiten Weltkrieg erlebte die Anlage gegen Ende des Krieges auch noch feindliche Fliegerangriffe und Artilleriebeschuss. Eine Granate schlug in die Küche der Pfarrwohnung ein und zerstörte diese.

Nach dem Krieg rückte das Wasserschloss wieder in das Interesse des Denkmalschutzes. Eingehende Untersuchungen der Anlage führten dazu, dass die Anlage nun erstmals als Wasserschloss bezeichnet wurde, ein Begriff, der zuvor nicht in den Quellen auftaucht, da das Schloss ja einige Meter vom Ufer der Würm entfernt liegt und anders als bei anderen Anlagen über keinen umlaufenden Wassergraben verfügt. Die erhaltenen Lager einer Zugbrücke in der Tordurchfahrt sind der einzige sichtbare Hinweis, auf die einstige Gestalt der Anlage mit der Existenz eines Burggrabens.

Ende der 1960er Jahre ging man daran, das Wasserschloss dem Zeitgeist folgend in ein Gemeindezentrum umzubauen. Hierfür wurden zwischen 1966 und 1969 das ehemalige Schulhaus von 1824 sowie der Anbau aus der Bauzeit der Anlage entfernt und im Erdgeschoss, wie auch im 1. Stock, Gemeinderäume eingerichtet.

In den Jahren 2013/14 wurde das Wasserschloss nach denkmalgerechten und energetischen Gesichtspunkten generalsaniert, wobei alle Einbauten der Sanierung aus den 1960er Jahren entfernt und ersetzt wurden. Eine moderne Haustechnik mit Wand- und Fußbodenheizung, eine aktiven Be- und Entlüftung sowie eine Brandmeldeanlage sorgen dafür, dass das Gebäude auch für die Zukunft attraktiv bleibt. Auch ein Rollstuhlgerechter Zugang zu den unteren Gemeinderäumen und Toilettenanlagen wurde durch einen neuen gepflasterten Weg im historischen Kopfsteinpflaster angelegt.