Gold ist für mich wie Sonne

An ihrem 24. Geburtstag hat Beate Wiegand ihren Meisterbrief als Goldschmiedin in der Tasche. Viele Jahre arbeitet sie in diesem Beruf. Als sie Mitte 40 ist, entscheidet sie sich für einen Neuanfang. Sie wird Lehrerin. Heute unterrichtet sie Kinder mit besonderem Förderbedarf. Außerdem engagiert sie sich in der evangelischen Kirche – ob als Prädikantin, Schulseelsorgerin oder in der Landessynode. Ihre Zeit in der Synode geht nun zu Ende. Bei der Herbstsynode hat sie zum letzten Mal als Synodale an der Tagung des Kirchenparlaments teilgenommen.„Meine Kinder bezeichnen mich als leicht arbeitssüchtig“, sagt Beate Wiegand und lächelt. Dabei habe sie sich im Laufe der Jahre beruhigt: „Früher war ich sehr aktiv und ungeduldig. Heute habe ich die Ruhe weg – das Leben schleift einen.“ Schon als Goldschmiedin habe sie Geduld gebraucht. Geduld sei auch in kirchlichen Gremien wichtig. Und auch im sonderpädagogischen Bereich komme man ohne Geduld nicht weit: „Ich kann die Kinder nicht in mein Schema pressen. Ich kann ihnen nur etwas vorleben.“

Faszination Ägypten

Mit wachem Blick sitzt Beate Wiegand am Tisch in ihrem Wohnzimmer und erzählt. An ihrer Kette leuchtet ein goldenes Kreuz. „Das habe ich selbst gemacht“, sagt sie, „genau wie diesen Ring an meiner Hand.“ Ihre Begeisterung für Gold habe sie schon früh entdeckt. Besonders der Goldschmuck aus dem Alten Ägypten habe sie schon immer fasziniert: „Ich liebe dieses satte, gelbe Naturgold, das die Ägypter damals verwendet haben. Gold ist für mich wie Sonne.“

In ihren Gesellenjahren arbeitete Beate Wiegand Anfang der 80er Jahre in Hamburg. „Damals hatte ich das Glück, dass es dort eine Ausstellung gab mit Originalen aus dem Schatz des Tutanchamun.“ Auch die berühmte Totenmaske des Pharaos war in Hamburg zu sehen. „Immer wieder war ich nach der Arbeit im Museum“, erinnert sie sich: „Ich habe mir jede Vitrine ganz in Ruhe angesehen.“ Heute bastelt sie mit ihren Schülerinnen und Schülern besonders gerne Skarabäen, frei nach altägyptischem Vorbild.

In den vergangenen zwölf Jahren war Beate Wiegand Mitglied der badischen Landessynode. „Alles hat seine Zeit“, sagt sie, denn in diesem Herbst neigt sich ihre Zeit als Landessynodale dem Ende zu. Im Rückblick entdeckt sie auch in der Synode goldene Momente: „Ich hatte tolle Begegnungen mit Menschen, wir haben viel miteinander erlebt!“ Außerdem sei es spannend gewesen, sich gemeinsam durchzuringen zu wichtigen Entscheidungen.

Diskussionen voller Respekt

Als Synodale und im Rechtsausschuss der Synode hat Beate Wiegand intensive Auseinandersetzungen miterlebt und mitgestaltet. „In der Diskussion um den Dritten Weg hätte ich gerne erreicht, dass die Kirche den Dritten Weg verlässt – gerade in der Diakonie“, sagt sie. „Bei der Entscheidung zur gleichgeschlechtlichen Ehe war ich froh, dass das so durchgegangen ist.“ Unabhängig davon wie letztlich abgestimmt wurde, sei für sie aber auch die Entscheidungsfindung besonders wertvoll gewesen: „Wir haben das in einer guten Atmosphäre diskutiert“, erinnert sie sich. „Es ging respektvoll zu, auch wenn grundverschiedene Positionen aufeinandergetroffen sind. Das hat mich beeindruckt und ich bin stolz, in einer so offenen, breit gefächerten Landeskirche zu sein.“

In der Landeskirche will sich Beate Wiegand auch weiterhin engagieren, zum Beispiel im Festausschuss ihrer Heimatgemeinde in Mühlhausen bei Pforzheim. „Kirche hat für mich etwas mit Heimat zu tun“, sagt sie. „Das war schon immer so, denn ich komme aus einer stark protestantisch geprägten Familie. Schon meine Oma war Organistin und auch meine Tante, meine Schwester und mein Sohn.“

Eine Kirche wie ein Abendmahlsbecher …

Auf die Frage, was sie an ihrer Kirche gerne umschmieden würde, antwortet Beate Wiegand nach kurzem Nachdenken mit einem Bild: „Ich wünsche mir die Kirche wie einen Abendmahlsbecher von unten stabil, mit einem guten Stand und nach oben hin offen. Am Rand des Kelches stelle ich mir filigrane durchlässige Verzierungen vor, damit etwas Licht von außen hineinkommt, aber auch Licht von innen heraus. Ich wünsche mir eine Kirche nach oben hin offen und reich verziert – aber ohne Deckel drauf!“

Bruno Ringewaldt

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