Segensgruß zum Hausgottesdienst am 02. August 2020

Orgelvorspiel aus der Evang. Kirche in Königsbach (Kantor Wolfgang Bürck)

Mendelssohn Bartholdy - Präludium in C-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 444,1-3 (Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne)

1) Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht. Der Morgen sich zeiget, die Röte aufsteiget, der Monde verbleicht.

2) Nun wollen wir loben den Höchsten dort oben, dass er uns die Nacht hat wollen behüten vor Schrecken und Wüten der höllischen Macht.

3) Kommt, lasset uns singen, die Stimmen erschwingen, zu danken dem Herrn. Ei bittet und flehet, dass er uns beistehet und weiche nicht fern.

Psalm: Psalm 48 (EG 728)

Groß ist der HERR und hoch zu rühmen in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge.

Schön ragt empor der Berg Zion, daran sich freut die ganze Welt

Wie wir's gehört haben, so sehen wir es an der Stadt des HERRN Zebaoth,

an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich.

Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.

Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit.

(Psalm 48,1-3a.9-11)

Gebet:

Herr, unser Gott, es ist Sonntag. Wieder feiern wir diesen einen Gottesdienst an ganz unterschiedliche Orten, im Wasserschloss, zuhause und vielleicht auch bei dem einen oder anderen unterwegs.

Wir danken dir, dass wir jetzt ganz bewusst zu Beginn der Sommerferien diesen Gottesdienst feiern dürfen, Sommerferien, die anders sind, als wir sie bisher gewohnt waren. Du siehst unsere Unsicherheit im Bezug auf die steigenden Infektionszahlen. Du siehst, dass viele von uns noch gar nicht so genau wissen, wo und wie sie die Ferien verbringen werden.

All das legen wir vor dich hin. Lass uns all diese Gedanken und Unsicherheiten ablegen, damit wir frei sind für dich und deine Gegenwart. Lass uns spüren, dass du jetzt mit deinem guten Geist mitten unter uns bist. Und in der Stille wollen wir dir noch sagen, was uns ganz persönlich in diesem Augenblick bewegt: …

Zuspruch:

Mache dich auf, werde licht, denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. (Jesaja 60,1)

Lesung: Jesaja 2,1-5

1 In einer Offenbarung empfing Jesaja, der Sohn von Amoz, folgende Botschaft über Juda und Jerusalem:[1] 2 Es kommt eine Zeit, da wird der Berg, auf dem der Tempel des Herrn steht, unerschütterlich fest stehen und alle anderen Berge überragen. Alle Völker strömen zu ihm hin. 3 Überall werden die Leute sagen: »Kommt, wir gehen auf den Berg des Herrn, zu dem Haus, in dem der Gott Jakobs wohnt! Er soll uns lehren, was recht ist; was er sagt, wollen wir tun!« Denn vom Zionsberg in Jerusalem wird der Herr sein Wort ausgehen lassen. 4 Er weist die Völker zurecht und schlichtet ihren Streit. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk. 5 Auf, ihr Nachkommen Jakobs, lasst uns in dem Licht leben, das vom Herrn ausgeht!

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 262,1-2.5-6 (Sonne der Gerechtigkeit)

1) Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an, daß die Welt es sehen kann. Erbarm Dich, Herr.

2) Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit, daß sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, Herr.

5) Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut, laß Du reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen säen. Erbarm Dich, Herr.

6) Laß uns Deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft üben gute Ritterschaft. Erbarm Dich, Herr.

Predigt: 

Lied: EG 410,1-4 (Christus, das Licht der Welt)

1) Christus, das Licht der Welt. Welch ein Grund zur Freude! In unser Dunkel kam er als ein Bruder. Wer ihm begegnet, der sieht auch den Vater. Ehre sei Gott, dem Herrn!

2) Christus, das Heil der Welt. Welch ein Grund zur Freude! Weil er uns lieb hat, lieben wir einander. Er schenkt Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen. Ehre sei Gott, dem Herrn!

3) Christus, der Herr der Welt. Welch ein Grund zur Freude! Von uns verraten, starb er ganz verlassen. Doch er vergab uns, und wir sind die Seinen. Ehre sei Gott, dem Herrn!

4) Gebt Gott die Ehre. Hier ist Grund zur Freude! Freut euch am Vater. Freuet euch am Sohne. Freut euch am Geiste: denn wir sind gerettet. Ehre sei Gott, dem Herrn!

Fürbittengebet:

Herr, wir kommen mit unseren Fürbitten vor dich und bitten dich: Erhöre uns und erbarme dich über die Nöte, die wir dir jetzt nennen:

Wir bitten dich für die Zeit der Sommerferien um Weisheit und Besonnenheit, um gute Entscheidungen für die Wahl des Urlaubsortes zu treffen. Zeige uns, was wir tun können, damit nicht eine zweite Corona-Welle unser öffentliches Leben zum Erliegen bringt.

Wir bitten dich für die Menschen, die kein Geld haben, um in den Urlaub gehen zu können, Menschen die aber trotzdem eine Auszeit brauchen, um wieder zu sich selbst und dadurch vielleicht auch zu dir zu finden. Zeige ihnen Wege, wie sie zu Erholung und Entspannung finden können.

Wir bitten dich für die Menschen aus unzähligen Berufssparten, die derzeit um ihre Existenz kämpfen müssen und die keine Reserven mehr haben, von denen sie leben können. Hilf ihnen und mach sie in ihrer Not erfinderisch, damit sie Ideen finden, durch die sie überleben können.

Wir bitten dich für die Natur in unserem Land und anderswo. Du siehst die Trockenheit und die Schäden, die dies für unsere Natur, vor allem die Wälder, mit sich bringt. Schenke du genügend Regen für unser Land und all die anderen Regionen der Welt, die vertrocknet sind.

Wir bitten dich auch in diesen Tagen für die hunderttausende von Menschen, die auf der Flucht sind und deren Schicksal so schnell in Vergessenheit zu geraten droht. Begleite sie auf ihren schweren Wegen und hilf ihnen einen Ort zu finden, an dem sie bleiben und eine neue Existenz aufbauen können.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 503,1.8.13 (Geh aus, mein Herz und suche Freud)

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

8) Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

13) Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, daß ich dir stetig blühe; gib, daß der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

Wochenspruch:

Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b-9)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.

So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel aus der Evang. Kirche in Königsbach

Gustav Merkel - Präludium in G-dur

(Altarleuchter in der Kreuzkirche Mühlhausen) Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5,8b-9)

EG 444,1-3 (Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne)

EG 262,1-2.5-6 (Sonne der Gerechtigkeit)

EG 410,1-4 (Christus, das Licht der Welt)

EG 503,1.8.13 (Geh aus, mein Herz und suche Freud)

Hörpredigt

Lesepredigt

Warum gerade ich? Liebe Gemeinde, diese Frage stellt sich jeder fast, der von einer schweren Krankheit heimgesucht wird. Was habe ich getan, dass ausgerechnet mir das passieren muss? Wir suchen in solchen Situationen nach Antworten, weil wir das, was unbegreifbar ist, wenigstens ein Stück weit verstehen wollen. So ging es auch den Jüngern Jesu, als sie mit dem Schicksal anderer konfrontiert wurden. Wir hören den Predigttext aus dem Johannesevangelium, Kapitel 9:

1 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Liebe Gemeinde, die Jünger betreiben Ursachenforschung. Für sie ist klar, dass es einen Zusammenhang geben muss zwischen dem, was man getan hat und dem, was einem widerfährt. Es ist für sie klar, weil sie an die Gerechtigkeit Gottes glauben. Damit sind sie nicht weit weg von den Menschen, die sich heute von Gott abwenden, weil sie nicht verstehen können, wie ein guter und gerechter Gott soviel Leid an offensichtlich Unschuldigen zulassen kann. Wie passt die Allmacht und die Liebe Gottes zu der Ohnmacht und Verlorenheit seiner Geschöpfe? Sind wir ihm vielleicht doch nicht so wichtig? Solche Gedanken sind es, die Menschen dazu bringen, an der Allmacht und der Liebe Gottes zu zweifeln.

Die Jünger Jesu sind noch voller Vertrauen, dass Jesus eine für sie passende und nachvollziehbare Erklärung für das Schicksal dieses Blindgeborenen parat hat. Der Blindgeborene wird für sie zum Studienobjekt. Sie wollen einen Blick zurück in seine Lebens- und Familiengeschichte tun. Sie sprechen über ihn, – nicht mit ihm?

Was Jesus den Jüngern auf die Frage nach der Ursache antwortet, bringt ihr Weltbild durcheinander. Weder der Blinde selbst noch seine Eltern können etwas dafür, dass dieser blind zur Welt gekommen ist. Das ist ein Schlag ins Gesicht. Haben damit am Ende doch diejenigen recht, die mit einem solchen Gott, der solche Ungerechtigkeit zulässt, nichts mehr zu tun haben wollen?

Jesus nimmt die Frage seiner Jünger ernst, doch er wechselt die Perspektive. Statt zurück in die Vergangenheit zu schauen und Ursachenforschung zu betreiben, richtet er den Blick nach vorne. Er eröffnet den Jüngern einen Raum und eine Perspektive für diesen blinden Menschen: Gottes Werke sollen an ihm offenbar werden. Jetzt beginnt etwas, was wir überall in der Bibel und im Handeln Gottes beobachten können. Gott verwandelt das Unvollkommene in Vollkommenes. Er richtet das gecknickte Rohr auf und sorgt dafür, dass der glimmende Docht nicht erlischt, wie es der Prophet Jesaja ausdrückt.

Jesus ist genau für solche Menschen und Situationen in die Welt gekommen, er ist als der Arzt gekommen, der das Kranke sucht und nicht das Perfekte. Er ist als der gekommen, der das Verlorene sucht, um es wieder heim zu bringen. Wenn Menschen heute den christlichen Glauben für nicht mehr relevant halten, dann hat es auch etwas mit dem verlorengegangenen Gefühl für Krankheit und Verlorensein zu tun. Sie haben sich damit abgefunden, dass die Welt „eben so ist, wie sie ist“ und dass „die eben Pech gehabt haben“, die auf der Verliererseite des Lebens stehen; „dass das schon seine Gründe haben wird.“ All das sind Erklärungsversuche für das, was letztlich unerklärbar bleibt. Oder wir suchen verbittert nach dem Schuldigen für das Leid, den wir zur Verantwortung ziehen können. Wir klammern uns an den Gedanken, dass, wenn wir die Schuld zugewiesen haben, auch das Leid weg ist. Aber das stimmt nicht. Vielleicht haben wir dann recht, aber wir sind nicht heil geworden. Das Leid bleibt. Die Ohnmacht bleibt. – Jesus sieht genau diese Ohnmacht an, kann sie aushalten, erbarmt sich über sie. Menschen, die vor dieser Ohnmacht fliehen, diesen Leuten hat das Christentum nichts zu sagen. Doch die, die unter ihrer Situation leiden, die hadern, die spüren, dass ein anderes Leben möglich sein könnte und die sich danach sehnen, denen hat Jesus sehr viel zu sagen und auch zu geben, für die ist Jesus als das Licht in die Dunkelheit dieser Welt gekommen.

Doch nun zurück zum Text: Was Jesus nun tut, ist sonderbar. Aus Spucke und Staub macht er einen Brei, den er dem Blinden auf die Augen streicht. Diese Szene erinnert an die Schöpfungsgeschichte, als Gott den Menschen aus Erde formte und ihm seinen göttlichen Lebensatem einhauchte. Jesus beginnt bei diesem Menschen mit seiner neuen Schöpfung, einer Schöpfung die durch den Glauben an Jesus und sein Werk beginnt. Luther nennt dies die Creatio continua, die immerwährende Neuschöpfung: Jesus knüpft an die Schöpfung Gottes vor aller Zeit an und zeigt uns damit, dass diese Schöpfung in ihm zur Vollendung kommt, in Gegenwart und Zukunft.

Wie sieht das heute aus? Joni Earikson wurde durch einen Badeunfall querschnitzgelähmt, Nick Vujicic kam ohne Arme und Beine auf die Welt, Bethany Hamilton verlor bei einer Haiattacke ihren rechten Arm, Samuel Koch wurde durch einen Unfall bei Wetten Dass querschnittsgelähmt. Sie kennen diese Beispiele vielleicht. – Das, was diese Menschen miteinander verbindet, ist, dass auch sie vor der Frage standen: Warum gerade ich? Warum musste ausgerechnet mir das passieren? Auch sie standen alle vor dem Blick zurück in ihr Leben und der damit verbundenen Ursachenforschung. Doch sie alle haben auch noch etwas anderes, das sie miteinander verbindet: Sie alle sind in ihrer Not Jesus begegnet und haben erfahren, dass Gott sie in dieser Situation nicht verlassen hat, dass Gott ihr Schicksal gebrauchte, um sein herrliches Werk an ihnen zu offenbaren. Sie konnten durch ihren Glauben Mut, Zuversicht und Hoffnung schöpfen und sie alle loben und preisen Gott heute nicht zuletzt auch durch ihre Behinderungen, indem sie anderen durch ihre eigenen Lebensgeschichten Mut machen. Nick Vuijicic sagte hierzu: Wenn du kein Wunder erlebst, dann sei selber eins.

Diese Menschen zeigen uns, dass Gott sie nicht vergessen hat, dass er sie nicht mit ihrem Schicksal bestraft hat, sondern dass er ihre ganz besondere Lebensgeschichte benutzt, um sein Wesen und Werk in unserer Welt zu offenbaren. Diese Menschen zeigen uns, dass wir Menschen auch in den Beschränkungen unseres Lebens dennoch innerlich befreit und fröhlich sein können.

Solche mutmachenden Menschen brauchen wir. Es gibt zu viele Menschen um uns herum, die allen Lebensmut verloren haben, Menschen, die sich in den Materialismus flüchten, um mit käuflichen Dingen die Leere in ihrem Leben zu stopfen. Was wird sein, wenn die Folgen der Pandemie auch bei uns durchschlagen? Was wird sein, wenn Daimler, Porsche und Co. auch bei uns massiv Stellen abbauen werden und unzählige Familien in unserer Region, die ihre Baukredite und anderes abstottern, keine Perspektive mehr haben? Mir graut davor, wenn ich an den Herbst denke, wenn vielen Kleinunternehmern dann die Puste ausgeht und eine Insolvenzwelle droht. Zu welchen Mitteln werden die Menschen greifen, die ohnehin schon psychisch angeschlagen sind und sich in einer ausweglosen Situation befinden?

Wir Menschen haben nur dieses eine Leben und alles was uns passiert, an Gutem wie an Schlechtem, stellt uns vor die Frage, wie wir damit umgehen und was wir daraus machen. Die Antwort auf diese Frage hängt maßgeblich davon ab, was wir glauben und an welchen Werten und Vorstellungen wir uns orientieren. Kann die Erinnerung an die eigene Taufe, die Konfirmation und den Religionsunterricht dabei vielleicht einen Weg zurück zu Jesus weisen? Können wir uns bei diesen Fragen an unser Leben auch auf die Frage einlassen, was Jesus mit unserem Leben und seinen Umständen zu tun hat?

Sich in seiner individuellen Lebenssituation von Jesus finden zu lassen und dann von ihm zurück zu unserem himmlischen Vater gebracht zu werden, dass ist es, wozu Gott seinen Sohn Jesus in die Welt gesandt hat. Das ist es, wozu wir Christen als Leib Jesu Christi in dieser Welt sind. Zusammen mit Jesus sollen wir nach dem suchen, was verloren ist und es dann zurück zu Gott bringen.

Wir können mit unserm Schicksal hadern, Gott und der Welt die Schuld dafür geben, doch wird das an unserer Situation nichts ändern, nichts besser machen. Wir werden dadurch nur noch mehr verbittern und resignieren, weil es uns vor Augen führt, dass wir letztlich ganz alleine und verlassen in dieser Welt sind. Doch wir können Gott mit unserem Schicksal auch loben und verherrlichen. Das hört sich paradox an, doch es ist genau dass, was Jesus mit seinem Leidensweg getan hat, was Paulus und die Apostel mit ihrem Schicksal getan haben. Sie konnten Gott mit ihrem Leid loben und preisen, weil sie wussten, dass Gott auf ihrer Seite ist, dass Gott ihren Kampf kämpft und dass Gott sie nicht der Einsamkeit, der Verlassenheit und dem Tod überlässt.

Ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren werde, wenn sich bei mir solche Schicksalsschläge ereignen, wenn ich mit einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, Krebs oder dem Verlust eines mir besonders nahestehenden Menschen konfrontiert werde. Aber ich weiß, dass meine Reaktion etwas damit zu tun haben wird, wie ich in der Vergangenheit mit solchen Dingen umgegangen bin und wie ich Gottes Treue und Liebe dabei im Nachhinein erkennen konnte.

Alles, was uns widerfährt, formt uns und unser Leben und macht uns zu dem, was wir sind. Es trägt dazu bei, dass wir die Wahrheit über uns selbst herausfinden. Diese Wahrheit kann ich nur ertragen, wenn ich weiß, dass Gott auf meiner Seite steht und dass ich von ihm geliebt bin, egal was war, was ist und was kommt. Im Kreuz Jesu begegne ich mir selbst, meiner Angst, meinem Leid und Schmerz. Doch im Kreuz begegne ich auch der Liebe Gottes, seiner Vergebung, der Hoffnung und der Auferstehung.

Die Heilung des Blindgeborenen wäre nicht der Erwähnung wert gewesen, wenn dieser nur sehende Augen und nicht auch ein sehendes Herz bekommen hätte, ein Herz, das in Jesus das Licht der Welt erblickt hat. Nur dieser Blick auf Jesus konnte dem Geheilten dabei helfen, dass sein Leben wirklich dauerhaft geheilt und verändert wurde, auch als dieses Leben vielleicht alt und lebenssatt seinem Tod ins Auge schauen musste.

Wo wir Gott mit unserem Leben und unseren Lebensumständen verherrlichen, da scheint etwas von dem Licht Jesu in unserer Welt auf, ein Licht, das die Welt braucht um nicht an sich selbst und ihrer Verlorenheit zu verzweifeln und zugrunde zu gehen. Amen