Orgelvorspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

J.S. Bach. Choralbearbeitung zu "Allein Gott in der Höh sei Ehr"

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: NL 160,1-2.4 (In Christus gilt nicht Ost noch West)

1) In Christus gilt nicht Ost noch West, in ihm nicht Süd noch Nord, wo er wirkt, wird Gemeinschaft sein, gehalten durch sein Wort.

2) Woher wir stammen, fragt er nicht. Er lädt zu Brot und Wein, bringt alle uns an seinen Tisch, lässt uns dort eines sein.

3) Drum kommt und bindet fest den Bund. Was trennt, das bleibe fern. Wer unserm Vater dienen will, der ist verwandt dem Herrn.

4) In Christus trifft sich Ost und West, er eint auch Süd und Nord, schafft selbst die gute, neue Welt und spricht das letzte Wort.

Psalm: Psalm 139 (EG 771)

HERR, du erforschest mich und kennest mich.

Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.

Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.

Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –,

so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.

Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.

Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / da ich im Verborgenen gemacht wurde, da ich gebildet wurde unten in der Erde.

Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war,

und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.

Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!

Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine.

Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.

(Psalm 139,1-18.23.24)

Gebet:

Barmherziger Gott wir danken dir für diesen neuen Tag. Wir danken dir für diesen Gottesdienst, den wir jetzt gemeinsam Zuhause oder im Wasserschloss feiern. Schenke uns deinen Heiligen Geist und öffne unsere Herzen und Gedanken für das, was du uns heute sagen möchtest.

[Hier können wir Gott weitere Dinge sagen, die wir ihm gerne noch zu Beginn dieses Gottesdienstes sagen möchten.]

Zuspruch:

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. (Galater 3,26-27)

Lesung: Matthäus 28,16-20

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 200,1-2.4-5 (Ich bin getauft auf deinen Namen)

1) Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heilger Geist; ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk, das dir geheiligt heißt; Ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.

2) Du hast zu deinem Kind und Erben, mein lieber Vater, mich erklärt; du hast die Frucht von deinem Sterben, mein treuer Heiland, mir gewährt; du willst in aller Not und Pein, o guter Geist, mein Tröster sein.

4) Mein treuer Gott, auf deiner Seite bleibt dieser Bund wohl feste stehn; wenn aber ich ihn überschreite, so lass mich nicht verloren gehn; nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an, wenn ich hab einen Fall getan.

5) Ich gebe dir, mein Gott, aufs Neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn. Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut.

Predigt: 

Lied EG 288,1-5 (Nun jauchzt dem Herren, alle Welt)

1) Nun jauchzt dem Herren alle Welt! Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt, kommt mit Frohlocken, säumet nicht, kommt vor sein heilig Angesicht.

2) Erkennt, dass Gott ist unser Herr, der uns erschaffen ihm zur Ehr, und nicht wir selbst: durch Gottes Gnad ein jeder Mensch sein Leben hat.

3) Wie reich hat uns der Herr bedacht, der uns zu seinem Volk gemacht; als guter Hirt ist er bereit, zu führen uns auf seine Weid.

4) Die ihr nun wollet bei ihm sein, kommt, geht zu seinen Toren ein mit Loben durch der Psalmen Klang, zu seinem Vorhof mit Gesang.

5) Dankt unserm Gott, lobsinget ihm, rühmt seinen Namen mit lauter Stimm; lobsingt und danket allesamt. Gott loben, das ist unser Amt.

Fürbittengebet:

Herr, erhöre uns, wenn wir nun mit unseren Anliegen vor dich treten.

Wir bitten dich für unsere Gemeinde. Hilf uns in dieser herausfordernden Zeit beieinander zu bleiben. Lass uns aufeinander Acht haben, gerade auch jetzt, wo wir vieles nicht so tun können, wie wir es gewohnt sind.

Wir bitten dich für unser Land. Du siehst wie viele Menschen in Unsicherheit leben müssen und Angst vor der Zukunft haben. Hilf ihnen dabei nicht den Mut zu verlieren. Zeige ihnen, dass du sie in dieser Zeit nicht allein lässt, sondern bei ihnen bist.

Wir bitten dich um Kraft und Weisheit im Kampf gegen die Corona Pandemie. Lass uns nicht achtlos und unvorsichtig werden. Gib uns Geduld und einen langen Atem für diesen Weg voller Unsicherheit.

Wir bitten dich für deine Schöpfung. Stehe du den Tieren bei, die den Interessen der Menschen schutzlos ausgeliefert sind. Sei du ihr Anwalt und verhilf ihnen zu ihrem Recht. Schenke du gute Lösungen, wo Menschen und Tiere in Interessenskonflikte geraten. Hilf ihnen dabei, friedlich zusammen zu leben.

[Hier können wir in der Stille weitere Anliegen vor Gott bringen.]

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 643,1-3 (Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst)

1) Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst, mit der du lebst. Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst. Mit ihr lebst du.

2) Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort, von dem du lebst. Fürchte dich nicht, getragen von seinem Wort. Von ihm lebst du.

3) Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag, für den du lebst. Fürchte dich nicht, gesandt in den neuen Tag. Für ihn lebst du.

Wochenspruch:

So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Improvisation zu "Fürchte dich nicht"

Taufschale in der Kreuzkirche Mühlhausen

NL 160,1-2.4 (In Christus gilt nicht Ost noch West)

EG 200,1-2.4-5 (Ich bin getauft auf deinen Namen)

EG 288,1-5 (Nun jauchzt dem Herren, alle Welt)

EG 643,1-3 (Fürchte dich nicht, gefangen in deiner Angst)

Hörpredigt

Hörpredigt zu 5. Mose 7,6-12

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag steht unter dem Motto: „Aus der Taufe leben“. Wir dürfen uns an unsere Taufe erinnern und uns Gedanken darüber machen, wie die Taufe unser Leben prägt und beeinflusst. Das Thema Taufe ist gerade in diesem Jahr auch von daher besonders spannend, weil viele Taufen aufgrund der Coronakrise abgesagt oder zumindest auf ungewisse Zeit verschoben wurden. Wie wichtig oder verzichtbar ist die Taufe in Krisenzeiten?

Unser Predigttext scheint hiermit zunächst erstmal gar nichts zu tun zu habe. Er steht im Alten Testament, im 5. Buch Mose, Kapitel 7. Er gehört an eine Stelle, die einen Wendepunkt in der Geschichte Israels markiert. Nachdem Israel vierzig Jahre durch die Wüste geirrt war und bevor sie nun das ihnen verheißene Land in Besitz nehmen durften, sollte das Volk noch einmal innehalten und sich seiner besonderen Beziehung zu Gott vergewissern. So lautet der Predigttext folgendermaßen:

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. 12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

In unserem Predigttext gibt es zwei Aspekte, die auch bei der Taufe eine wichtige Rolle spielen. Es sind der Bund und die Erwählung.

Beginnen wir mit der Erwählung. Wir alle kennen es: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Ständig müssen wir gute und begründete Entscheidungen treffen. Eine Wahl zu haben bedeutet eine Freiheit zu haben, die Freiheit entscheiden zu können. Gott hat uns mit dieser Freiheit zur Wahl ausgestattet, weil sie ihm entspricht. Wir haben es mit einem Gott zu tun, der ständig auswählt und erwählt. Unter all den unzähligen Planeten unseres Universums hat er diesen einen Planeten erwählt um hier auf unserer Erde Leben entstehen zu lassen. Unter all den unzähligen Lebensformen auf Erden hat er den Menschen zu seinem Gegenüber erwählt. Unter all den Völkern hat er sich ein Volk ausgesucht, mit dem er eine besonders enge Beziehung eingehen will. In diesem Volk hat er eine unscheinbare junge Frau erwählt, um in ihrem Leib durch seinen Sohn Jesus auf die Welt zu kommen.

Gott erwählt, legt sich fest und geht verbindliche Beziehungen ein. Er tut dies aus freien Stücken und er tut dies aus Liebe, wie wir im Predigttext gesehen haben, wenn es dort heißt: Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern […] weil er euch geliebt hat. Diese Liebe hat Gott dazu gebracht seine Geschichte mit dem Volk Israel zu schreiben und mit ihm einen Bund einzugehen, der bis heute Bestand hat.

Damit sind wir beim zweiten Aspekt: Ein Bund ist etwas festes, verbindliches und verlässliches. Er ist das Gegenteil von unverbindlich und beliebig. Einen Bund einzugehen bedeutet, freiwillig auf einen Teil seiner Freiheit zu verzichten, um mit dem Bundespartner eine Beziehung eingehen zu können.

Genau das ist es, was bei der Ehe geschieht, wenn zwei Menschen den Bund fürs Leben eingehen. Beide brauchen die Verbindlichkeit eines Ehebundes, um den gemeinsamen Herausforderungen der Existenz- und Familiengründung gewachsen zu sein.

Als Gott seinen Bund mit Abraham, Isaak und Jakob eingegangen ist, hat er sich bereit erklärt mit Ihnen durch dick und dünn zu gehen. Und genau so verlief die Geschichte auch. Als Israel in Ägypten geknechtet wurde, hat Gott sich nicht aus dem Staub gemacht und seine Leute sitzen lassen. Er blieb treu an der Seite seines Volkes und wurde sehr kreativ, um diesem Volk in seiner Not beizustehen.

Weil wir als Christen den selben Gott wie das Volk Israel haben, einen Gott, der treu zu seinem Bund mit ihnen steht, gilt seine Art der Bundestreue auch für den neuen Bund, den er durch Jesus Christus mit uns geschlossen hat. Damit sind wir bei der Taufe als Zeichen dieses Bundesschlusses.

Die meisten von uns wurden vor langer Zeit als kleine Kinder getauft. Wir können uns nicht daran erinnern, was damals geschah. Wir wurden nicht getauft, weil wir diese besondere Handlung bewusst gewollt oder irgendwie verdient hätten. Wir wurden getauft, weil unsere Eltern es so für uns entschieden haben, weil unsere Eltern diese Form für uns gewählt haben. Damit geht es uns als Kind getauften übrigens genauso wie den jüdischen Kindern, die auch nicht gefragt werden, ob sie Juden sein wollen. Die Jungen werden am achten Tag nach ihrer Geburt beschnitten und sind damit dann automatisch Juden.

Als Heranwachsende und später Erwachsene geht es uns ähnlich wie dem Volk Israel. Da wurde damals irgendetwas beschlossen, längst vor unserer aktiven und bewusst erlebten Zeit und wir sollen uns nun irgendwie dazu verhalten. Wir sollen uns überlegen, welche Relevanz unsere Taufe für unser heutiges Leben hat.

Dem Volk Israel fiel es häufig schwer, die Wahl Gottes und seinen Bund mit Abraham und Co. aus tiefstem Herzen zu bejahen, denn dieser Bund konnte auch eine Bürde sein. Gottes Liebe zeigt sich auch darin, dass es ihm nicht egal und gleichgültig ist, was sein Volk so treibt. Er hat eben auch einen Maßstab für gutes und gelingendes Leben, egal ob wir diesen teilen oder nicht. Und daran hat sich auch durch den neuen Bund nichts geändert.

Als Getaufte wurden wir um Jesu Christi willen erwählt und durch die Taufe in eine Beziehung mit ihm gestellt. Es ist Gottes Treue gegenüber seinem Sohn Jesus, die Gott dazu bringt an uns dran zu bleiben, egal ob wir als Getaufte nun in der Nachfolge Jesu leben oder Gottes Maßstäbe als Zumutung empfinden. Weil Gott Jesus und das durch ihn begründete Siegel der Taufe ernst nimmt, muss er auch uns und unsere Taufe ernst nehmen. Gott kann es nicht dabei bewenden lassen unsere Taufe als ein liebgewordenes Stück Tradition in das Fotoalbum unseres Lebens zu kleben. Nein, die Taufe bringt Gott dazu seinen Teil des Bundes treu zu leisten, egal ob wir gerade in einer Hoch- oder Tiefphase unseres persönlichen Glaubenslebens stecken.

Wir wären schön blöd, wenn wir diese Treue Gottes geringachten und verwerfen würden. Gerade unsere gegenwärtige Zeit erinnert uns an so manche Knechtschaften, denen unser Leben ausgesetzt ist: Die Sklaverei unter die Habgier weniger Menschen, die Sklaverei unter den hemmungslosen Raubbau an unserer Natur und den Ressourcen, die Sklaverei unter politische Tyrannen überall auf der Welt und die Sklaverei unter ein winzig kleines Virus, das die Welt in Atem hält. Wir ächzen und stöhnen unter diesen vielen Sklaventreibern und sehnen uns nach einem Leben in Freiheit und in paradiesischen Zuständen.

Unsere Taufe kann dabei zu unserem brennenden Dornbusch werden, in der wir dem lebendigen Gott begegnen, wo wir Gott sprechen hören und uns vergewissern können, dass er uns nicht vergessen hat. Er sieht uns in unserer jeweiligen Lebenssituation und will uns frei machen von diesen unzähligen Knechtschaften. In der Taufe können wir, wie einst Mose beim brennenden Dornbusch, auch unsere Berufung erfahren: Geht in die Welt zurück und führt die Kinder Gottes in die Freiheit. Wirklich frei können wir nur bei dem sein, der die Freiheit in Person ist und das ist Gott. Diese Freiheit kann aber auch bedeuten, dass Gott die Konsequenzen aus unserer Möglichkeit zur Treulosigkeit ziehen muss. Wenn wir uns entscheiden unser Leben ohne Gott zu führen und nicht auf seine Gebote und Weisungen zu achten, dann haben wir unser Lebensrecht und unsere Daseinsberechtigung verloren. Dann haben wir den Sinn aus dem Blick verloren, den Gott unserem Leben gab, als er uns zu seinem Gegenüber erschaffen hat. Dann bereiten wir nicht selten uns und anderen die Hölle auf Erden, weil wir gnadenlos auf Kosten anderer leben und unsere dunklen Seiten hemmungslos ausleben. Auch dass erleben wir ja gerade in unseren menschlichen Beziehungen. Wenn die Treu und Liebe eines Menschen nur mit Erniedrigung, Gewalt oder Seitensprüngen seines Partners beantwortet wird, dann hat dieser Partner den Bund gebrochen, dann hat dieser Partner alle Rechte und alles Vertrauen verspielt.

Am Ende stehen wir vor der Wahl: Wollen wir unser Leben bewusst aus der Taufe heraus als Kinder Gottes leben, oder nicht? Wollen wir uns für das Gute und für das was Leben und Beziehungen fördert entscheiden oder für das, was Leben und Beziehungen zerstört?

In der Taufe bietet uns Gott ein neues und gutes Leben an, ein Leben, dass aus der Barmherzigkeit und Liebe Gottes gespeist wird.

Wo ich mich meiner Taufe erinnere und bewusst aus ihr heraus lebe, erhält mein Leben ein Fundament und eine Richtung, in die ich gehen kann und genau das braucht es auch, damit ich am Ende ein Ziel erreichen kann, für das es sich zu leben gelohnt hat. Amen