Videogruß für Sonntag, 21. Juni 2020

Orgelvorspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

Johann Krieger (1653-1735) - Toccata D-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 168,1-3 (Du hast uns, Herr, gerufen)

1. Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier. Du hast uns, Herr, gerufen, und darum sind wir hier. Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir. Wir sind jetzt deine Gäste und danken dir.

2. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor. Du legst uns deine Worte und deine Taten vor. Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr. Herr, öffne unsre Herzen und unser Ohr.

3. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist. Herr, sammle die Gedanken und schick uns deinen Geist, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt, der uns das Hören lehrt und dir folgen heißt.

Psalm: Psalm 36 (EG 719)

HERR, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes / und dein Recht wie die große Tiefe. HERR, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

(Psalm 36,6-10)

Gebet:

Herr, du lädst uns in diesen Gottesdienst ein. Mit allem, was uns mühselig und beladen macht dürfen wir zu dir kommen und uns bei dir zu erfrischen. Von dir erhoffen wir uns neue Kraft und frischen Mut für unseren weiteren Lebensweg.

Danke, dass wir vor dir und anderen kein perfektes Bild vorspielen müssen. Danke, dass wir zu dir, zu uns und zu anderen ehrlich sein dürfen.

Lass uns erkennen, dass jeder von uns sein eigenes Päckchen mit sich herumträgt. Mach uns deshalb gnädig und barmherzig füreinander.

[Hier können wir Gott weitere Dinge sagen, die uns gerade beschäftigen und die uns Mühe und Not bereiten.]

Lieber Gott, sei du jetzt mit deinem Heiligen Geist bei uns. Verbinde alle, die den Gottesdienst jetzt in Mühlhausen, online, oder auf andere Weise feiern, zu einer Gemeinde. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

Zuspruch:

So spricht der Herr: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein. (Jesaja 43,1)

Lesung: Jesaja 55,1-5

1 Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! 2 Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. 3 Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. 4 Siehe, ich habe ihn den Völkern zum Zeugen bestellt, zum Fürsten für sie und zum Gebieter. 5 Siehe, du wirst Völker rufen, die du nicht kennst, und Völker, die dich nicht kennen, werden zu dir laufen um des HERRN willen, deines Gottes, und des Heiligen Israels, der dich herrlich gemacht hat.

Glaubensbekenntnis:

Verbunden mit der ganzen Christenheit auf Erden bekennen und bezeugen wir unseren Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 225,1-3 (Komm, sag es allen weiter)

Kehrvers: Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein! Komm, sag es allen weiter: Gott selber lädt uns ein

1. Sein Haus hat offene Türen, er ruft uns in Geduld, will alle zu sich führen, auch die mit Not und Schuld

Kehrvers

2. Wir haben sein Versprechen: Er nimmt sich für uns Zeit, wird selbst das Brot uns brechen, kommt alles ist bereit

Kehrvers

3. Zu jedem will er kommen, der Herr in Brot und Wein. Und wer ihn aufgenommen, wird selber Bote sein.

Kehrvers

Predigt:

Lied: NL 125 (Du bist heilig, du bringst Heil)

Du bist heilig, du bringst Heil, bist die Fülle, wir ein Teil der Geschichte, die du webst, Gott, wir danken dir, du lebst mitten unter uns im Geist, der Lebendigkeit verheißt, kommst zu uns in Brot und Wein, schenkst uns deine Liebe ein.

Du bist heilig, du bist heilig, du bist heilig. Alle Welt schaut auf dich. Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja. Amen

Fürbittengebet:

Herr, unser Gott, wir bitten dich für die, die mühselig und beladen sind. Wir bitten dich für die, die keine Kraft mehr zum Leben haben. Du siehst, worin die Mühen und Lasten des Lebens liegen.

Wir bitten dich für die Menschen bei uns und anderswo, die psychisch krank sind. Erbarme dich über Menschen mit schweren Depressionen und lass es in der Dunkelheit ihres Lebens wieder hell werden.

Wir bitten dich für die Menschen, die unter Alzheimer und anderen Formen der Demenz leiden. Herr, diese Krankheiten machen uns Angst und wir können uns nicht vorstellen, wie es den Menschen mit diesen Krankheiten im Innersten geht, was sie davon mitbekommen und was nicht. Wir bitten dich, sei ihnen in ihrer Welt nahe und lass sie mit ihren Augen des Herzens Dinge sehen, die uns vielleicht verborgen sind.

Herr, wir bitten dich für die Klugen und Weisen dieser Welt. Unser Verstand ist eine göttliche Gabe und ein Geschenk von dir. Lass diese Menschen ihren Verstand nicht für unnützes verschwenden. Lass sie ihren Verstand für deine Ziele gebrauchen, damit unsere Welt ein besserer Ort werden kann.

Allmächtiger Gott, im Schatten der großen Schlagzeilen passieren viele Dinge auf der Welt, die keiner mitbekommen soll. Du siehst, wo in unzähligen Ländern die Pandemie missbraucht wird, um Menschen zu unterdrücken, alte Rechnungen zu begleichen oder sich durch Raubbau an der Natur wertvolle Ressourcen einzuverleiben. Nichts von dem ist dir verborgen, nichts bleibt bei dir unentdeckt. Wir bitten dich um deine Gerechtigkeit. Bereite du diesen finsteren Machenschaften ein Ende.

Herr Jesus Christus, dir nachzufolgen ist nicht immer leicht. Du hast gesagt, dass dein Joch sanft und deine Last leicht ist. Bitte hilf unseren christlichen Brüdern und Schwestern, die weltweit Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt werden, ihre Lebenslasten zu tragen. Stärke ihren Glauben und lass sie deine Wirklichkeit und Gegenwart in einer Art und Weise erfahren, wie wir sie bei uns nur erahnen und erhoffen können. Danke, dass du um ihre Schwachheit weißt und mit ihnen zusammen diesen Weg bis ans Ende gehst.

[Hier können wir in der Stille die Dinge vor Gott bringen, die uns als Anliegen spontan in den Sinn kommen.]

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 168,4-6 (Du hast uns, Herr, gerufen)

4. Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein. Wenn wir jetzt weitergehen, dann sind wir nicht allein. Der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein. Der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.

5. Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus. Wir nehmen seine Worte und Taten mit nach Haus und richten unser Leben nach seinem aus und richten unser Leben nach seinem aus.

6. Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist. Er hat mit seinem Leben gezeigt, was Liebe ist. Bleib bei uns heut und morgen, Herr Jesu Christ. Bleib bei uns heut und morgen, Herr Jesu Christ.

Wochenspruch:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11,28)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

Robert Jones (*1945) - Tambourin

Aus dem Familienarchiv: Der Bruder meiner Großmutter bei der Feldarbeit 1939. Mensch und Tier bilden eine Einheit. Das Joch wurde auf die Maße, die Anatomie und Bedürfnisse des Tieres angepasst.

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, wie voll oder leer sind eure persönlichen Lebensakkus? Wieviel Kraft habt ihr für den Weg, der vor euch liegt? Wie geht es euch in einer Zeit, in der man die nächsten Wochen und Monate kaum planen kann, weil sich ständig eine neue Situation ergibt? Am heutigen Sonntag geht es um die große Einladung Gottes. Bei all dem, was da an Gedanken und Unsicherheiten durch unseren Kopf wirbelt, bei allem, was uns Sorgen macht, flattert auf einmal die Einladung Gottes aus heiterem Himmel in den Briefkasten unseres Herzens. So wie wir gerade sind dürfen wir zu ihm kommen.

Der heutige Predigttext, der dieser Einladung zugrunde liegt, steht im Matthäusevangelium, Kapitel 11:

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Gemeinde, ich frage mich, wer diese Einladung Jesu heute hören wird. Wer von denen, die diesen Hausgottesdienst zugemailt bekommen, wird sich die Mühe machen, ihn auszudrucken oder online mitzufeiern. Bei denen, die sich zum Gottesdienst in Mühlhausen angemeldet haben, weiß ich es, bei den anderen nicht. Was ich aber weiß ist, dass diesen Gottesdienst vor allem diejenigen feiern, denen etwas daran liegt, diejenigen, die in einer Beziehung zu Gott und zu seiner Gemeinde hier vor Ort stehen. Diejenigen, denen Gott und das, was wir hier machen gleichgültig ist, die werden von diesen Gedanken niemals etwas hören oder lesen.

Doch zurück zu der Einladung: Der Predigttext beginnt mit Jesu Anbetung seines himmlischen Vaters. Jesus preist Gott dafür, dass er das Geheimnis seiner Sendung den Weisen und Klugen verborgen und stattdessen den „Unmündigen“ offenbart hat. Damals wie heute gibt es viele kluge Menschen, deren Klugheit keinen Platz für Gott lässt. Der Gedanke an einen unsichtbaren liebenden Vater im Himmel, der auf seine Menschen schaut und ihnen durch Wunder hilft widerspricht menschlicher Vernunft. Gott ist etwas für Einfältige, für die Verlierer, die halt sonst im Leben zu kurz gekommen sind und irgendetwas brauchen, woran sie sich klammern können.

Ja! Genau so ist es, bestätigt Jesus. Gott kommt zu den Unmündigen, zu denen, die einen ehrlichen und realistischen Blick auf ihre Lebenssituation haben, zu denen, die sich nicht hinter Reichtum und ihrem Intellekt verstecken können.

Jesus lädt die ein, die keine Kraft mehr haben, um Gott als ein rein intellektuelles Gedankenspiel zu sehen, bei dem der eigene Verstand den Schiedsrichter abgibt und entscheidet, ob es vernünftig ist, an Gott festzuhalten oder nicht.

Mühselig und beladen zu sein, heißt, sich seiner eigenen Hilflosigkeit, Ohnmacht und Begrenztheit bewusst zu sein. Mühselig beladene sind Menschen, die einer trügerischen, scheinbaren Sicherheit beraubt wurden, die die Erfahrung gemacht haben, das Geld, Besitz, Gesundheit, menschliche Beziehungen und sogar der eigenen Verstand zerbrechlich sind und als Fundament des Lebens nicht taugen.

Diese Mühseligen und Beladenen lädt Jesus zu sich ein und will sie erquicken, er will ihnen zu trinken geben, wenn sie durstig sind, ihnen ein Lager bereiten, wenn sie müde sind, sie ermutigen, wenn sie betrübt sind, sie zum Lachen bringen, wenn sie vor lauter Schwermut nicht mehr ein noch aus wissen. Doch wie um alles in der Welt will Jesus das machen?

Jesus sagt: 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Ein Joch ist ein Begriff, der aus der Landwirtschaft stammt. Pferde, Ochsen und Kühen wird ein Joch umgelegt, wenn sie eine Last, wie einen Pflug oder einen Wagen ziehen sollen. Wieso soll ein mühseliger und beladener Mensch denn nun noch eine weitere Last ziehen? Das scheint auf den ersten Blick paradox zu sein. Doch ist das Bild vom Joch interessant. Ein Joch ist ein Bindeglied. Es sorgt dafür, dass aus dem Tier und seinem Herrn eine Einheit wird. Das Tier muss gewisse Freiheiten abgeben und dem Herrn erlauben, es anzutreiben und steuern. Der Herr hat im Gegenzug die Verantwortung, das Tier auf den richtigen Weg zu bringen, die Kräfte des Zugtieres richtig einzuschätzen und es auch ansonsten gut zu versorgen.

Auf den ersten Blick ist dieses Bild vielleicht befremdlich, wenn man es auf uns Menschen überträgt. Auf den zweiten Blick jedoch verrät es uns etwas über die wunderbare Einheit zwischen Jesus und uns Gläubigen. Wir bilden mit ihm eine Einheit. Wir geben ihm unser Vertrauen und dürfen dafür erwarten, dass er mit unserer Schwachheit Schritt hält und uns behutsam weiterbringt. So erleben wir, dass wir mit ihm gemeinsam etwas bewegen und unser Leben wie auch die Welt gestalten können.

Was für eine Verheißung, dass Jesu Joch und seine Last leicht sein werden im Vergleich zu dem, was uns unser Leben sonst so aufbürdet. Er ist ein guter Lenker, sanftmütig und von Herzen demütig, niemand, der aus eigensüchtigen Interessen Macht und Einfluss über uns gewinnen will. So wie Jesus kann nur jemand sprechen, der sich in unser Leben hineinversetzen kann und der die Lebenslasten selbst schon einmal getragen hat. Lernt von mir bedeutet, dass wir von Jesus lernen können, wie man mit diesen Lasten richtig umgeht und wo man sie abgeben kann. Jesus hat die gleichen Lebenserfahrungen wie wir gemacht. Wie wir ist er in mancherlei Versuchung geführt worden, hat Verrat und im Stich gelassen werden erfahren. Mit seinem eigenen Leib hat er Schmerzen und Todesnöte durchgestanden und ist zuletzt auch den Weg durch das Tal des Todes gegangen. Jesus weiß also, was er uns zumuten kann und was nicht. Niemals werden wir größere Nöte und Lasten zu tragen haben als er. Seine Lebenserfahrung hat ihn demütig gemacht und in dieser Demut und Sanftheit begegnet er auch uns. Seine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Korinther 12,9)

Jesus handelt in unserem Interesse. Er hat dabei vor allem ein Ziel für uns: Ruhe für unsere Seele.

Ruhe wünschen sich viele Menschen. Ruhe ist nicht langweilig. Ruhe schafft neue Freiräume, Freiräume, in denen die Gedanken neue Wege gehen können, Freiräume, in denen auf einmal wieder Platz für Muße ist und Kreatives entstehen kann. Doch man muss diese Ruhe auch zulassen und das fällt vielen von uns schwer. Gerade auch die ältere Generation hat noch gelernt, dass man immer in Bewegung sein muss, weil Ruhe mit Faulheit und Müßiggang gleichgesetzt wurde.

Wenn Jesus von Ruhe spricht, dann hört sich dies nicht nach Faulheit und Langeweile an. Bei ihm ist Ruhe die Voraussetzung für das, was dann kommen kann, für das, was der Einladung folgt, wenn wir sie annehmen.

Gottes Einladung an uns durch seinen Sohn Jesus Christus ist eine Einladung zur Teamarbeit. Gott möchte mit uns zusammen die Welt in seinem Sinne gestalten. Deswegen auch das Bild vom Joch, das eben diesen gestalterischen Aspekt mit hineinbringt. Mit Gott am Zügel können wir etwas bewegen und in die richtige Richtung bringen. Mit ihm zusammen können wir die verkrusteten Strukturen aufpflügen und das Feld neu bestellen. Die Ruhe unserer Seele ist die Voraussetzung dafür, dass unser Leben in dieser Welt Frucht bringen kann, dass mein Leben und Einsatz auch zum Segen für meinen Nächsten werden kann. Solange meine Seele ruhelos und friedlos ist, bin ich vor allem noch mit mir selbst beschäftigt und damit wie ich mich selbst und mein Leben noch weiter optimieren, wie ich meine Schäfchen ins Trockene bringen kann.

Wenn ich aber weiß, dass ich zur Herde meines Herrn gehöre und er für mich sorgt, dann kann ich meinen Horizont auch wieder weiten.

Für mich gehört dies zu den zentralen Aufgaben unserer Gemeinde in der kommenden Zeit: Dass wir unseren Horizont weiten und danach fragen, wo die Mühsam und Beladenen bei uns sind, die Jesus zu sich einladen möchte. Sind dies vielleicht die Familien, die unter den Mehrfachbelastungen von Arbeit und Kinderbetreuung zu leiden haben? Sind es die Senioren, die sich vergessen und im Stich gelassen fühlen? Oder sind es die Singles und Alleinerziehenden, die in unserer gutbürgerlichen Welt nur allzu leicht übersehen werden? Lasst es uns herausfinden und dann aktiv auf sie zugehen!

Wir werden dies nur dann herausfinden, wenn wir uns auch als Gemeinde in Bewegung setzen und mit offenen Augen durchs Biet und die weitere Welt gehen. Eine Einladung auszusprechen macht auch nur dann Sinn, wenn wir auch selbst am Fest teilnehmen, wenn wir dabei sind und die Gemeinschaft untereinander zulassen. Ich freue mich auf das gemeinsame Feiern, auch wenn dies unter den Coronabedingungen anders aussieht, als wir es gewohnt sind. Amen

EG 168,1-3 (Du hast uns, Herr, gerufen)

EG 225,1-3 (Komm, sag es allen weiter)

NL 125 (Du bis heilig, du bringst Heil)

EG 168,4-6 (Du hast uns, Herr, gerufen)