Videogruß für Sonntag, 07. Juni 2020 (Trinitatis)

Orgelvorspiel

Heinrich Scheidemann (1596-1663) Präludium C-dur, gespielt auf der Rohlf-Orgel in Dürrn

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 445,1-2.5 (Gott des Himmels und der Erden)

1) Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt und was drinnen ist, erhält:

2) Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

5) Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

Psalm: Psalm 100

Jauchzet dem HERRN, alle Welt! Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!

Denn der HERR ist freundlich, und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

(Psalm 100,1b-5)

Gebet:

Herr, wir danke dir für deine Freundlichkeit, für deine Gnade und Wahrheit. In all dem erfahren wir, dass du es gut mit uns meinst, dass du auf unserer Seite stehst. Das gibt uns Zuversicht für den heutigen Tag und für die neue Woche, die vor uns liegt. Wir danken dir, dass wir diese Woche mit dir beginnen dürfen. Sprich du jetzt zu uns in diesem Hausgottesdienst. Lass uns deinen Heiligen Geist spüren durch die Gedanken, die du uns schenkst, durch die Liebe, mit der du uns erfüllst, durch das Staunen über dich in deiner Dreieinigkeit.

Alles, was uns jetzt daran hindert ganz bei dir zu sein, legen wir vor dich. Du weißt, warum uns diese Dinge gefangen nehmen und uns von dir ablenken wollen. Hilf uns dabei sie loszulassen.

[Hier können wir unsere Ablenkungen, unsere Unruhe aber auch unsere Zweifel und geistlichen Anfechtungen vor Gott bringen.]

Herr nimm du all diese Lasten und Gedanken und ersetze sie durch gute Gedanken und deinen Frieden tief in uns. Amen

Zuspruch:

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. (Matthäus 5,3-4)

Lesung: Johannes 3,1-13

1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. 2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. 3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. 4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden? 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. 6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. 7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. 8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist. 9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen? 10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht? 11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. 12 Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage? 13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

Glaubensbekenntnis:

Verbunden mit der ganzen Christenheit auf Erden bekennen und bezeugen wir unseren Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 139,1-3 (Gelobet sei der Herr)

1) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Licht, mein Leben, mein Schöpfer, der / mir hat mein Leib und Seel gegeben, mein Vater, der mich schützt / von Mutterleibe an, der alle Augenblick / viel Guts an mir getan.

2) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Heil, mein Leben, des Vaters liebster Sohn, / der sich für mich gegeben, der mich erlöset hat / mit seinem teuren Blut, der mir im Glauben schenkt / das allerhöchste Gut.

3) Gelobet sei der Herr, / mein Gott, mein Trost, mein Leben, des Vaters werter Geist, / den mir der Sohn gegeben, der mir mein Herz erquickt, / der mir gibt neue Kraft, der mir in aller Not Rat, / Trost und Hilfe schafft.

Predigt zu 4. Mose 6,22-27

Lied: EG 139,1-3 (Geh unter der Gnade)

Refrain:

Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen, geh in seinem Frieden, was auch immer du tust. Geh unter der Gnade, hör auf Gottes Worte, bleib in seiner Nähe, ob du wachst oder ruhst.

1) Alte Stunden, alte Tage lässt du zögernd nur zurück. Wohlvertraut wie alte Kleider sind sie dir durch Leid und Glück.

Refrain

2) Neue Stunden, neue Tage ? zögernd nur steigst du hinein. Wird die neue Zeit dir passen? Ist sie dir zu groß, zu klein?

Refrain

3) Gute Wünsche, gute Worte wollen dir Begleiter sein. Doch die besten Wünsche Münden Alle in den einen ein: Refrain

Fürbittengebet:

Heiliger Geist, wir bitten dich: komm. Die Welt braucht dich. So viele Menschen, die leiden und krank sind.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele Menschen, die verzweifelt sind und alles zurücklassen.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele Menschen, die nicht wissen, wem sie vertrauen sollen.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele Menschen, die bedroht werden.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele Menschen, die voller Sorgen sind.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele Menschen, die gegen den Tod ankämpfen.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele, die Hass säen, Gewalt üben, den Tod verherrlichen.

Komm zu ihnen, Heiliger Geist.

So viele, die dir vertrauen und sich nach dir sehnen.

Komm mit deinen Gaben. Komm mit deiner Liebe.

Komm mit Weisheit, Rat und Stärke. Komm mit deinem Trost. Komm in unsere Mitte. Mache uns neu, bewege uns und sende uns. Heiliger Geist, wir bitten dich: komm.

Gott, unser Vater, mit deinem Heiligen Geist erinnerst du uns auch an spezielle Menschen und Situationen, die der Fürbitte bedürfen. Zeige uns jetzt, über wen oder was du mit uns sprechen möchtest:

[Hier können wir in der Stille die Dinge vor Gott bringen, die uns als Anliegen spontan in den Sinn kommen.]

Herr, die Dinge, die wir jetzt vor dich gebracht haben, liegen uns auf dem Herzen. Wir fühlen uns hilf- und machtlos dabei; wir können hier kaum etwas bewirken. Deshalb vertrauen wir auf deine Macht und deine unbegrenzten Möglichkeiten. Du allein bist Gott. Wir bitten dich um Hilfe und Beistand für unsere Anliegen. Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: NL 118,1-2 (Der Herr segne dich)

Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht. Tiefer Friede begleite dich.

Refrain

1) Ob du ausgehst oder heim kommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob du in das Tal hinabschaust oder Berge vor dir steh´n - mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen geh´n!

Refrain

2) Ob die Menschen, die du liebst, dies erwidern oder nicht, sei ein Segen durch die Gnade unsres Herrn. Ob die Träume, die du träumtest noch verheißungsvoll besteh´n oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum ausseh´n.

Refrain

Wochenspruch:

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! (2. Korinther 13,13)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel

Dietrich Buxtehude (1637-1707) Choralbearbeitung über "Nun lob, mein Seel, den Herren", gespielt auf der Heintz-Orgel in der Altstadtkirche Pforzheim

EG 445,1-2.5(Gott des Himmels und der Erden)

EG 139,1-3 (Gelobet sei der Herr)

NL 118,1-2(Der Herr segne dich)

Hörpredigt

Lesepredigt

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Liebe Gemeinde, wir feiern den Sonntag Trinitatis. Wir feiern das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Dabei machen wir uns bewusst, dass wir einen Gott haben, der uns in drei Personen begegnet: Gott dem Vater, Gott dem Sohn und Gott dem Heiligen Geist. Die Dreieinigkeit Gottes ist etwas Geheimnisvolles, etwas, das unseren Verstand übersteigt. Wie kann ein Gott zugleich drei Personen sein? Lassen wir uns auf die Trinität Gottes ein, so erleben wir, dass sich Gott uns immer wieder neu und anders offenbart.

Doch egal wo und wie Gott sich uns zeigt: Wir erfahren den Gott der Bibel immer als ein sprechendes und handelndes Gegenüber, als eine Person. Wir Menschen wurden auch als Personen mit einer ganz eigenen und individuellen Persönlichkeit erschaffen. In der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass Gott uns nach seinem Bilde geschaffen hat. Das bedeutet, dass wir als Menschen mit unseren Eigenschaften immer auch etwas von Gottes Eigenschaften widerspiegeln, auch das Geheimnisvolle.

Und so ist nicht nur die Trinität Gottes ein unergründliches Geheimnis, sondern auch unsere eigene „Trinität“, bestehend aus Körper, Seele und Geist. Wer sind wir? Wo wohnt unsere Seele, unser unsichtbarer Geist, der uns ausmacht, der uns einzigartig und unverwechselbar macht? Im Kopf, im Herz oder im ganzen Körper? Wir teilen uns also mit Gott das Geheimnisvolle: Wie Gott sind auch wir letztlich unsichtbar und mit den Augen nicht zu fassen und zu begreifen. Das, was Gott in seiner Dreieinigkeit und uns Menschen in unserer Komplexität miteinander verbindet, ist das Personenhafte.

Über den Begriff Person habe ich bei Wikipedia folgendes gelesen:

„Das Lehnwort Person stammt vermutlich aus dem altgriechischen Wort für das „was man sehen kann“, also Gesicht, Antlitz oder sichtbare Gestalt des Menschen (altgriechisch πρόσωπον prosopon), wo die Einheit des Bewusstseins, des Denkens, Wollens und Handelns ihren Ausdruck findet.“

Diese Definition, genaugenommen die Begriffe Gesicht und Antlitz bilden eine gute Überleitung zu unserem heutigen Predigttext, ein Text, der uns aus unseren Gottesdiensten sehr vertraut ist: Der aronitische Segen. Ich lese aus dem dem 4. Buch Mose, Kapitel 6:

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Wenn dieser Segen am Ende eines Gottesdienstes gesprochen wird, dann ist das für viele Menschen ein heiliger Augenblick. Sie haben das Gefühl dabei auf eine ganz besondere und unmittelbare Weise mit Gott verbunden zu sein. Vielleicht hat das etwas mit dem ganz speziellen Charakter des Segens zu tun. Segnen können wir uns nicht selbst. Segen muss uns immer von außen zugesprochen werden, von einer Person zur anderen. Gott legt seinen Segen durch die Person des Segnenden auf den Gesegneten. Dabei hat der Segen immer auch eine sinnliche und körperliche Dimension: Meine Augen sehen den Segnenden und meine Ohren hören dessen Worte. Werden mir beim Segnen dann auch noch die Hände aufgelegt, spüre ich körperlich, dass ich gemeint bin und dass es hier um die Beziehung zwischen Gott und mir geht.

Doch was hat nun der aaronitische Segen unseres Predigttextes mit der Dreieinigkeit Gottes zu tun? Zunächst einmal ist dieser Segen auch in drei Teile unterteilt:

- Der Herr segne dich…

- der Herr… lasse sein Angesicht leuchten …

- der Herr erhebe sein Angesicht …

Dreimal wird der Herr als handelnde Person genannt und doch unterscheiden sich der zweite und der dritte Teil in einem wesentlichen Punkt vom ersten. Im zweiten und dritten Teil, anders als beim Ersten, ist vom Angesicht Gottes die Rede. Vorhin haben wir über den Begriff Person gehört: das „was man sehen kann“, also Gesicht, Antlitz oder sichtbare Gestalt des Menschen. – Überträgt man das auf Gott und den aaronitischen Segen, dann wird im ersten Teil des Segens eine Aussage über Gott im Allgemeinen getroffen. Der zweite und dritte Teil offenbart uns, wie Gott für uns sichtbar wird, von Angesicht zu Angesicht. Teilt man – aus unserer christlichen Sicht – die drei Teile des aaronitischen Segens den drei Personen der Trinität zu, ergibt sich hieraus ein ganz neues Verständnis dieses Segens:

Der Herr segne dich und behüte dich – das ist Gott der Vater, der uns seinen väterlichen Segen zuteilwerden lässt, der uns beschützt und liebt, wie ein guter Vater seine Kinder liebt und den wir im Vaterunser als Gegenüber haben.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig – Das, was wir als Menschen von Gott sehen können, worin wir seinem liebevollen Angesicht begegnen, das ist die Person Jesus. Das leuchtende und gnädige Angesicht passt gut zu den Worten Jesu, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt (Johannes 8,12). In Jesus ist uns die Gnade und Menschenfreundlichkeit Gottes in Person erschienen. Gott ist mir Sünder um Jesus Christus willen gnädig, weil Jesus meine Schuld ans Kreuz getragen hat.

Der Herr hebe sei Angesicht über dich und gebe dir Frieden – Das ist das Werk des Heiligen Geistes. Er schenkt unserer Seele und unserem Herzen Frieden. Er sorgt dafür, dass sich Unglaube und Zweifel in Glauben und Gewissheit verwandeln. Er sorgt dafür, dass wir als Kirche Jesu Christi nicht auseinander-brechen sondern als sichtbare Gemeinschaft der Kinder Gottes in Liebe verbunden bleiben.

So wie Gott in Jesus ein Angesicht bekommt, so bekommt auch der Heilige Geist im Werk der Gemeinde ein Angesicht, in der Gemeinde als dem lebendigen Leib Jesu Christi in dieser Welt. Wir merken: Alles ist mit allem und in allem miteinander verbunden.

Am Ende unseres Predigttextes sagt Gott zu Mose: So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. Der Name Gottes, das ist er selbst. Im brennenden Dornbusch teilt Gott Mose seinen Namen das erste Mal mit: Ich bin der ich bin. Das bedeutet, Gott ist der, der sich den Vätern in der Vergangenheit gezeigt hat, der sich in der Gegenwart mitteilt und der sich in der Zukunft offenbaren wird. Gott ist der, der das Leid seines Volkes sieht und sich erbarmt. Gott ist der, der treu zu seinen Verheißungen steht. Gott ist der, der sein Volk sicher ans Ziel führen wird.

Wenn wir den aaronitischen Segen am Ende unseres Gottesdienstes sprechen, dann haben wir es mit demselben Gott zu tun, der damals in der Wüste sein Volk gesegnet hat. Als seine Gemeinde dürfen wir den Ich bin, der ich bin nun als Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist anbeten. Wie sein Volk Israel so wird er auch uns als seine Gemeinde sicher durch Raum und Zeit an sein Ziel führen. Wie bei seinem Volk Israel wird er auch unser Leid und unsere Bedrängnis sehen und uns treu zur Seite stehen und mit allem versorgen, was wir zum Leben brauchen. Das gilt, auch wenn dieser Weg durch Anfechtung und Verfolgung führt.

Der aaronitische Segen wurde einst auf das Volk Israel gelegt und somit war jedes Individuum, das zu diesem Volk gehört, in seiner ganz eigenen Lebenssituation mitgemeint und mitgesegnet. Parallel dazu ist auch der Segen am Ende des Gottesdienstes ein Segnen der Gemeinde, in der ich als Teil der Gemeinde mitgemeint bin – mit meiner ganz persönlichen Lebenssituation. Segen ist immer auf eine Gemeinschaft bezogen. Segen bedeutet damit auch immer Teilhabe an einer Gemeinschaf: mit Gott als sein Volk, beziehungsweise als seine Gemeinde. Im Kern geht es deshalb in jedem Segen um Beziehung. Als Gemeinde spiegeln wir etwas von dem trinitarischen Beziehungsgeheimnis Gottes wider: Die Einheit von Gott, Gemeinde und Individuum. Als Gemeinde sind wir der Leib Christi und als Individuum bildet jeder von uns einen Tempel des Heiligen Geistes. Diese geheimnisvolle Wechselbeziehung finden wir auch noch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Ehe. Auch hier lohnt es sich, einmal das trinitarische Beziehungsgeheimnis zu ergründen, sofern die Ehe als ein Bund vor und mit Gott geschlossen wurde.

Ich wünsche Euch, dass ihr die Dreieinigkeit Gottes, die Dreieinigkeit der Gemeinde und vielleicht auch die Dreieinigkeit der Ehe als ein Wunder Gottes erfahrt, das uns täglich neu zum Staunen bringt. Ich wünsche Euch und uns, dass wir dabei die Erfahrung lebensspendender und liebevoller Beziehungen erfahren, die unser Leben erfüllen. Gott gebe uns für diese Beziehungen seinen Segen. Er gebe uns die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen