Videogruß zum Hausgottesdienst am 12. Juli 2020

Orgelvorspiel aus der evang. Kirche in Würm

Nicolas de Grigny (1672-1703, Reims): Veni creator spiritus

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 155,1-4 (Herr Jesu Christ, dich zu uns wend)

1) Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, dein Heilgen Geist du zu uns send, mit Hilf und Gnad er uns regier und uns den Weg zur Wahrheit führ.

2) Tu auf den Mund zum Lobe dein, bereit das Herz zur Andacht fein, den Glauben mehr, stärk den Verstand, dass uns dein Nam werd wohlbekannt,

3) bis wir singen mit Gottes Heer: Heilig, heilig ist Gott der Herr! Und schauen dich von Angesicht in ewger Freud und selgem Licht.

4) Ehr sei dem Vater und dem Sohn, dem Heilgen Geist in einem Thron; der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Psalm: Psalm 73 (EG 739)

Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,

du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte / und meine Zuversicht setze auf Gott den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.

(Psalm 73,23-26.28)

Gebet:

Herr, wir kommen vor dich, mit all unserer Schwachheit, all unserer Mutlosigkeit und allem anderen, was uns runterzieht.

Wir danken dir, dass du die Kraft und Geduld hast uns auszuhalten, so wie wir sind.

Vergib uns unsern Kleinglauben und unsere Ungeduld mit dir, wenn Dinge nicht so laufen, wie wir sie uns vorgestellt haben. Bewahre uns vor dem Irrtum zu glauben, wir hätten alles selbst im Griff und könnten unser Leben auch gut alleine hinbekommen.

Zeige uns stattdessen, dass du es gut mit uns meinst und dass du uns auf unserem Weg durchs Leben begleiten willst.

Sei du jetzt bei uns, wenn wir diesen Gottesdienst feiern.

[Hier können wir Gott weitere Dinge sagen, die wir ihm gerne noch zu Beginn dieses Gottesdienstes sagen möchten.]

Zuspruch:

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. (1. Korinther 1,9)

Lesung: 1. Mose 12,1-4a

1 Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. 2 Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Haran zog.

Glaubensbekenntnis:

Verbunden mit der ganzen Christenheit auf Erden bekennen und bezeugen wir unseren Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 313,1-3 (Jesus, der zu den Fischern lief)

1 Jesus, der zu den Fischern lief / und Simon und Andreas rief, / sich doch ein Herz zu fassen, / die Netze zu verlassen – / vielleicht kommt er auch heut vorbei, / ruft mich und dich, zwei oder drei, / doch alles aufzugeben und treu ihm nachzuleben.

2 Jesus, der durch die Straßen kam, / den Mann vom Zoll zur Seite nahm / und bei ihm wohnen wollte, / dass der sich freuen sollte – / vielleicht kommt er auch heut vorbei, / fragt mich und dich, zwei oder drei: / Wollt ihr mir euer Leben, /und was ihr liebhabt, geben?

3 Der durch die Welt geht und die Zeit, / ruft nicht, wie man beim Jahrmarkt schreit. / Er spricht das Herz an, heute, / und sammelt seine Leute. / Und blieben wir auch lieber stehn – / zu wem denn sollen wir sonst gehn? / Er will uns alles geben, / die Wahrheit und das Leben.

Predigt zu Lukas 5,1-11

Lied: NL 122,1-4 (Du bist der Weg und die Wahrheit)

Refrain:

Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Wer dir Vertrauen schenkt, für den bist du das Licht. Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben ewiges Leben wie dein Wort es verspricht. Du willst ihn leiten und ihm wahres Leben geben, ewiges Leben wie dein Wort es verspricht.

1) Das Brot bist du für den, der Lebenshunger hat. Und wenn er zu dir kommt, machst du ihn wirklich satt.

Refrain

2) Die Tür bist du für den, der an sich selbst verzagt. Du machst ihn frei, wenn er ein Leben mit dir wagt.

Refrain

3) Der Hirte bist du dem, den Lebensangst verwirrt: Begleitest ihn nach Haus`, dass er sich nicht verirrt.

Refrain

4) Der Weinstock bist du dem, der Kraft zum Leben sucht. Wenn er ganz bei dir bleibt, dann bringt er gute Frucht.

Refrain

Fürbittengebet:

Allmächtiger und barmherziger Gott, wir kommen mit unseren Anliegen vor dich und bitten dich: Nimm dich der Dinge an, die wir jetzt vor dir aussprechen.

Wir bitten dich für unser Zusammenleben hier vor Ort. Hilf uns achtsam miteinander umzugehen und unsere Distanziertheit zu überwinden. Zeige uns, wo wir als Christen hier vor Ort Licht der Welt und Salz der Erde sein können. Hilf uns dabei unseren Auftrag zu erfüllen.

Herr, wir bitten Dich für deine weltweite Gemeinde, für unsere Brüder und Schwestern in den Ländern, in denen die Menschen um ihres Glaubens willen verfolgt werden. Stehe du ihnen bei und bewahre sie an Leib und Seele vor den Anfeindungen ihrer Gegner. Lass sie deine Nähe und deinen Segen spüren und durch ihr Zeugnis auch andere den Weg zu dir finden.

Herr, wir bitten dich für die vielen Menschen, die mit ihrer derzeitigen Lebenssituation nicht mehr zurechtkommen, für die Menschen, die unter Depressionen und Perspektivlosigkeiten leiden. Zeige ihnen Wege, wie sie Hilfe bekommen können.

Stelle du ihnen Menschen beiseite, die ihnen gut tun und die diese Last mit ihnen tragen können.

Guter Gott, wir bitten dich auch für das zu Ende gehende Schuljahr. Schenke du den Schülern und Lehrern, dass sie dieses Schuljahr zu einem guten Ende bringen können. Nimm ihnen alle Angst und Unsicherheit vor der Zukunft und schenke ihnen stattdessen Mut und Zuversicht.

[Hier können wir in der Stille weitere Anliegen vor Gott bringen.]

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 581,1-3 (Segne uns, oh Herr)

1) Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich!

2) Segne uns, o Herr! Deine Engel stell um uns! Bewahre uns in deinem Frieden ewiglich!

3) Segne uns, o Herr! Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich!

Wochenspruch:

Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. (Epheser 2,8)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel aus der evang. Kirche in Würm

J.S. Bach Choralbearbeitung über "Jesus bleibet meine Freude"

Fischerboot in Devon, England

EG 155,1-4 (Herr Jesu Christ, dich zu uns wend)

EG 313,1-3 (Jesus, der zu den Fischern lief)

NL 122,1-4 (Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben)

EG 581,1-3 (Segne uns, o Herr)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Predigthörer und Leser, eine Predigt und der ihr zu Grunde liegende Predigttext sind eine Unterbrechung unseres Alltags, unserer Gedankengänge und vielleicht auch unserer gepflegten Wochenendroutine bestehend aus Hausarbeit, Ausflügen und Familienzeit. Unterbrechungen können störend sein und uns von dem abhalten, womit wir uns eigentlich gerade lieber beschäftigen würden, zum Beispiel vom gemütlichen Familienfrühstück am Sonntagmorgen, wenn man noch es rechtzeitig zum Gottesdienst schaffen will. Unterbrechungen können aber auch etwas Anregendes und Belebendes haben, wenn sie einen auf neue Gedanken bringen und mit spannenden Erlebnissen verbunden sind.

Petrus wurde in unserem Predigttext nicht beim gemütlichen Frühstück im Kreis seiner Lieben gestört. Er wurde am Ende eines deprimierenden Arbeitstages bei den üblichen Routinearbeiten direkt an seinem Arbeitsplatz unterbrochen. Ich lese aus Lukas 5, die Verse 1 bis 11:

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm [Jesus] drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. 2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Was Petrus hier erlebt ist in starkes Stück. Er wird gebeten seine Arbeit zu unterbrechen und diesem durchziehenden Wanderprediger einen Gefallen zu tun. Vielleicht ist Petrus müde und erschöpft von der harten Arbeit und statt seine Arbeit fertig zu bringen und sich eine Runde aufs Ohr zu hauen, darf er nun noch eine Predigt hören.

Spätestens, als Jesus ihn bittet noch einmal raus aufs Wasser zu fahren und seine Netze auszuwerfen, dürfte er wieder hellwach gewesen sein.

Das, was Jesus – der Sohn des Zimmermanns –, ihn – den Fischer – bat, stand in absolutem Widerspruch zu seinem Verstand und zu seinen Erfahrungen. Das konnte doch nichts werden. Jesu Reaktion auf seine Einwände muss ihn entweder überrumpelt oder zumindest so perplex gemacht haben, dass er sich auf die Idee einlässt und tatsächlich noch einmal rausfährt. Und siehe da, Petrus erlebt sein blaues Wunder.

Liebe Gemeinde, ich kann mich gut in Petrus reinversetzen. Als Pfarrer ist man auch so eine Art Berufsfischer. Manchmal ist die Arbeit hart und besteht aus viel Routine. Der Fang ist meist mager und deprimierend. Im Laufe der Jahre hat man ein Bild im Kopf, was geht und was nicht. Verstand und Erfahrung bestimmen den Alltag. Würde Jesus in meinem Büro vorbeikommen und mich bitten, mit ihm nochmal rauszufahren, dann würde ich ihm vermutlich genau dasselbe antworten wie Petrus: Herr, ich habe doch schon solange hier gearbeitet, ich habe doch schon alles Mögliche probiert. Die Leute lassen sich sich einfach nicht einladen und für dich begeistern, die sind zu tief abgetaucht.

Doch wie Petrus möchte ich Jesus dann auch vertrauen und noch einmal hinausgehen und abwarten, was passiert. Jesus gibt keine Tipps und Ratschläge, er entwickelt keine Strategien. Er sagt einfach nur: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

Petrus vertraut Jesus. Er wirft all seine Bedenken und Einwände, seine langjährige Berufserfahrung über Bord und lässt sich überraschen. Jesu Wort, seine Vollmacht und die Bereitschaft des Petrus sich darauf einzulassen, machen das Wunder perfekt.

Als Christen und als Gemeinde brauchen wir vielleicht auch gerade solche Begegnungen mit Jesus. Begegnungen, bei denen wir unseren sicheren Hafen verlassen und uns auf die offene See hinauswagen. Wir brauchen es, dass wir unsere Erfahrungen und deprimierenden Erlebnisse hinter uns lassen und mit Jesus ganz allein unterwegs sind um uns von dem überraschen zu lassen, was er mit uns vorhat.

Die Coronazeit ist für mich eine solche Zeit. Vieles müssen wir auch als Gemeinde hinter uns lassen: Zum Beispiel die Gebäude, in denen wir uns zur Zeit nur ungern aufhalten, gewohntes Gemeindeleben, finanzielle Sicherheiten. Wir müssen uns wieder auf den Weg machen: mit Stühlen und Bänken im Schlosshof, mit Picknickdecken beim Kindergartengottesdienst. Alles was wir haben, ist das Wort Jesu und das Versprechen, dass er bei uns ist.

In unserem Predigttext will Petrus Jesus nach diesem Fischfangwunder wegschicken: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.

Es ist diese tiefe Erkenntnis, die den Simon zum Petrus werden lässt. Jetzt erst erkennt er in der Gegenwart Jesu die Herrlichkeit Gottes. Warum will Petrus Jesus wegschicken? Würden wir Jesus wegschicken? Das ist doch unhöflich.

Vielleicht kämen wir nicht auf die Idee, Jesus wegzuschicken, weil wir nicht dieses Gespür für die Sünde haben, wie es Petrus in dem Augenblick hatte. Er wirft sich Jesu zu Füßen, verbirgt sein Gesicht und ist von einem tiefen Erschrecken ergriffen. Ich glaube das war der Punkt, an dem Petrus von einem oberflächlich gepflegten Glauben zu einem absolut existentiellen Ergriffensein übergegangen ist, wo aus Theorie auf einmal bitterer Ernst wurde. Es ist ein Unterschied, ob ich sage: Wir machen alle Fehler, oder ob ich mich für einen konkreten Fehler verantworten muss.

Petrus bekommt es mit der Angst zu tun, weil er nicht weiß, ob er vor diesem heiligen, gerechten und mächtigen Gott bestehen kann. Es ist dieselbe Angst, die Luther 1505 bei seinem Blitzerlebnis bei Stotternheim hatte. Damals wurde er als junger Jurastudent fast vom Blitz getroffen. Er fragte sich, was wäre, wenn er jetzt tatsächlich sterben und vor Gott stehen würde? Wäre Gott mit seinem bisherigen Leben zufrieden gewesen? Aus Angst vor Gott versprach er ein Mönch zu werden, um nun ein Gottgefälliges Leben zu führen.

Diese Angst kennen wir gar nicht mehr, weil wir uns Gott in unseren Gedanken so zurechtgezähmt haben, dass er nur noch ein Gott zum Wohlfühlen ist, ein Gott, der kein Recht mehr auf Erwartungen an uns hat. Dieser selbstgebastelte Gott, den man mit ein paar Opfern im Tempel besänftigen kann, ist Petrus auf diesem Boot wie Wasser zwischen den Finger zerflossen.

Und nun erlebt Petrus sein zweites Wunder: Jesus ist gekommen, um zu bleiben. Er lässt sich nicht so einfach fortschicken. Er nimmt Petrus die Angst und gibt ihm einen Auftrag: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

Dieser Auftrag wird es in sich haben. Dieser Auftrag wird Petrus aus seiner religiösen Komfortzone herausholen und ihm alles abverlangen. Nicht nur einmal wird er dabei schwach sein und Schiffbruch erleiden. Doch diese Erfahrungen und vor allem die Erfahrung, dass Jesus ihm verzeiht und ihn immer wieder von neuem für seinen Auftrag zurüstet, die verleihen ihm die Kraft dranzubleiben.

Auch hier kann ich mich als Pfarrer und Christ gut wiederfinden. Der Auftrag Menschen durch die Verkündigung des Evangeliums zu retten, hat keinen besonders hohen Spaß-Faktor. Es ist eine herausfordernde Arbeit, die gerne an vermeintliche Profis delegiert wird.

Petrus kann diese Arbeit nur dadurch leisten, dass er selbst zutiefst von dem existentiell ergriffen wurde, was er dann später mit folgenden Worten bezeugt: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes. (Johannes 6,68)

Liebe Gemeinde, am Ende kann ich mich diesem Bekenntnis des Petrus nur anschließen. Auch ich bin nur deshalb Pfarrer geworden, um von dem Zeugnis abzulegen, von dem ich alles in meinem Leben erwarte, im Leben wie im Sterben.

Wo wir unser Leben Jesus gegeben haben, sitzen wir mit ihm in einem Boot, im Sturm wie bei Flaute. Mit ihm fischen wir nach dem, was in der Tiefe menschlicher Schuld und Gottlosigkeit verlorengegangen ist und sich nach neuem Leben sehnt. Mit ihm zusammen können wir selbst über das Wasser gehen. Auch Petrus konnte das, weil sein Blick in diesem Moment ganz auf Jesus gerichtet war. (Mt 14)

Und so wollen wir uns auch wieder gemeinsam auf den Weg machen und dem Ruf Jesu folgen: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Amen