Videogruß zum Pfingst-(Haus-)Gottesdienst - 31.05.2020

Orgelvorspiel

Johann Sebastian Bach - Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 452,1-4 (Er weckt mich alle Morgen)

1) Er weckt mich alle Morgen, Er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, daß ich mit Seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist Er mir nah und spricht.

2) Er spricht wie an dem Tage, da Er die Welt erschuf. Da schweigen Angst und Klage; nichts gilt mehr als Sein Ruf. Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so, wie ein Jünger hört.

3) Er will, daß ich mich füge. Ich gehe nicht zurück. Hab nur in Ihm Genüge, in Seinem Wort mein Glück. Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur Ihn vernehm. Gott löst mich aus den Banden. Gott macht mich Ihm genehm.

4) Er ist mir täglich nahe und spricht mich selbst gerecht. Was ich von Ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht. Wie wohl hat's hier der Sklave, der Herr hält sich bereit, daß Er ihn aus dem Schlafe zu seinem Dienst geleit.

 

Psalm: Psalm 118.II

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

(Psalm 118,24-29 )

Gebet:

Herr, unser Gott, wir danken dir für dieses besondere Pfingstfest. Wir danken dir, für deinen Heiligen Geist, mit dem du uns tröstest und uns nahe bist. Wir danken dir, dass du uns durch deinen Heiligen Geist miteinander zu einer Gemeinschaft verbindest. Heute besteht diese Gemeinschaft aus Menschen, die hier in Mühlhausen den Gottesdienst im Freien feiern und aus Menschen, die denselben Gottesdienst zuhause oder anderswo feiern. Dein Geist ist raumübergreifend. Dafür wollen wir dich loben und preisen.

Mit allem, was uns heute Morgen bewegt, kommen wir vor dich: mit unseren ganz persönlichen Anliegen, wie auch mit all dem, was uns in der letzten Woche an Eindrücken und Neuigkeiten begegnet ist. All das wollen wir jetzt in einem Augenblick der Stille vor dich bringen.

[Hier können wir in der Stille vor Gott bringen, was uns auf dem Herzen liegt.]

Herr, bei dir sind unsere Gedanken gut aufgehoben. Lass es jetzt still in uns werden, damit wir uns an dir und deiner Gegenwart im Heiligen Geist erfreuen können. Amen

Zuspruch:

Ihn, den Heiligen Geist, hat Gott in reichem Maß über uns ausgegossen durch Jesus Christus, unseren Retter. Durch dessen Gnade können wir vor Gott als gerecht bestehen, und darum sind wir auch eingesetzt zu Erben des ewigen Lebens, auf das wir nun hoffen dürfen.

(Titus 3,6-7)

Lesung: Johannes 14,15-19.(20-23a).23b-27

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (EG 882):

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Lied: NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

Herr, ich komme zu dir, und ich steh' vor dir, so wie ich bin. Alles was mich bewegt, lege ich vor dich hin. Herr, ich komme zu dir, und ich schütte mein Herz bei dir aus. Was mich hindert, ganz bei dir zu sein räume aus!

Meine Sorgen sind dir nicht verborgen, du wirst sorgen für mich. Voll Vertrauen will ich auf dich schauen. Herr, ich baue auf Dich! 

Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz. Lege ein neues Lied in meinen Mund. Fülle mich neu mit deinem Geist, denn du bewirkst dein Lob in mir.

Predigt zu Apostelgeschichte 2,1-21

Lied: EG 136,1-4.7 (O komm, du Geist der Wahrheit)

1) O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, / verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, / rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer / den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter / Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, / und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen / und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen / der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten / sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten / mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, / Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien / von aller Menschenscheu.

4) Es gilt ein frei Geständnis / in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis / bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde Toben, / trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben / das Evangelium.

7) Du Heilger Geist, bereite / ein Pfingstfest nah und fern; mit deiner Kraft begleite / das Zeugnis von dem Herrn. O öffne du die Herzen / der Welt und uns den Mund, daß wir in Freud und Schmerzen / das Heil ihr machen kund.

Fürbittengebet:

Herr, wir kommen mit unseren Anliegen vor dich. Gemeinsam wollen wir dich bitten: Erhöre uns und nimm dich der Dinge an, die wir vor dich bringen:

Wir bitten dich für unsere Gemeinde: Schenke du uns deinen Heiligen Geist. Leite uns mit ihm durch diese herausfordernden Zeiten. Hilf uns durch deinen Geist, die Bibel besser zu verstehen und in ihr dein Reden zu hören. Schenke uns einen Geist der Liebe, der Einheit, der Barmherzigkeit und der Weisheit.

Herr, wir bitten dich für die Einheit der Christen auf dieser Welt. Nimm von uns, was uns trennt und führe uns in dem zusammen, was uns verbindet. Lass die Einheit deiner weltweiten Kirche zum Zeugnis für dich und das Werk deines Heiligen Geistes werden. Ganz besonders bitten wir dich hier im Biet für eine weiterhin gute Einheit zwischen katholischen und evangelischen Christen. Zeige uns, wie wir einander in dieser Zeit beistehen können.

Herr wir bitten dich für die vor uns liegenden Pfingstferien. Du siehst, dass viele Menschen ihren Urlaub nicht wie gewohnt verbringen können. Unsicherheit, finanzielle Probleme und andere Unwegsamkeiten machen es schwer, Ruhe und Entspannung zu finden. Hilf denen, die in dieser Zeit dringend eine Auszeit für ihre Seele brauchen, diese auch zu finden, zuhause oder anderswo.

Allmächtiger Gott, wir wollen nicht aufhören für unsere Welt in der Coronapandemie zu beten. Herr, erbarme dich über die Völker dieser Welt. Zeige den Staatsführern und Mächtigen der Welt, wie sie ihren Völkern dienen und das Leben unzähliger Menschen durch gute Entscheidungen retten können.

Barmherziger Gott, du siehst die über 360.000 Toten, deren Tod mit dem Coronavirus in Verbindung steht. Du siehst die Angehörigen, die zurückbleiben, die oft nicht in Ruhe und Würde ihre Verstorbenen beisetzen konnten. Sei ihnen nahe. Tröste sie in ihrer Trauer und Hilflosigkeit. Hilf ihnen dabei mit dieser schwierigen Situation fertig zu werden.

[Hier können weitere Fürbitten angeschlossen werden]

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu: Vaterunser: Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 610,1-3 (Herr, wir bitten: Komm und segne uns)

Refrain:

Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns. Rühr uns an mit deiner Kraft.

1) In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten. In der Traurigkeit, mitten in dem Leid, lass uns deine Boten sein.

Refrain

2) In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind, deinem Wort Vertrauen schenkt.

Refrain

3) In das Leid der Welt hast du uns gestellt, deine Liebe zu bezeugen. Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn, bis wir dich im Lichte sehn.

Refrain

Wochenspruch:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sacharja 4,6b)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel

Johann Gottfried Walther - Lobe den Herren, den mächtigen König

Katholische Kirche St. Urban und Vitus, Neuhausen - Kanzeldecke

Katholische Kirche St. Urban und Vitus, Neuhausen - Kanzeldecke

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, ein ganz besonderer Pfingstgottesdienst, ein zweigeteilter Gottesdienst. Ein Teil von uns feiert diesen Gottesdienst zuhause als Hausgottesdienst und ein zweiter Teil feiert ihn als Freiluftgottesdienst im Wasserschloss. Ein Gottesdienst an ganz unterschiedlichen Orten. Geht das überhaupt? Wenn ich von wir spreche, meine ich dann die anwesende Gemeinde im Wasserschloss oder die Gemeinde im übertragenen Sinn oder beides zusammen? Im Votum heißt es, wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. „Wir“ - das sind alle, die sich der Gemeinschaft zugehörig fühlen, die dazugehören wollen. Im Moment hält uns das Coronavirus davon ab, diesen Gottesdienst in einer großen Gemeinschaft zu feiern. Doch auch davor gab es schon andere „Viren“, die Menschen davon abhielten, zum Gottesdienst zu kommen: Das Virus ungeklärter Beziehungen zum Beispiel, das Virus des Unwohlseins in größeren Menschenmengen. Die anwesende und die abwesende Gemeinde gab es also schon immer. Entscheidend ist, ob und wie die Menschen im Herzen verbunden sind. Und damit sind wir genau bei dem, was Pfingsten ausmacht: An Pfingsten feiern wir das Kommen des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist verbindet uns zu einer Gemeinde, er erfüllt uns mit Liebe und Glauben. Er führt uns zusammen und sucht das, was uns eint.

Es ist der Heilige Geist, der die leiblich anwesende wie die leiblich abwesende Gemeinde miteinander verbindet und zu einem verbundenen Leib werden lässt. Das Verhältnis von Nähe und Distanz begegnet uns beim Apostel Paulus nahezu auf jeder Seite seiner Briefe. Seine Briefe waren es, die die Distanz zwischen ihm an dem einen und einer Gemeinde oder einem Mitarbeiter an einem ganz anderen Ort überbrücken sollten. Paulus konnte seine Briefe gar nicht anders als durch und im Heiligen Geist schreiben.

Und so erinnert uns dieser ganz besondere Pfingstgottesdienst auf „zwei Kanälen“ an genau das, was durch Pfingsten möglich geworden ist: Die Gemeinschaft der Gemeinde Jesu Christi, seiner Kirche, im Heiligen Geist.

Hören wir nun, wie die Jünger Jesu ihr erstes Pfingstfest in Jerusalem erlebten und überlegen wir dann, was wir aus diesen Erfahrungen für unser heutiges Pfingstfest mitnehmen können. Ich lese aus der Apostelgeschichte, Kapitel 2:

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages; 16 sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

Liebe Gemeinde, diesen etwas längeren Predigttext kann man in drei Themen unterteilen [siehe die drei Abschnitte]: Die Begegnung mit dem Heiligen Geist, die Reaktion der Umwelt darauf und die Erklärung oder Verteidigung des Petrus. Schauen wir uns dies im Einzelnen an:

1. Die Begegnung mit dem Heiligen Geist:

Jesus hatte den Jüngern am Himmelfahrtstag geboten, sich nicht von Jerusalem wegzubegeben, sondern dort auf den Heiligen Geist zu warten. Sie taten dies und zwar an einem Ort. Sie verbrachten diese Zeit mit intensivem Gebet und der Nachwahl des zwölften Apostels. Und dann kam er, der Pfingsttag, an dem der Heilige Geist über sie ausgegossen wurde. Lukas schildert dieses Ereignis als etwas, was man nicht übersehen oder ignorieren konnte. Die Taufe mit dem Heiligen Geist war ein Ereignis, das man nicht im übertragenen Sinne verstehen konnte, sondern nur im tatsächlichen Sinn. Das, was nach der Ausschüttung mit dem Heiligen Geist anders war, war die Sprache der Jünger. Das, was sie vorher von einander getrennt hatte, verband sie nun auf einmal.

Sprache spielt auch für uns in der Gemeinde eine wichtige Rolle. Sprache ist ein Weg der Annäherung und der Verbindung, Sprache kann aber auch zu Missverständnissen führen oder trennen. Auch wir sprechen verschiedene Sprachen, verstehen oft nicht, was der andere meint, weil wir nicht dasselbe erlebt haben, weil wir unterschiedliche Prägungen und Frömmigkeitsstile mitbringen. Doch wie an Pfingsten können wir im Austausch miteinander auch erleben, dass es etwas gibt, was uns auf einmal verbindet, was die Distanz und Fremdheit schwinden lässt. Und gemeinsam lernen wir eine neue Sprache. Worte, die für Außenstehende wie aus einer anderen Welt klingen, wie unverständliche Fremdwörter, bekommen auf einmal eine Bedeutung und einen Inhalt: Worte wie Gnade zum Beispiel, Vergebung, Buße. Diese Worte verwandeln sich von religiösen Vokabeln und Floskeln auf einmal zu einem Teil einer lebendigen Lebens- und Glaubensgeschichte. Wo wir in unserer Gemeinde gemeinsam wissen, wovon wir sprechen, weil es um gemeinsame Erfahrungen geht, da wird aus zuvor Trennendem nun Verbindendes.

Doch diese verbindende Erfahrung des Heiligen Geistes setzt eines voraus: Das Zusammensein an einem Ort. Was ist das für ein Ort? Was für ein Ort kann das in dieser Zeit jetzt sein? Dieser Ort ist ein Ort, an dem wir so aufeinandertreffen, wie wir in Wahrheit sind. Kein Ort voller Perfektion, sondern ein Ort der Aufrichtigkeit. Daran erinnert uns der Bibelvers aus Johannes 4,24 über der Eingangstür unserer Kreuzkirche: Gott ist Geist und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Das ist die Chance unserer Hausgottesdienste. Dort zuhause am Esstisch oder im Wohnzimmer, im Pyjama oder im Jogginganzug, da bin ich ganz ungeschminkt ich selbst, so wie ich in Wahrheit gerade bin oder mich fühle. Und genau so, ehrlich und ungestylt darf ich vor Gott kommen. Dort bin ich im Geist mit all den anderen an dem einen Ort versammelt, an dem wir alle von der Gnade Gottes und dem Geschenk seines Heiligen Geistes leben. Kommen wir nun zum zweiten Punkt:

2. Die Reaktion der Umwelt

Die Umstehenden verstehen nicht, was da passiert. Auf der einen Seite merken sie, dass die Jünger auf einmal ihre Sprachen sprechen und gleichzeitig bleibt ihnen das Auftreten dieser Jünger befremdlich. Einige haben nur Spott und Hohn für sie übrig. – Auch das ist eine Reaktion, die wir kennen. Wir sprechen dieselbe Sprache, wie unsere Mitmenschen, doch wo sie den Glauben nicht mit uns teilen, wo sie nicht mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, da bleiben wir für sie befremdlich, da bleiben wir für sie diejenigen, die jeden Sonntag in die Kirche rennen, die es halt nötig haben in ihrem Glauben Halt zu suchen. Da werden wir vielleicht für einfältig, naiv, weltfremd und verblendet oder gar fanatisch gehalten. Das schmerzt, weil wir merken, dass wir ausgerechnet das, was uns wertvoll ist, was es in unserm Leben hell und freudig werden lässt, mit diesen Menschen nicht teilen können. Manchmal sind das Menschen, die uns besonders am Herzen liegen, weil sie Teil unserer Familie oder unseres Freundeskreises sind. Wie gehen wir damit um? Damit sind wir beim dritten Punkt:

3. Die Erklärung oder Verteidigung des Petrus

Petrus nimmt die Vorbehalte der Umstehenden ernst. Er grenzt sich nicht gegenüber ihnen ab und greift sie nicht an, als die, die doch eh keine Ahnung haben.

Petrus nimmt sie ernst und erklärt ihnen, was da vor ihren Augen geschieht, dass sich hier eine Prophezeiung zu erfüllen beginnt, die schon seit langem im Raum steht. Er spricht von der verheißenen Ausgießung des Heiligen Geistes in den letzte Tagen vor der Wiederkunft Jesu.

Für uns, die wir 2000 Jahre später leben und noch immer auf die Wiederkunft Jesu warten, mag die Naherwartung der Jünger Jesu damals verfrüht erscheinen. War Jesus nicht gerade erst von ihnen gegangen? Wie konnte Petrus so sicher sein, dass die letzten Tage dieser Welt schon begonnen hatten?

Die Naherwartung der Jünger damals trifft sich in einem wesentlichen Punkt mit unseren Erwartungen heute: Die Erwartung, dass eine Welt voller Leid und Ungerechtigkeit, voller Krieg und Zerstörung nicht das Ende sein kann. Auch wir glauben an ein Happy End der Weltgeschichte, auch wenn die äußeren Umstände eher das Gegenteil vermuten lassen. Wir ahnen, dass die Welt, so wie wir sie erleben zeitlich begrenzt sein muss. Sie muss zeitlich begrenzt sein, weil Jesus in seinen irdischen Tagen ihr bereits schon ein Ende gemacht hat, indem er Kranke geheilt, Tote auferweckt und Schuldige freigesprochen hat.

Die Jünger Jesu damals und heute stimmen darin überein, dass Jesus sein Werk an dieser Welt noch nicht vollendet hat. In der Zeit seiner leiblichen Abwesenheit nutzt er die Kraft des Heiligen Geistes um sein Reich in uns und dieser Welt zu errichten. Wäre Jesus sobald wiedergekommen, wie von den Jüngern damals erhofft und erwartet,, dann hätte der größte Teil der Menschheit niemals die Möglichkeit gehabt von Jesus zu hören und zum Glauben an ihn zu kommen.

Liebe Gemeinde, 2000 Jahre nach der Pfingstpredigt des Petrus können wir die Endzeitstimmung der ersten Christen teilweise gut nachvollziehen. Wir erleben unsere Welt in einer ziemlich verfahrenen Situation. Es kommt einfach zuviel zusammen: Coronapandemie, Wirtschaftliche Katastrophen, Hungersnöte in Afrika, Klimawandel, Artensterben, Säbelrasseln unzähliger populistischer Verführer usw. –

Petrus – und mit ihm das Pfingstfest 2020 – erinnert uns in dieser verfahrenen Situation an eine ganz wichtige Tatsache: Gott lässt uns in dieser Welt nicht schutz- und herrenlos zurück, er überlässt uns nicht uns selbst und der Verrücktheit anderer! Gott hat uns seinen Heiligen Geist gegeben, um uns durch ihn zu führen und zu leiten. Mit ihm schenkt er uns Orientierung und die Gabe, die Geister dieser Welt zu unterscheiden, zu erkennen, was zum Leben und was zum Verderben führt. Durch seinen Heiligen Geist gibt er uns die Möglichkeit, in seine Gegenwart zu kommen und dort zu bleiben. Deswegen werde ich nicht müde die Bedeutung des Gebets zu betonen. Petrus sagt: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.

Das ist es, was im Gebet geschieht. Im Gebet suche ich die schützende Gegenwart Gottes, so wie sie die Jünger vor ihrem Pfingstfest gesucht haben. Den Namen Gottes anzurufen, heißt, in einer lebendigen Beziehung mit ihm zu stehen und in dieser verrückten Welt ganz genau zu wissen, wer mein Herr und mein Gott ist und wer nicht! Daran wollen wir uns heute an diesem Pfingstfest erinnern! Dafür wollen wir Gott loben und ihn preisen: Jesus ist zu uns zurückgekommen durch seinen Heiligen Geist und er ist da bis heute: Im Freiluftgottesdienst im Schlosshof wie auch im Hausgottesdienst am Esstisch. Sein Geist verbindet uns zu einer Gemeinde. Amen

EG 452,1-4 (Er weckt mich alle Morgen)

NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

EG 136,1-4.7 (O komm, du Geist der Wahrheit)

EG 610,1-3 (Herr, wir bitten: Komm und segne uns)