Warum der Name Windwerk und was ist eigentlich das Windwerk?

Der Name Windwerk kommt von dem großen Kasten, der hier auf der Empore steht. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Bestandteil der Orgel: Der historische Blasebalg.

Windwerk ist nur ein anderer Fachausdruck für diesen Blasebalg. Ohne das Windwerk läuft bei der Orgel gar nichts. Es versorgt die Orgel mit Luft. Sobald die Luft im Blasebalg ist und von dort in die Orgel geleitet wird, spricht man nicht mehr von Luft sondern von Wind.

Als die Idee zu der Gebetsschule aufkam und es um die Suche nach einem geeigneten Platz ging, fiel dieser ungenutzte Bereich der Orgelempore in den Blick. Abends ist hier das schönste Licht und die beiden großen Giebelfenster mit ihren bunten Scheiben bilden einen herrlichen Rahmen. Damit war der Ort und mit dem Ort auch bald eine Verbindung von Gebet und Windwerk gefunden.

In der Bibel wird der Heilige Geist immer wieder als Wind bezeichnet. In Johannes 3,18 sagt Jesus zu Nikodemus: Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Der Heilige Geist ist ein wesentlicher Bestandteil des Gebets, daran erinnert auch der Vers über dem Eingangsportal der Kreuzkirche. Er steht ebenfalls im Johannesevangelium, Kapitel 4,24: Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Das Windwerk ist für das Zusammenspiel von Gottes Geist und unserem Gebet ein schönes Bild. Wir Menschen sind wie so eine Orgel. Als Gott den Menschen erschuf, hauchte er ihm das Leben ein (1. Mose 2,7). Sein Geist und somit auch sein Leben soll uns erfüllen und unser Leben zum Klingen bringen. Die höchste Form der Vereinigung zwischen Gott und Mensch ist das Gebet, denn im Gebet vereinigen sich der Geist Gottes und der Geist unserer Seele. Wie lebensspendend das Gebet ist, kommt in einem bekannten Spruch zum Ausdruck: Wenn wir beten, atmet die Seele.

Dass das Gebet aber auch mit Mühen verbunden ist und uns nicht automatisch leichtfällt, daran erinnert noch ein besonderes Detail am Windwerk: Die beiden Fußbügel, mit denen das Windwerk einst mühsam „getreten“ wurde. Dass man aber trotz aller Mühe und in jeder Lebenssituation nicht vom Gebet loslassen soll, daran erinnert der Haltegriff oberhalb der Fußbügel.

Man erkennt also leicht, dass dieses Windwerk ein wunderbares Sinnbild für das Gebet ist, für die Verbindung von Sichtbarem und Unsichtbarem. Es scheint fast, als hätte dieses seit langem nicht mehr genutzte Relikt aus längst vergangener Zeit nur auf diesen neuen Sinn gewartet: Uns an das Geheimnis und den Segen des Gebetes zu erinnern.