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Orgelvorspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

Johann Christian Rinck (1770-1846), Präludium F-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 165,1-3.8 (Gott ist gegenwärtig)

1) Gott ist gegenwärtig. / Lasset uns anbeten / und in Ehrfurcht vor ihn treten. / Gott ist in der Mitte. / Alles in uns schweige / und sich innigst vor ihm beuge. / Wer ihn kennt, wer ihn nennt, / schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

2) Gott ist gegenwärtig, / dem die Cherubinen / Tag und Nacht gebücket dienen. / Heilig, heilig, heilig! / singen ihm zur Ehre / aller Engel hohe Chöre. / Herr, vernimm unsre Stimm, / da auch wir Geringen / unsre Opfer bringen.

3) Wir entsagen willig / allen Eitelkeiten, / aller Erdenlust und Freuden; / da liegt unser Wille, / Seele, Leib und Leben / dir zum Eigentum ergeben. / Du allein sollst es sein, / unser Gott und Herre, / dir gebührt die Ehre.

Psalm: Psalm 19.II (EG 708.2)

Die Furcht des HERRN ist rein und bleibt ewiglich. Die Rechte des HERRN sind wahrhaftig, allesamt gerecht.

Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold, sie sind süßer als Honig und Honigseim.

Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen; und wer sie hält, der hat großen Lohn.

Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden!

Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen;

so werde ich ohne Tadel sein und unschuldig bleiben von großer Missetat.

Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser.

(Psalm 19,10-15)

Gebet:

Herr Jesus Christus, wir sind Glieder an deinem Leib. Wo du bist, da sollen deshalb auch wir sein. Du bist die Hoffnung und das Licht der Welt.

Hilf uns in diesem Gottesdienst Kraft und Zuversicht zu schöpfen.

Stärke unseren Glauben, damit wir dein Licht und deine Kraft hinaustragen können, in unsere Familien, unsere Nachbarschaft, in unseren Ort und an all die anderen Plätze, an die du uns stellst.

Verwandle unsere Sorgen und Ängste in Zuversicht und lass uns nicht müde werden deine Nähe im Gebet zu suchen.

(Raum für persönliche Anliegen)

Amen

Zuspruch:

Gott spricht: Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. (Josua 1,9)

Lesung: Matthäus 5,28-38 (Vom Vergelten und von der Feindesliebe)

38 Ihr habt gehört, dass gesagt ist (2. Mose 21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« 39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. 40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. 41 Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei. 42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3. Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, 45 auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? 48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

Herr, ich komme zu dir, und ich steh' vor dir, so wie ich bin. Alles was mich bewegt lege ich vor Dich hin. Herr, ich komme zu dir, und ich schütte mein Herz bei dir aus. Was mich hindert, ganz bei dir zu sein, räume aus! Meine Sorgen sind dir nicht verborgen, du wirst sorgen für mich. Voll Vertrauen will ich auf dich schauen. Herr, ich baue auf dich! Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz. Lege ein neues Lied in meinen Mund. Fülle mich neu mit Deinem Geist Denn Du bewirkst ein Lob in mir.

Predigt zu Jeremia 29,1.4-7.10-14

Lied: EG 633,1-4 (Alle Knospen springen auf)

1) Alle Knospen springen auf, fangen an zu blühen. Alle Nächte werden hell, fangen an zu glühen. Knospen blühen, Nächte glühen, Knospen blühen, Nächte glühen.

2) Alle Menschen auf der Welt fangen an zu teilen. Alle Wunden auf der Welt fangen an zu heilen. Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.

3) Alle Augen springen auf. fangen an zu sehen. Alle Lahmen stehen auf, fangen an zu gehen. Augen sehen; Lahme gehen, Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.

4) Alle Stummen hier und da fangen an zu grüßen. Alle Mauern tot und hart werden weich und fließen. Stumme grüßen, Mauern fließen, Augen sehen, Lahme gehen, Menschen teilen, Wunden heilen, Knospen blühen, Nächte glühen.

Fürbittengebet:

Herr, unsere Welt braucht das Gebet. Sie braucht Menschen, die dich kennen und die nicht müde werden, um dein Heil und deinen Segen zu bitten und zu flehen. So kommen wir nun auch vor dich und bitten dich:

Erbarme dich über das tausendfache Leid, das die Coronapandemie über Länder, Völker und Kontinente gebracht hat. Du siehst die Verluste an Menschenleben und an Lebensgrundlagen. Hilf du den Schwächsten dieser Welt und versorge sie mit dem, was sie zum Leben und zum Überleben brauchen.

Wir bitten dich für die kommenden Wochen und den anstehenden Lockdown. DU siehst die Ängste und Befürchtungen, die dies mit sich bringt. Hilf uns in dieser Zeit die Nerven zu bewahren. Lass uns besonnen darüber nachdenken, was in dieser Zeit unser Auftrag als dein Leib in dieser Welt ist. Schenke uns Mut und Zuversicht. Lass uns die guten Chancen dieser Zeit erkennen, statt uns von all dem Negativen runterziehen zu lassen.

Wir bitten dich um Einheit in unserem Land. Bewahre uns davor, dass der Lockdown einen Keil in unsere Gesellschaft treibt. Stehe allen bei, die die Beschlüsse jetzt in unserem Land und anderswo umsetzen müssen. Schütze sie vor Angriffen und Anfeindungen. Hilf ihnen dabei gute und Weise Entscheidungen zu treffen.

Wir bitten dich für die Menschen in Frankreich und anderswo, die über die Anschläge der letzten Tage und Wochen geschockt sind. Gewähre du dem Bösen Einhalt. Sei du den Trauernden und Verzweifelten nahe und bewahre sie und uns davor, zu verbittern und sich vom Hass überwinden zu lassen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 580,1-3 (Segne und behüte uns)

1) Segne und behüte uns durch Deine Güte, Herr, erheb Dein Angesicht über uns und gib uns Licht.

2) Schenk uns Deinen Frieden alle Tag hienieden, gib uns Deinen guten Geist, der uns stets zu Christus weist.

3) Amen, Amen, Amen! Ehre sei dem Namen Jesu Christi, unsers Herrn, denn Er segnet uns so gern.

Wochenspruch:

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

(Römer 12,21)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Kraft und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Orgelnachspiel aus der evang. Kirche in Würm

Joseph Haydn (1732-1809), Andante C-dur

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. (Jeremia 29,7)

EG 165,1-3 (Gott ist gegenwärtig)

NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

EG 633,1-4 (Alle Knospen springen auf)

EG 580,1-3 (Segne und behüte uns)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, der Predigttext für diesen Sonntag steht im Alten Testament, beim Propheten Jeremia, Kapitel 29. Gott richtet sich in ihm an alle vom Volk Israel, die unter dem babylonischen König Nebukadnezar im Jahr 587 vor Christus nach Babylon ins Exil verschleppt wurden.

1 Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Jerusalem nach Babel weggeführt hatte –[…] 4 So spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels, zu allen Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: 5 Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. 7 Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. […] 10 Denn so spricht der HERR: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe. 11 Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung. 12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. 13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der HERR, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Liebe Gemeinde, die Zeit des babylonischen Exils war für diejenigen, die es betroffen hat, eine schwierige Zeit, eine Zeit innerer und äußerer Anfechtung. Statt im vertrauten Umfeld der liebgewordenen Heimat mussten sie nun ein Leben in der Fremde führen. Immer mussten sie damit rechnen, der Willkür eines anderen Volkes und dessen Herrschern ausgeliefert zu sein.

Das Herausfordernste für die verschleppten Israeliten war aber mit Sicherheit ihr Vertrauen auf Gott, das auf eine schwere Probe gestellt wurde. Gott hatte ihnen doch das Land Israel zur Heimat gegeben. Wie konnte er zulassen, dass die einst so stolze und heilige Stadt Jerusalem mit seinem heiligen Tempel zerstört wurde, dass sein Volk gedemütigt und zu großen Teilen wie Sklaven in die Fremde verschleppt wurde? War ihr Gott wirklich ein liebender und allmächtiger Gott? Die Spannung zwischen Macht und Ohnmacht Gottes muss für sie unerträglich gewesen sein.

Ich denke, es ist bedeutsam, dass das Volk Israel diese Spannung in der Fremde erfährt. Scheinbar nutzt Gott immer wieder diese Fremde, fernab der vertrauten Wege, um sich Menschen neu mitzuteilen und zu offenbaren. Abraham sollte seine Heimat verlassen, Josef und seine Familie verließen ihre Heimat und auch Mose musste aus Ägypten in die Fremde fliehen, um dort Gott im brennenden Dornbusch zu begegnen. Und nun waren es große Teile des Volkes Israel, die ihre Heimat verlassen mussten.

Der Brief, den Jeremia ihnen im Auftrag Gottes schreibt, bringt ihnen Gott in dieser Fremde wieder ganz nah. Nein sie sind nicht vergessen und von Gott verschmäht. Gott sieht sie in ihrem inneren und äußeren Elend und er macht ihnen Mut. Er trägt ihnen auf, dass sie sich mit den Gegebenheiten vor Ort arrangieren sollen. Ihr Blick soll optimistisch in die Zukunft gerichtet sein, denn diese Zeit der Anfechtung ist begrenzt.

Liebe Gemeinde, vielleicht brauchen wir auch solche Exilerfahrungen, um Gott neu begegnen zu können. An vieles, wie wir unseren Glauben praktizieren, haben wir uns gewöhnt, vieles ist zur Routine geworden: Der Besuch des Gottesdienstes, die Teilnahme an Gruppen und Kreisen und was eben sonst noch so alles dazugehört. Meinungen und Einstellung haben sich einzementiert. Das gibt uns Sicherheit und Orientierung, doch was ist, wenn wir aus all dem rausgerissen werden, wenn Gott auf einmal fern und ohnmächtig wirkt?

Wir sind zwar nicht in ein anderes Land verschleppt worden, aber das, was wir in den letzten acht Monaten erlebt haben, ist dennoch Neuland für uns. Das Leben mit Lockdowns und Kontaktbeschränkungen fühlt sich fremd und bedrückend an. Uns fehlt eine Perspektive, wenn man nicht weiß, wie lange dieser merkwürdige Schwebezustand noch anhält, wenn man nicht weiß, ob alle Pläne, die wir heute schmieden, morgen schon wieder über den Haufen geworfen werden.

Die Botschaft Gottes an die Gefangenen in Babylon würde auch uns gut tun: Macht einen Schritt nach dem anderen. Richtet euer Zuhause und euren Garten ein, arbeitet an euren Beziehungen und Familien und betet für euren Ort, in dem ihr lebt. Suchet der Stadt Bestes. Für mich ist das ein wunderbarer Ansporn. Jedes Dorf und jede Stadt sollen sich glücklich schätzen können, wenn Christen in ihnen wohnen, denn Christen suchen das Wohl ihres Ortes und Christen beten für ihren Ort. Wir dürfen Licht und Hoffnung dort sein, wo wir leben!

Auch die weiteren Zusagen würden uns gut tun: zu wissen, dass die Zeit der Anfechtung und Trübsal begrenzt ist, dass Gott auch diese schwierige Phase zu Ende gehen lässt und ihm die Vielzahl der Opfer der Pandemie nicht egal ist. Vertrauen wir darauf? Ändert dieses Wissen etwas in unserem täglichen Leben? Was für die Israeliten im Exil gilt, das gilt mit Sicherheit auch für die Gemeinde Gottes hier und andernorts, wenn es heißt: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Welch ein herrlicher Satz! Nicht die äußeren Umstände sind entscheidend, sondern das, was Gott in seinem Herzen über uns denkt – Gedanken des Friedens und nicht des Leides. Gott ist auf unserer Seite, aber wir können seine Gabe der Zukunft und Hoffnung für uns nur dann erkennen und ergreifen, wenn wir uns auch wieder ganz bewusst ihm zuwenden und seine Nähe suchen. 12 Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören. 13 Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, 14 so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR.

Liebe Gemeinde, dieser Satz wendet sich in diesen Tagen im Besonderen an die Gemeinde Jesu Christi, an die, die einmal einen Weg mit Gott, mit Jesus und seiner Gemeinde gegangen, die jedoch von diesem Weg abgekommen sind. Diese Worte richten sich an alle, die noch eine letzte leise Ahnung davon haben, dass es diesen Gott auch noch in unserem Land gibt. Diese Worte betreffen uns.

Gestern haben wir den Reformationstag begangen. Heute können wir uns kaum noch vorstellen, dass in unserem Land einmal eine so große geistliche Kraft und Rückbesinnung auf Gott und sein Wort stattgefunden hat. Das Land der Reformation ist für uns evangelische Christen zu einer fremden Heimat geworden. Fremd, weil uns gar nicht mehr bewusst ist, welchen Werten durch die Auseinandersetzungen der Reformation Bahn gebrochen wurde, z. B. die Glaubens- und Gewissensfreiheit, das Recht auf Bildung für alle, der Gedanke der Gnade etc. – Heimat, weil wir zugleich in diesen Errungenschaften der Reformation „wohnen“. Wir bauen unsere Leben darauf auf. (Das ist in anderen Ländern, die dieses reformatorische Erbe nicht haben, nicht so). Doch mitten in dieser Fremde dürfen wir uns daran erinnern, dass es derselbe Gott ist, der einst die Israeliten in Babylon getröstet hat, der durch Jesus Christus zu uns gesprochen hat und der durch die Geschichte hindurch bis in unsere Gegenwart immer wieder neu Menschen zurück in seine Nähe ruft. Diesen Gott wollen wir suchen und Frieden mit ihm schließen. Von diesem Gott wollen wir uns Zukunft und Hoffnung schenken – in der Zeit des anstehenden „Lockdown light“ wie auch der kommenden Advents- und Weihnachtszeit. Gott hat es uns versprochen: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. – Gott – wir nehmen dich beim Wort!

Amen