Orgelvorspiel aus der Markuskirche in Pforzheim

Arcangelo Corelli Sonate F-dur 1. und 2.Satz - Martina und Wolfgang Bürck

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 35,1-2 (Nun singet und seid froh)

1) Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leuchtet als die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O.

2) Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh. Tröst mir mein Gemüte, o Kindlein zart und rein, durch alle deine Güte, o lieber Jesu mein. Zieh mich hin zu dir, zieh mich hin zu dir.

Psalm: EG 753 (Psalm 100)

Jauchzet dem HERRN, alle Welt! Dienet dem HERRN mit Freuden,

kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Erkennet, dass der HERR Gott ist!

Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.

Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen!

Denn der HERR ist freundlich, / und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.

(Psalm 100)

Gebet:

Himmlischer Vater, danke für diesen neuen Tag, den du uns schenkst. Wir bitten dich, erfülle du uns jetzt mit deiner Gegenwart und deinem Heiligen Geist. Verbinde du uns alle, die wir jetzt diesen Gottesdienst wieder an ganz verschiedenen Orten feiern, zu einer festen Gemeinschaft.

Vergib uns, wo, wir dir nicht den Raum in unserem Leben geben, den du gerne haben möchtest. Mit all unserer Schuld, all unseren Zweifeln kommen wir vor dich und bitten dich: Erbarme dich über uns. – Raum für ein persönliches Gebet - Amen

Zuspruch:

Darin besteht die Liebe: Nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. (1. Johannes 4,10)

Lesung: Matthäus Jesaja 61,1-3.10-11 (GNB)

1 Der Geist des Herrn hat von mir Besitz ergriffen. Denn der Herr hat mich gesalbt und dadurch bevollmächtigt, den Armen gute Nachricht zu bringen. Er hat mich gesandt, den Verzweifelten neuen Mut zu machen, den Gefangenen zu verkünden: »Ihr seid frei! Eure Fesseln werden gelöst!« 2 Er hat mich gesandt, um das Jahr auszurufen, in dem der Herr sich seinem Volk gnädig zuwendet, um den Tag anzusagen, an dem unser Gott mit unseren Feinden abrechnen wird. Die Weinenden soll ich trösten 3 und allen Freude bringen, die in der Zionsstadt traurig sind. Sie sollen sich nicht mehr Erde auf den Kopf streuen und im Sack umhergehen, sondern sich für das Freudenfest schmücken und mit duftendem Öl salben; sie sollen nicht mehr verzweifeln, sondern Jubellieder singen. Die Leute werden sie mit prächtigen Bäumen vergleichen, mit einem Garten, den der Herr gepflanzt hat, um seine Herrlichkeit zu zeigen. […]

10 »Wir freuen uns und jubeln über den Herrn, unseren Gott! Er umgibt uns mit seiner Hilfe wie mit einem Kleid, hüllt uns in seinen Schutz wie in einen Mantel. Wir sind fröhlich wie ein Bräutigam, der seinen Turban umbindet, wie eine Braut, die ihren Hochzeitsschmuck anlegt. 11 Denn wie aus dem Boden die Saat keimt und wächst, so lässt der Herr, der mächtige Gott, unser Glück wachsen und mehrt unseren Ruhm bei allen Völkern.«

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 56,1-4 (Weil Gott in tiefster Nacht erschienen)

1) Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Der immer schon uns nahe war, der stellt sich als Mensch den Menschen dar.

2) Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Bist du der eignen Rätsel müd? Es kommt, der alles kennt sieht!

3) Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Er sieht dein Leben unverhüllt, zeigt dir zugleich ein neues Bild.

4) Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Nimm, an des Christus Freundlichkeit, trag seinen Frieden in die Zeit!

Predigt zu Lukas 12,41-52

Lied: EG 66,1-3.7 (Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude)

1) Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet's den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.

2) Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

3) Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus, sprenget des Feindes befestigte Schlösser, führt die Gefangenen siegend heraus. Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? Jesus ist kommen, der starke Erlöser.

7) Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden: komme, wen dürstet, und trinke, wer will! Holet für euren so giftigen Schaden Gnade aus dieser unendlichen Füll! Hier kann das Herze sich laben und baden. Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden.

Fürbittengebet:

Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die Menschen, mit denen wir hier bei uns das Leben teilen. Du siehst, wie wenig wir oft voneinander wissen. Öffnen du uns die Augen, dass wir einander mit deinen Augen sehen lernen. Zeige uns, wo wir einander beistehen und helfen können. Zeige uns, wo Einsamkeit und Verzweiflung herrschen, damit wir dort ein Licht der Nähe und der Hoffnung entzünden können.

Wir bitten dich für die Menschen in unserem Land, die das Sagen haben. Du siehst, was sie in ihren Entscheidungen beeinflusst und prägt. Bitte hilf du ihnen dabei, sich in ihrem Gewissen an dir und deinen Maßstäben zu orientieren. Hilf ihnen dabei, die Schwachen und Bedürftigen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Wir bitten dich für die Tiere und Pflanzen, die unter dem Klimawandel und uns Menschen zu leiden haben. Stelle du deine Schöpfung unter deinen Schutz. Zeige uns Christen, wo wir für sie Partei ergreifen können. Hilf uns dabei, Menschen mit deiner Schöpfung zu versöhnen und sie von Zerstörer in Bewahrer deiner Werke zu verwandeln.

Wir bitten dich für die Kinder dieser Welt, für die, die ihre Kindheit unter Armut und Mangelernährung sowie ohne Zugang zu Bildung verbringen müssen. Sorge du für sie und lass sie Hilfe erfahren. Hilf ihnen dabei, ihren Platz in dieser Welt zu finden und später einmal Dinge zum Guten zu verändern. Ganz besonders legen wir dir dabei die Kinder von einigen Teilen Afrikas ans Herz, wo die Not besonders groß ist.

Herr lass uns nicht müde und nachlässig werden im Gebet. Zeige uns, wo wir durch unser Gebet die Welt verändern können.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: NL 410,1-4 (Christus das Licht der Welt)

1) Christus, das Licht der Welt. / Welch ein Grund zur Freude! / In unser Dunkel kam er als ein Bruder. / Wer ihm begegnet, der sieht auch den Vater. / Ehre sei Gott, dem Herrn!

2) Christus, das Heil der Welt. / Welch ein Grund zur Freude! / Weil er uns lieb hat, / lieben wir einander. / Er schenkt Gemeinschaft / zwischen Gott und Menschen. / Ehre sei Gott, dem Herrn!

3) Christus, der Herr der Welt. / Welch ein Grund zur Freude! / Von uns verraten, / starb er ganz verlassen. / Doch er vergab uns, / und wir sind die Seinen. / Ehre sei Gott, dem Herrn!

4) Gebt Gott die Ehre. / Hier ist Grund zur Freude! / Freut euch am Vater. / Freuet euch am Sohne. / Freut euch am Geiste: / denn wir sind gerettet. / Ehre sei Gott, dem Herrn!

Tagesspruch:

Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

(Johannes 1,14b)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Zeit deinen Weihnachts-frieden, deine Liebe und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Gott Vater Sohn und Heiliger Geist gebe uns seine Gnade:

Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass wir bewahrt werden zum ewigen Leben.

Orgelnachspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Gustav Merkel - Postludium C-dur

EG 35,1-2 (Nun singet und seid froh)

EG 56,1-4 (Weil Gott in tiefster Nacht erschienen)

EG 66,1-3.7 (Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude)

EG 410,1-4 (Christus das Licht der Welt)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, es gibt Orte, an die muss man immer wieder zurückkehren. Diese Orte sind mit ganz bestimmten Eindrücken, Handlungen und Erinnerungen verbunden. Solche Orte werden im Laufe des Lebens zu einem biographischen Heimathafen. Vielleicht ist es das Elternhaus, die alte Kirche im Dorf oder ein Lieblingslokal, in dem man schon viele bedeutsame Feste gefeiert hat. Auch Jesus hatte so einen Ort, an den er im Laufe seines Lebens immer wieder zurückkehrte. Dieser Ort war der Tempel in Jerusalem. Letzte Woche haben wir gehört, wie Maria und Josef ihn dorthin brachten, um ihn am achten Tag nach seiner Geburt beschneiden zu lassen. Dort waren sie auf Simeon und die Prophetin Hanna getroffen, die in Jesus den verheißenen Messias erkannt hatten. Auch im heutigen Predigttext kehrt Jesus in den Tempel zurück. Inzwischen ist er zwölf Jahre alt geworden. Lukas berichtet uns im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums folgendes über dieses Ereignis:

41 Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Passafest nach Jerusalem. 42 Als Jesus zwölf Jahre alt war, nahmen sie ihn zum ersten Mal mit. 43 Nach den Festtagen machten die Eltern sich wieder auf den Heimweg, während der junge Jesus in Jerusalem blieb. Seine Eltern wussten aber nichts davon. 44 Sie dachten, er sei irgendwo unter den Pilgern. Sie wanderten den ganzen Tag und suchten ihn dann abends unter ihren Verwandten und Bekannten. 45 Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie am folgenden Tag nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. 46 Endlich am dritten Tag entdeckten sie ihn im Tempel. Er saß mitten unter den Gesetzeslehrern, hörte ihnen zu und diskutierte mit ihnen. 47 Alle, die dabei waren, staunten über sein Verständnis und seine Antworten. 48 Seine Eltern waren ganz außer sich, als sie ihn hier fanden. Die Mutter sagte zu ihm: »Kind, warum hast du uns das angetan? Dein Vater und ich haben dich überall gesucht und große Angst um dich ausgestanden.« 49 Jesus antwortete: »Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« 50 Aber sie verstanden nicht, was er damit meinte. 51 Jesus kehrte mit seinen Eltern nach Nazaret zurück und gehorchte ihnen willig. Seine Mutter aber bewahrte das alles in ihrem Herzen. 52 Jesus nahm weiter zu an Jahren wie an Verständnis, und Gott und die Menschen hatten ihre Freude an ihm.

Erinnert ihr euch noch daran, als ihr zwölf Jahre alt wart? Für unsere Konfirmanden ist das ja noch nicht so lange her. Was hattet ihr damals für Interessen, welche Vorstellungen und Träume vom Leben? Wo habt ihr euch wohlgefühlt und wo nicht? Mit zwölf ist man heute gewöhnlich in der sechsten oder siebten Klasse. Es ist das Alter, in dem die Pubertät so langsam das Leben beherrscht. Es ist die Zeit, in der die Abgrenzung von der Kindheit und das Entdecken der eigenen Persönlichkeit beginnt. Im Judentum beginnt heute wie zur Zeit Jesu mit der Bar Mizwa die Religiöse Mündigkeit für Jungen. Man zählt als Mann und darf in der Synagoge nun auch beim Gottesdienst mitwirken. Ein erhebender Moment im Leben eines jüdischen Jugendlichen.

Als Jesus erstmals mit seinen Eltern zum Passahfest nach Jerusalem gegangen war, hatte er die Gelegenheit ergriffen und von seiner neuen Religionsmündigkeit vollen Gebrauch gemacht. Er war so vertieft in das Zuhören und das Gespräch mit den jüdischen Gelehrten, dass er wohl gar nicht mitbekommen hatte, dass seine Eltern schon wieder auf dem Rückweg waren. Er muss im Tempel einen so ruhigen und selbstsicheren Eindruck gemacht haben, dass anscheinend niemand auf die Idee kam, dass sich seine Eltern um ihn Sorgen machen und ihn suchen könnten. Umgekehrt haben Maria und Josef ihren Sohn völlig falsch eingeschätzt, weil sie zunächst überall nach ihm gesucht hatten außer an einem Ort: dem Tempel.

Das war der Ort, an dem sich Jesus wohl fühlte. Hier hatte er das Gefühl seinem himmlischen Vater ganz nahe sein zu können. Die Atmosphäre der Heiligkeit und der Gelehrsamkeit hatte ihn völlig in ihren Bann gezogen. Jesu Antwort auf die verzweifelte Suche der Eltern dürfte Josef und Maria erstmal sprachlos gemacht haben: »Warum habt ihr mich denn gesucht? Habt ihr nicht gewusst, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?«

Was sollten sie darauf antworten? Ihr zwölfjähriger Knirps erinnerte sie daran, was die Hirten, die Weisen, Simeon und Hanna ihnen ja auch schon überdeutlich gezeigt hatten: Jesus ist nicht nur ihr kleiner Junge, sondern auch der Sohn ihres Gottes. Sollten sie ihm Jesus vorenthalten?

Die Geschichte ist gut ausgegangen. Jesus hat sich nicht zum Rebell entwickelt und seinen Eltern unzählige weitere schlaflose Nächte bereitet. Ganz im Gegenteil. Gott und die Menschen, auch seine Eltern, hatten Freude an ihm, schreibt Lukas.

Der Predigttext bringt uns zu der Frage, welche Rolle bestimmte Orte und ihr damit verbundenes Umfeld für uns und unseren Glauben spielen. Gehen wir freiwillig an diese Orte oder gezwungenermaßen? Fühlen wir uns dort wohl oder fremdbestimmt? Für uns können wir die Frage dahingehend präzisieren: Brauchen wir Kirchengebäude als Heilige Orte? Brauchen wir das Gespräch mit gelehrten Theologen und Geistlichen, um im Glauben wachsen zu können? Wenn Jesus unser Herr und Lehrer ist, dann sollten wir uns auch bei dieser Frage an ihm orientieren.

Jesus hatte im Tempel eine räumliche und geistliche Heimat. Was er dort mit zwölf erlebte, hatte auch mit dem zu tun, was er später als Erwachsener dann dort erlebte und was ihm gar nicht gefiel. Bei der Tempelreinigung sagt er: ›Mein Tempel soll eine Stätte sein, an der die Menschen zu mir beten können!‹ Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht!«

Ja, ihm war dieser Ort nicht egal. Die Begegnung mit dem Heiligen braucht heilige Orte, bzw. macht Orte heilig. Wie wahr dies ist, hat mir neulich eine Austauschrunde mit unseren Konfirmanden gezeigt, die zur Zeit wie alle anderen auch ja unsere Gottesdienste nur zuhause als Liveübertragung erleben können. Wie ist es, wenn man vor einem Smartphone, Tablet oder Laptop sitzt und sich einen Gottesdienst anschaut, während der kleine Bruder durch die Wohnung tobt, der Hund bellt oder der Vater gerade die Spülmaschine ausräumt? Durch unsere Onlinegottesdienste prallen gerade zwei Wirklichkeiten ungebremst aufeinander, die sich in unserem sonstigen Leben weitgehend aus dem Weg gehen: Das Heilige und das Profane.

Alle, die Gottesdienste online zuhause feiern wollen, werden über kurz oder lang merken, dass sie dafür zuhause „heilige Räume“ schaffen müssen. Entweder wird die ganze Familie ihren sonstigen Trubel für die Zeit des Gottesdiensts unterbrechen, damit man gemeinsam den Gottesdienst feiern kann, oder man wird sich an einen ruhigen und ungestörten Ort zurückziehen müssen. Irgendwann wird man vielleicht auch erkennen, dass eine angezündete Kerze und die Bibel auf dem Tisch den digitalen Gottesdienst auch analog greifbarer machen. Und so helfen uns die digitalen Angebote dabei, eine Sache aus den Tagen der ersten Christen wiederzuentdecken: Die Hauskirche. Als bei Jesu Kreuzigung der Vorhang zum Allerheiligsten im Tempel zerrissen ist, hat der Tempel seine Bedeutung als zentraler Ort der Gottesbegegnung verloren. 70 n. Chr. ist er dann sogar völlig zerstört worden. Seither baut sich Gott durch seinen Heiligen Geist in uns seinen Tempel, bei uns daheim, wie auch an den Orten, wo wir uns in seinem Namen versammeln.

Jesus fühlt sich - wie damals als Zwölfjähriger - wohl an Orten, wo man sich Gedanken macht über die Schrift, wo Gott einen festen Platz in den Gesprächen und Auseinandersetzungen hat. Jesus möchte, dass wir uns mit Herz und Verstand mit ihm, Gott und der Heiligen Schrift auseinandersetzen, dass sein Wort unsere Freude und ein Licht auf unserem Weg ist. Bisweilen erlebe ich mit unseren Konfirmanden solche lebhaften Auseinandersetzungen. Da ergibt die Antwort auf eine Frage gleich ein dutzend weitere Fragen. Manchen ist das zu anstrengend, aber andere blühen dabei auf und werden lebendig. Die lebendige Auseinandersetzung mit Gott war es, die Jesus als Zwölfjährigen die Zeit vergessen ließ. Der Eifer um die Sache Gottes und sein Haus, der wurde zu einer der treibenden Kräfte im Leben Jesu, wie auch im Leben seiner Gemeinde seither. Lasst uns uns daran ein Beispiel nehmen und gezielt das Gespräch miteinander suchen, denn da wo Gott und der Glaube zum Thema werden, da kommt Gott ganz nah und verändert uns und unser Leben zum Guten, zu sich hin. Amen

Der Hausgottesdienst zum Download