Gottesdienstübertragung (live)

Sonntag, 08. November 2020 um 10.00 Uhr

Orgelvorspiel aus der Schlosskirche in Pforzheim

Johann Krieger (1651-1735) Toccata D-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 147,1-2 („Wachet auf“, ruft uns die Stimme)

1) Wachet auf; ruft uns die Stimme der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf, du Stadt Jerusalem! Mitternacht heißt diese Stunde; sie rufen uns mit hellem Munde: Wo seid ihr klugen Jungfrauen? Wohlauf, der Bräut'gam kommt! Steht auf, die Lampen nehmt! Halleluja! Macht euch bereit zu der Hochzeit; ihr müsset ihm entgegengehn!

2) Zion hört die Wächter singen; das Herz tut ihr vor Freude springen; sie wachet und steht eilend auf. Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig, von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig; ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf. Nun komm, du werte Kron, Herr Jesu, Gottes Sohn! Hosianna! Wir folgen all zum Freudensaal und halten mit das Abendmahl.

Psalm: Psalm 85 (EG 743)

HERR, der du bist vormals gnädig gewesen deinem Lande und hast erlöst die Gefangenen Jakobs;

der du die Missetat vormals vergeben hast deinem Volk und all ihre Sünde bedeckt hast;

der du vormals hast all deinen Zorn fahren lassen und dich abgewandt von der Glut deines Zorns:

Hilf uns, Gott, unser Heiland, und lass ab von deiner Ungnade über uns!

Willst du denn ewiglich über uns zürnen und deinen Zorn walten lassen für und für?

Willst du uns denn nicht wieder erquicken, dass dein Volk sich über dich freuen kann?

HERR, zeige uns deine Gnade und gib uns dein Heil!

dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen;

(Psalm 85,2-8.11)

Gebet:

Herr, unser Gott, mitten im Trubel dieser Welt und unseres Lebens kommen wir zu dir. In der Stille suchen wir Frieden und Geborgenheit bei dir. Du siehst wie schwer es uns fällt abzuschalten und innerlich zur Ruhe zu kommen. Du siehst die Hetze und die rebellischen Gedanken in uns, alles, was uns von dir trennt, was voller Hader, Zweifel und Unversöhntheit in unserem Herzen ist. All das legen wir jetzt vor dich.

(Raum für persönliche Gedanken)

Vergib uns unsere Schuld. Bitte versöhne uns mit dir, mit anderen und mit uns selbst durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und regiert, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Zuspruch:

Christus spricht: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

(Johannes 14,27)

Lesung: Lukas 17,20-24

Vom Kommen des Gottesreiches und vom Tag des Menschensohns

20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; 21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch. 22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn nicht sehen. 23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft nicht hinterher! 24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 152,1-4 (Wir warten dein, o Gottes Sohn)

1) Wir warten dein, o Gottes Sohn, und lieben dein Erscheinen. Wir wissen dich auf deinem Thron und nennen uns die Deinen. Wer an dich glaubt, erhebt sein Haupt und siehet dir entgegen; du kommst uns ja zum Segen.

2) Wir warten deiner mit Geduld in unsern Leidenstagen; wir trösten uns, dass du die Schuld am Kreuz hast abgetragen; so wollen wir nun gern mit dir uns auch zum Kreuz bequemen, bis du es weg wirst nehmen.

3) Wir warten dein; du hast uns ja das Herz schon hingenommen. Du bist uns zwar im Geiste nah, doch wirst du sichtbar kommen. Da willst uns du bei dir auch Ruh, bei dir auch Freude geben, bei dir ein herrlich Leben.

4) Wir warten dein, du kommst gewiss, die Zeit ist bald vergangen; wir freuen uns schon überdies mit kindlichem Verlangen. Was wird geschehn, wenn wir dich sehn, wann du uns heim wirst bringen, wann wir dir ewig singen!

Predigt zu 1. Thessalonicher 5,1-6

Lied: NL 140,1-4 (Gemeinsam auf dem Weg)

Refrain: (vor jeder Strophe)

Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung die uns trägt: Er bleibt treu.

1) Wir danken dir für jeden Schritt, / der Grenzen überwindet. / Wir bitten, lenke unsern Blick / auf das, was uns verbindet.

2) Gemeinsam hören wir dein Wort. / Hilf uns, es zu bedenken. / Damit es reiche Früchte trägt, / musst du die Schritte lenken.

3) Gemeinsam singen wir dein Lob: / Das wird uns weiter tragen. / Gib du uns Mut und Leidenschaft / und hilf uns Neues wagen.

4) Auf dein Wort hin sind wir getauft / und so bei dir geborgen. / Wir wissen, nach der dunklen Nacht / schaffst du den neuen Morgen.

Fürbittengebet:

Allmächtiger Gott, wir kommen mit unseren Anliegen vor dich und bitten dich für uns und für die Welt, in der wir leben:

Du sieht die Tragödie, die im vergangenen Wochenende in Steinegg geschehen ist, wie uns die Nachricht darüber aufgewühlt hat. In deine Hand wollen wir das Leben der beiden Verstorbenen legen. Sei du jetzt bei der Familie und schenke Trost und Halt in dieser schweren Zeit. Wir bitten dich auch für die Einsatzkräfte: Hilf Ihnen dabei, mit dem umzugehen, was sie dort erlebt haben.

Herr, wir bitten dich in dieser Coronapandemie um Bewahrung für uns und andere. Du sieht die hohen Infektionszahlen und wie schwierig es ist, das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Bewahre uns vor Ansteckung. Und wo sich dennoch Menschen anstecken, bitten wir um einen milden Verlauf. Danke Herr, dass wir dir uns und alle die uns am Herzen liegen, anbefehlen dürfen. Danke, dass unser Leben wie auch unsere Gesundheit in deiner Hand liegen.

Guter Gott, wir bitten dich für die Situation in Amerika nach der Wahl. Du weißt um die verfahrene Situation, die beiden politischen Lager, die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Du kennst die Aggressionen und weißt wo Enttäuschung und wo Hoffnung herrscht. Erbarme dich über dieses Land und schenke du Ruhe und Besonnenheit. Schenke, dass der Riss und die Wunden in diesem Land heilen können. Wirke du die Bereitschaft zur Versöhnung und für einen gemeinsamen Neuanfang.

Herr, wir wollen heute auch an die Flüchtlinge denken, die in Griechenland und anderswo gestrandet sind und um die es im Moment in den Medien ruhig geworden ist. Schenke du diesen Menschen eine Perspektive und einen sicheren Ort, an dem sie bleiben und ein neues Leben aufbauen können. Hilf ihnen dabei, gut durch den anstehenden Winter zu kommen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: NL 74,1-4 (Schalom, schalom, der Herr segne uns)

Refrain: (vor jeder Strophe)

Schalom, schalom, der Herr segne uns. Schalom, schalom, der Herr segne uns.

1) Der Herr sei vor dir, / um dir den rechten Weg zu zeigen. / Er sei neben dir, / dass sein Arm dich beschütze.

2) Der Herr sei hinter dir, / um dich vor Feinden zu bewahren. / Er sei unter dir. / Er hält dich, wenn du fällst.

3) Der Herr sei in dir, / um dich in Traurigkeit zu trösten. / Er sei um dich her; / den Bösen abzuwehren.

4) Der Herr sei über dir, / um seinen Reichtum dir zu geben. / So umgebe dich / der Herr von allen Seiten.

Wochenspruch:

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

(Matthäus 5,9)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Kraft und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden.

So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Orgelnachspiel aus der Evang. Kirche in Dürrn

Paul Brian (*1950) Trumpet Tune

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Matthäus 5,9)

EG 147,1-2 ("Wachet auf", ruft uns die Stimme)

EG 152,1-4 (Wir warten dein, o Gottes Sohn)

NL 140,1-4 (Gemeinsam auf dem Weg)

NL 74,1-4 (Schalom, schalom, der Herr segne uns)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde unser Kirchenjahr nähert sich dem Ende. In drei Wochen feiern wir den 1. Advent. In diesen letzten Wochen des Kirchenjahres geht es thematisch in unseren Gottesdiensten um herausfordernde Themen: Es geht um das Thema Gericht, um das Thema Tod und Sterben und um die Frage nach der Ewigkeit und der Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit. All das sind Themen, mit den sich ein „Normalsterblicher“, wenn überhaupt, nur ungern und dann höchstens auch nur am Rande beschäftigt. Warum auch soll man sich das Leben mit solchen Themen auch nur unnötig belasten? Die meisten Menschen, so scheint es zumindest, kommen mit genau dieser Einstellung recht gut durchs Leben. Außerhalb dieses Gottesdienstes werden wir vermutlich kaum jemanden finden können, mit dem wir über das reden könnten, was uns der heutige Predigttext zu sagen hat. Es geht heute genau um eines dieser vorhin genannten Themen, nämlich die Wiederkunft Jesu. Hören wir, was der Apostel Paulus hierüber im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5 schreibt:

1 Von den Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; 2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt wie ein Dieb in der Nacht. 3 Wenn sie sagen: »Friede und Sicherheit«, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entrinnen. 4 Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 5 Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. 6 So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Liebe Gemeinde, im Glaubensbekenntnis heißt es über Jesus: Er sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn ich jetzt direkt jeden einzelnen von euch fragen würde, ob ihr daran glaubt, dass Jesus eines Tages so wiederkommt, wie wir es bekennen, dann würden wir vermutlich ein weites Spektrum von Antworten bekommen. So richtig vorstellen kann sich das vermutlich keiner von uns. Aber es kann sich auch keiner von uns vorstellen, wie Gott das mit unseren Gebeten auf die Reihe bekommt, dass er jedes einzelne hört und dann auch auf seine Weise reagiert – und trotzdem beten wir. Unsere Vorstellungskraft ist eben sehr begrenzt.

Paulus kennt diese menschlichen Grenzen. Er sagt uns, dass wir uns nicht mit Endzeitberechnungen abmühen müssen. Die Wiederkunft Jesu ist nicht berechenbar, aber wir sollen dennoch mit ihr rechnen. Nicht das Wie und Wann ist entscheidend, sondern das Das seines Kommens.

Paulus spricht dabei von Licht und Finsternis, von Tag und Nacht und von einem Dieb, mit dem wir rechnen müssen.

Tagtäglich erleben wir das Wechselspiel von Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit. Die dunkle Jahreszeit macht etwas mit uns, wenn es bereits nachmittags um vier zu dämmern beginnt und die Nächte lang, sehr lang sind. Im geistlichen Bereich sind die Dunkelheit und das Licht nicht an Tageszeiten gebunden. Beides begegnet uns hier als Dauerzustand. Menschen, die in einer geistlichen Dunkelheit leben, befinden sich in einer Art geistlichem Schlaf. Sie sind auf bestimmte Themen nicht ansprechbar. Sie wollen nicht geweckt und gestört werden. Und sie träumen von einem Leben, das vielleicht mehr mit Wunschdenken zu tun hat, als mit der Realität. Vielleicht ist ihr Leben aber auch ein Alptraum, aus dem sie gerne erwachen würden. Diesen Schlaf haben wir alle ohne Ausnahme einmal geschlafen oder schlafen ihn noch immer, auch in der Kirche, wo man bisweilen besonders gut schlafen kann, wenn man sich von der Predigt sanft berieseln lässt.

Christen sind Menschen, die aus diesem geistlichen Tiefschlaf erwacht sind. Manchmal wurden sie unsanft aus ihren Träumen gerissen durch Ereignisse, die sie schlagartig hellwach gemacht haben. Andere hatten einen längeren Prozess des Aufwachens, wo man es noch eine Weile im schönen, warmen Bett ausgehalten hat, bis man irgendwann doch einmal den Schritt aus dem Bett machen musste.

Ich weiß nicht, wie es bei Euch war, wie Ihr erwacht seid, aber ich denke, Ihr werdet euch noch daran erinnern können, wie sich eure Sicht auf Euch selbst, Euer Leben und die Welt verändert hat, als ihr Gott bewusst Raum in eurem Leben gegeben habt. Den Prozess des Aufwachens kann man auch als den Prozess des zum Glauben Findens beschreiben.

Ich stelle mir das ganz bildlich vor: Da liegt jemand im Bett und schläft. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Gott an dieses Bett tritt und ihn oder sie mit seiner Stimme ruft, mal sanft, mal deutlich. Und so wie es Menschen gibt, die sich leichter wecken lassen, gibt es andere, die nichts aufweckt. Die schlafen wie ein Stein und bekommen nichts davon mit, was um sie herum passiert.

Meine Frau hat vor vielen Jahren einmal ihre Schwester in England besucht. Sie wohnte dort in einer WG mit einigen anderen zusammen. Eines Nachts, als alle schliefen und auch meine Frau im Zimmer ihrer Schwester übernachtete, kam ein Dieb in die Wohnung und durchsuchte die Zimmer. Keiner bemerkte den Dieb. Der Dieb wollte unbemerkt bleiben, wollte, dass alle tief schlafen, damit er sein Werk verrichten konnte. (Vielleicht war dieser Schlaf auch eine Bewahrung.) Das Bild vom Tag des Herrn, der wie ein Dieb kommt, irritiert uns. Was bedeutet es für unser geistliches Leben?

Das Wertvollste, was wir haben, ist unser von Gott geschenktes Leben. Über dieses Leben möchten wir gerne selbst verfügen. Wenn der Tag des Herrn unerwartet kommt, dann können wir uns nicht darauf einstellen und vorbereiten, dass Gott dieses Leben zurücknimmt. Das erleben wir schon jetzt, wenn ein Mensch plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen wird. Da haben wir auch das Gefühl, dass jemand diesem Menschen sein Leben gestohlen hat, dass dieser Mensch um viele Jahre seines Lebens betrogen wurde, wenn er zu jung aus diesem Leben scheiden musste. So ist das in unserem Leben. Das paulinische Bild vom Dieb will uns nicht bedrohen oder ängstigen – es bildet „einfach“ die Wirklichkeit ab. Auch müssen wir genau lesen: Nicht Jesus wird mit einem Dieb identifiziert, sondern der Tag seines Kommens wird mit dem Bild eines unerwarteten „Einbruchs“ in unser Leben verglichen.

Doch das Bild des Diebes in der Nacht geht noch tiefer. Ein Dieb stiehlt, was ihm nicht gehört. Doch: Gott kann uns nichts stehlen, was ihm ohnehin schon gehört. Haben vielleicht wir ihm unser Leben gestohlen, wo wir es ohne ihn führen und uns selbst zum Gott über unser Leben machen? Oder gibt es noch einen anderen Dieb am Tag des Herrn? Der Tag des Herrn, der für jeden von uns spätestens mit dem Zeitpunkt unseres Todes kommt, ist eine gewaltige Zäsur in unserem Leben. Statt aktiv unser Leben zu gestalten, müssen wir passiv abwarten und mit ansehen, was mit unserem Leben geschieht. Was erwartet uns? Dunkelheit und Licht, so legen es auch die Berichte von Menschen mit Nahtoderfahrungen nahe, sind die Bereiche, die uns dort erwarten. Die Frage ist, wer dann den Anspruch auf unser Leben haben wird: Die Kräfte, die uns zeit unseres Lebens von Gott fernhalten wollten und die alles getan haben, damit wir ja nicht aus unserem Schlaf der Selbstsicherheit aufwachen, oder die Kräfte Gottes, die zeitlebens um uns geworben haben, die uns die Augen öffnen wollten über uns und unseren Stand in dieser Welt?

Als Christen glauben wir, dass wir uns am Ende der Zeit dem Gericht Gottes stellen müssen. Entweder versuchen wir uns dann selbst zu verteidigen und zu rechtfertigen, oder wir vertrauen darauf, dass Jesus unser Fürsprecher und Anwalt, unser Verteidiger ist.

Wir werden in dem Augenblick Kinder des Lichts, in dem wir den Anspruch auf unser Leben zurück in Gottes Hand legen, in dem wir unserem Schöpfer sagen können: Du hast mir mein Leben geschenkt! Nimm es nun auch in deine Hand! Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!

Dieser Schritt fällt niemals leicht, weil unser ganzes bisheriges Leben mit all seinen Einstellungen zur Disposition steht. Doch können wir jetzt auch erstmals die Dinge im Licht Gottes sehen und all die schlafenden Riesen, Ängste und Bedrohungen beim Namen nennen, die uns in der Dunkelheit ungreifbar umgaben. Aufwachen kann schwerfallen und aufstehen noch viel mehr. Doch nur wer aufwacht und aufsteht, kann die Schönheit eines neuen Tages erleben und genießen. Lasst uns deshalb nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein. Amen