Orgelvorspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Mendelsson - Präludium in C-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 111,1-3.13(Frühmorgens, da die Sonn aufgeht)

1. Frühmorgens, da die Sonn aufgeht, mein Heiland Christus aufersteht. Vertrieben ist der Sünden Nacht, Licht, Heil und Leben wiederbracht. Halleluja.

2. Wenn ich des Nachts oft lieg in Not, verschlossen, gleich als wär ich tot, läßt du mir früh die Gnadensonn aufgehn: nach Trauren, Freud und Wonn. Halleluja.

3. Nicht mehr als nur drei Tage lang mein Heiland bleibt ins Todes Zwang; am dritten Tag durchs Grab er dringt, mit Ehr sein Siegsfähnlein schwingt. Halleluja.

13. Lebt Christus, was bin ich betrübt? Ich weiß, daß er mich herzlich liebt; wenn mir gleich alle Welt stürb ab, g'nug, daß ich Christus bei mir hab. Halleluja.

Psalm: Psalm 116 (EG 762):

Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.

Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.

Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen.

Wie soll ich dem HERRN vergelten all seine Wohltat, die er an mir tut?

Ich will den Kelch des Heils erheben und des HERRN Namen anrufen.

Dir will ich Dankopfer bringen und des HERRN Namen anrufen.

Ich will meine Gelübde dem HERRN erfüllen vor all seinem Volk

in den Vorhöfen am Hause des HERRN, in deiner Mitte, Jerusalem. Halleluja!

Gebet:

Herr, unser Gott, manchmal fühlen wir uns wie neugeboren, wenn etwas gut gegangen ist, wenn wir eine Last ablegen und hinter uns lassen können.

Du siehst, wie es uns heute Morgen geht, wie frisch und neugeboren oder wie müde und erschöpft wir uns gerade fühlen. Wir danken Dir, dass wir in jeder Lage zu Dir kommen dürfen. Wir danken Dir, dass Du uns neuen Mut und neue Kraft schenkst.

Erhalte uns weiterhin die Osterfreude, auch wenn die Osterferien zu Ende gehen und für Viele von uns weitere Wochen mit Schule zuhause, Homeoffice und dem Gefühl der Isolation vor uns liegen.

Auch heute gibt es wieder einiges, was unsere Gedanken beschäftigt, was wir in diesen Hausgottesdienst mitgebracht haben und was wir Dir jetzt ganz persönlich sagen wollen: - Gebetsstille - Amen

Zuspruch:

Christus spricht: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Lesung: Jesaja 40,26-31 (GNB)

26 Seht doch nur in die Höhe! Wer hat die Sterne da oben geschaffen? Er lässt sie alle aufmarschieren, das ganze unermessliche Heer. Jeden Stern ruft er einzeln mit Namen, und keiner bleibt fern, wenn er, der Mächtige und Gewaltige, ruft.

27 Ihr Leute von Israel, ihr Nachkommen Jakobs, warum klagt ihr: »Der Herr kümmert sich nicht um uns; unser Gott lässt es zu, dass uns Unrecht geschieht«? 28 Habt ihr denn nicht gehört? Habt ihr nicht begriffen? Der Herr ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, seine Macht reicht über die ganze Erde; er hat sie geschaffen! Er wird nicht müde, seine Kraft lässt nicht nach; seine Weisheit ist tief und unerschöpflich. 29 Er gibt den Müden Kraft und die Schwachen macht er stark. 30 Selbst junge Leute werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. 31 Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, bekommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 107,1-3(Wir danken dir, Herr Jesu Christ)

1. Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du vom Tod erstanden bist und hast dem Tod zerstört sein Macht und uns zum Leben wiederbracht. Halleluja.

2. Wir bitten dich durch deine Gnad: nimm von uns unsre Missetat und hilf uns durch die Güte dein, dass wir dein treuen Diener sein. Halleluja.

3. Gott Vater in dem höchsten Thron samt seinem eingebornen Sohn, dem Heilgen Geist in gleicher Weis in Ewigkeit sei Lob und Preis! Halleluja.

Predigt zu Johannes 21,1-14

Lied: EG 115,1-2.4-5(Jesus lebt, mit ihm auch ich!)

1. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

2. Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. Gott erfüllt, was er verspricht; dies ist meine Zuversicht.

4. Jesus lebt! Sein Heil ist mein, sein sei auch mein ganzes Leben; reines Herzens will ich sein und den Lüsten widerstreben. Er verlässt den Schwachen nicht; dies ist meine Zuversicht

5. Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Er gibt Kraft zu dieser Pflicht; dies ist meine Zuversicht.

Fürbittengebet:

Guter Gott, du bist ein lebendiger Gott, ein Gott, der hört und sieht. Du bist auch ein Gott der handelt, indem du rufst und ermahnst, heilst und richtet. Dir befehlen wir unser Land an. Du siehst die Unsicherheiten und Ängste landauf und landab, die Geduld mit den Coronabeschränkungen, die vielerorts erschöpft ist. Wir bitten dich, gib uns als Gesellschaft Kraft durchzuhalten. Halte du die Befürworter wie auch die Kritiker der Beschränkungen gesprächsbereit füreinander. Mach du die tätige Nächstenliebe zum Maßstab ihrer Überlegungen und ihres Handelns.

Wir bitten dich für die Ärztinnen und Ärzte, wie auch das Pflegepersonal in unseren Krankenhäusern und Praxen: Gib Ihnen Kraft für ihre Arbeit. Bewahre du sie in dieser schwierigen und angespannten Zeit an Leib und Seele. Hilf Ihnen gerade auch bei der ganzen Impfdebatte gute Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen, die sie vor dir und den Menschen vertreten können.

Herr Jesus Christus, wir bitten dich heute auch besonders für diejenigen, die frisch oder schon vor längerer Zeit einen Anfang mit dir gemacht haben. Begegne du ihnen auf ihrem Weg der Nachfolge. Schenke Ihnen Vertrauen und Mut für ihren Glaubensweg. Gib uns die richtigen Worte, wenn wir mit Ihnen sprechen, Worte der Ermutigung aber vielleicht auch manchmal der liebevollen Ermahnung, wenn wir das Gefühl haben, dass bei uns oder anderen der Glaube eng wird und die Liebe schwindet.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: NL 118,1-3 (Der Herr segne dich, behüte dich)

Refrain:

Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht. Tiefer Friede begleite dich.

1) Ob du ausgehst oder heim kommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob du in das Tal hinabschaust oder Berge vor dir steh´n - mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen geh´n!

Refrain

2) Ob die Menschen, die du liebst, dies erwidern oder nicht, sei ein Segen durch die Gnade unsres Herrn. Ob die Träume, die du träumtest noch verheißungsvoll besteh´n oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum ausseh´n.

Refrain

Wochenspruch:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1,3)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Kraft und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Orgelnachspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Merkel - Präludium in G-dur

Osterweg in Mühlhausen, Station 9: Auferstehung

EG 111,1-3.13 (Frühmorgens, da die Sonn aufgeht)

EG 107,1-3 (Wir danken dir, Herr Jesu Christ)

EG 115,1-2.4-5 (Jesus lebt, mit ihm auch ich!)

NL 118,1-2 (Der Herr segne dich, behüte dich)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, der heutige Sonntag steht noch ganz im Zeichen des Ostermorgens. Jesus ist von den Toten auferstanden und als der Auferstandene ist er mitten unter uns. Noch ist er nicht zu seinem himmlischen Vater in den Himmel aufgefahren. Bis Himmelfahrt befinden wir uns gedanklich in dieser geheimnisvollen Zeit von 50 Tagen, in der Jesus immer wieder Menschen erscheint, die ihn als den Herrn erkennen, die begreifen, dass Jesus mitten unter ihnen ist, sie ihn aber nicht ergreifen können, weil er genauso unmittelbar wie er in ihrer Mitte erscheint, auch wieder aus ihrer Mitte entschwindet. In dieser Zeit merken die Jünger noch einmal auf eindringliche Weise, dass Jesus wieder oder noch immer in der Welt ist, er aber nicht mehr von dieser Welt ist, weil er nicht mehr ihren Gesetzen von Raum und Zeit unterworfen ist. Diese 50 Tage sind ein Vorgeschmack auf die Zeit, die mit Pfingsten beginnt und die bis in unsere Gegenwart anhält.

In unserem Predigttext aus dem Johannesevangelium begegnen wir einer dieser geheimnisvollen österlichen Begegnung zwischen Jesus und seinen Jüngern. Ich lese aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1 bis 14:

1 Später zeigte sich Jesus seinen Jüngern noch einmal am See von Tiberias. Das geschah so: 2 Einige von ihnen waren dort am See beisammen – Simon Petrus, Thomas, der auch Zwilling genannt wurde, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne von Zebedäus und zwei andere Jünger. 3 Simon Petrus sagte zu den anderen: »Ich gehe fischen!« »Wir kommen mit«, sagten sie. Gemeinsam gingen sie zum See und stiegen ins Boot; aber während der ganzen Nacht fingen sie nichts. 4 Es wurde schon Morgen, da stand Jesus am Ufer. Die Jünger wussten aber nicht, dass es Jesus war. 5 Er redete sie an: »Kinder, habt ihr nicht ein paar Fische?« »Nein, keinen einzigen!«, antworteten sie. 6 Er sagte zu ihnen: »Werft euer Netz an der rechten Bootsseite aus! Dort werdet ihr welche finden.« Sie warfen das Netz aus und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht ins Boot ziehen konnten. 7 Der Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, sagte zu Petrus: »Es ist der Herr!« Als Simon Petrus das hörte, warf er sich das Obergewand über, band es hoch und sprang ins Wasser. Er hatte es nämlich zum Arbeiten abgelegt. 8 Die anderen Jünger ruderten das Boot an Land – es waren noch etwa hundert Meter – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. 9 Als sie an Land gingen, sahen sie ein Holzkohlenfeuer mit Fischen darauf, auch Brot lag dabei. 10 Jesus sagte zu ihnen: »Bringt ein paar von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!« 11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war voll von großen Fischen, genau hundertdreiundfünfzig. Aber das Netz riss nicht, obwohl es so viele waren. 12 Jesus sagte zu ihnen: »Kommt her und esst!« Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: »Wer bist du?« Sie wussten, dass es der Herr war. 13 Jesus trat zu ihnen, nahm das Brot und verteilte es unter sie, ebenso die Fische. 14 Dies war das dritte Mal, dass sich Jesus seinen Jüngern zeigte, seit er vom Tod auferstanden war.

Dieser Text ist ungemein wertvoll, denn er gibt uns einen Einblick in das Leben, wie es nach Ostern aussah. Die Jünger wussten nun, dass Jesus von den Toten auferstanden war. Die Freude und die Gewissheit im Glauben waren da, aber wie sollte nun ihr Leben weitergehen? Wie würde ihr Alltag aussehen, wenn Sie nicht mehr im Gefolge Jesu durch die Lande ziehen und zusammen mit ihm ein Abenteuer nach dem anderen erleben würden?

Petrus und einige andere Jünger kehrten an den Ort zurück, an dem sie Jesus zuerst begegnet waren. Indem Petrus fischen ging, knüpfte er wieder an sein altes Leben an. Vielleicht lag sein altes Boot mit den Netzen noch unter Planen abgedeckt in irgendeiner Ecke.

Doch diese Rückkehr ins alte Leben brachte neben der Arbeit auch den Frust zurück in die Lebenswirklichkeit des Petrus. Eine ganze Nacht harter Arbeit war umsonst. Kein Fisch im Netz!

Es mag für Petrus später wie ein Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein, als sich dann eine Szene abspielte, die er schon einmal erlebt hatte: Da steht jemand am Ufer und fordert ihn auf, die Netzte noch einmal auszuwerfen. Diese Szene ist merkwürdig und geheimnisvoll zugleich. So wie Johannes die Geschichte erzählt, scheint bei Petrus der Groschen nicht gleich zu fallen. Erst nachdem erfolgreichen Fischfang scheint es den Anwesenden langsam zu dämmern, wer da vor ihnen steht. Und es ist auch nicht Petrus, dem hier als erstes ein Licht aufgeht, sondern Johannes, dem Jünger, der in einer besonderen Nähe zu Jesus stand.

Warum haben sie ihn nicht gleich erkannt? Hatte Jesus sich eine neue Erscheinung zugelegt? Andere Kleider? Ein anderes Gesicht? Gar eine andere Stimme? Johannes schreibt: Keiner wagte zu fragen: Wer bist du? Und doch wussten und vor allem spürten sie, wer dieser Mann war.

Die geheimnisvolle verborgene und zugleich offenbarte Gegenwart Jesu ist eine Dimension der Wirklichkeit, die uns seither begleitet. Denken wir nur an die Geschichte von Sankt Martin und dem Bettler, mit dem er den Mantel teilte und in der sich ihm später im Traum als Jesus offenbarte. Oder denken wir an Leo Tolstois Geschichte vom Schuster Martin, der ebenfalls dieses Thema aufgreift. So wie Jesus bei seinem ersten Kommen von der Welt unerkannt erschien und nur im Glauben erkannt werden konnte, so ist es auch mit seinem Kommen seither in unsere Welt. Jesus hat sich in dem Sinne nicht von dieser Welt verabschiedet, sondern er hat sich mit Ostern erneut auf den Weg in unsere Welt gemacht, um durch den Glauben erkenn- und wahrnehmbar bei uns zu bleiben. Die zeitlich begrenzte leibliche Erfahrbarkeit seiner Gegenwart zwischen dem Ostermorgen und seiner Himmelfahrt war die Vorbereitung auf seine vollkommene geistige Gegenwart durch den Heiligen Geist, wie wir sie seit Pfingsten erleben können.

An unserem Predigttext fällt noch was auf: Diese unverhoffte Begegnung zwischen Jesus und seinen Jüngern wird nicht genutzt, um nun die technischen Details der Auferstehung zu besprechen oder um über Jesu Erlebnisse im Reich des Todes zu plaudern. Bei dieser Begegnung wird nicht die Neugier der Jünger gestillt und es gibt auch keine Fragestunde zu den vielen Fragen, die die Jünger nun hatten. Nein, dass, was sie dort gemeinsam tun, ist eine ganz einfache und bodenständige Angelegenheit: Sie essen zusammen. Es ist der Augenblick, der zählt, der Augenblick, den sie zusammen feiern und in dem die Jünger erfahren dürfen, dass die Tisch- und Mahlgemeinschaft, die sie beim letzten Abendmahl erlebten, nun ihre Fortsetzung findet und in alle Ewigkeit finden wird. Bei dieser Begegnung steht weniger der Verstand im Vordergrund, als die Erfahrung der tragenden Gemeinschaft mit Jesus. Diese Gemeinschaft ist das Fundament für die Zukunft in der Nachfolge Jesus.

Nach der Vergewisserung dieser Gemeinschaft wird Jesus sich Petrus zuwenden, die Scham und Wunde über die dreimaligen Verleugnung heilen und Petrus dann seine endgültige Berufung zusprechen.

Liebe Gemeinde, es ist derselbe Jesus, der den Jüngern am See Tiberias erschienen ist, der auch uns in unserem Leben erscheinen kann und will. Die Frage ist nur, ob wir für die Begegnung mit ihm offen sind. Wo kann Jesus während unserer täglichen Arbeit so in unser Leben treten, dass wir ihn erkennen. Welche Worte muss er dafür sprechen und welche Zeichenhandlung wählen?

Vielleicht hast du eine ganz persönliche Glaubensgeschichte mit Jesus, die schon viele Jahre zurückliegt. Vielleicht hast du dich irgendwann innerlich von Jesus entfernt und weißt gar nicht mehr so genau, wann und wie das eigentlich passiert ist, weil es ein schleichender Prozess war. Und jetzt stehst du in deinem persönlichen Fischerboot irgendwo in deinem Leben und bist frustriert, weil es nicht so läuft, wie du dir das mit deinem Leben so vorgestellt hast. Vielleicht hast du auch ein schlechtes Gewissen gegenüber Gott und Jesus, weil du sie irgendwann wie Petrus im Stich gelassen und dein eigenes Ding gemacht hast. Vielleicht fragst du dich, ob du jetzt nach vielen Jahren überhaupt noch einmal zu ihm zurückkehren kannst und es so werden kann, wie es vielleicht war, als du in deiner Jungscharzeit, als Konfirmand, beim CVJM oder wo auch immer deine persönlichen Momente mit Gott und Jesus hattest.

Bei diesen Fragen begegnen wir möglicherweise auch dem Petrus in uns. Auf der einen Seite zögert er im Laufe seiner Jüngerschaft immer wieder und hält sich nicht für würdig um bei Jesus zu sein, auf der anderen Seite folgt er aber in unserem Predigttext wie einst beim Seewandel seinem inneren Bauchgefühl, als er sich ins Wasser wirft um so schnell wie möglich zu Jesus zu kommen.

Auch wir sehen manchmal auf der einen Seite wie wir früher vielleicht voller Euphorie und Naivität Schritte im Glauben gemacht haben, später dann diesen aber mit einer gewissen Distanz betrachten. Auf der anderen Seite kennen wir aber dann auch den einstigen Impuls von damals Jesus zu vertrauen und ihm zu folgen.

Bei Petrus spüren wir, wie sich das innere Kind in ihm regt, das dem Ruf Jesu „Lasset die Kinder zu mir kommen“ folgt. Zugleich merkt Petrus auch, wie er darauf angewiesen ist, dass Jesus ihm einen Neuanfang schenkt. Wenn es dir so geht, dann darfst du jetzt deine Augen aufheben und deinen Blick an das Ufer werfen. Du darfst Ausschau halten, ob du Jesus dort stehen siehst. Und du darfst ihn um ein Zeichen bitten, ein Zeichen, dass nur du und er kennt. Wenn dir zum Beispiel auf einmal nach vielen Jahren ein für deinen Glauben bedeutsamer Gegenstand oder Bibelvers begegnet, du ein Lied hörst, dass dich an deine frühere Zeit mit Jesus erinnert … Jesus hat viele Möglichkeiten, um sich von dir wieder finden zu lassen und seinen Bund mit dir zu erneuern. Vielleicht hast du auch erst jetzt das richtige Alter und die Reife, um ihm richtig zuzuhören, wenn er dir seine Berufung für dein Leben zuspricht.

Vertraue darauf, dass eure gemeinsame Geschichte noch nicht zu Ende ist, auch wenn es Zeiten der Krise und Entfremdung gab, Zeiten der Scham, wie bei Petrus und Zeiten, in denen du vielleicht Jahre und Jahrzehnte keinen richtigen Platz mehr für ihn in deinem Leben hattest.

Jetzt ist die Zeit, die Augen zu öffnen und nach ihm Ausschau zu halten. Jetzt ist die Zeit, um sich von ihm beschenken zu lassen mit Gnade, mit Vergebung, mit Liebe und einem Platz an seinem Tisch. Amen