Orgelvorspiel aus der Markuskirche in Pforzheim

Corelli - Sonate in F-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 449,1-3(Die güldene Sonne voll Freud und Wonne)

1) Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne, die Finsternis weicht. Der Morgen sich zeiget, die Röte aufsteiget, der Monde verbleicht.

2) Nun sollen wir loben den Höchsten dort oben, dass er uns die Nacht hat wollen behüten vor Schrecken und Wüten der höllischen Macht.

3) Kommt, lasset uns singen, die Stimmen erschwingen, zu danken dem Herrn. Ei bittet und flehet, dass er uns beistehet und weiche nicht fern.

Psalm: Psalm 27 (EG 713)

Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: dass ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.

HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!

Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN! (Psalm 27,1.4.5.7-10.13-14)

Gebet:

Herr Jesus Christus, wir feiern diesen Gottesdienst in deinem Namen. Wir feiern, dass du mitten unter uns bist. Doch manchmal können wir deine Gegenwart nicht wahrnehmen, nicht spüren. Da warten wir auf dich und hoffen, dass wir dir auf eine neue und viel umfassendere Weise begegnen können, als wir uns das jetzt vorstellen können. Herr, wir warten auf unser ganz persönliches Pfingstfest, auf deine Gegenwart im Heiligen Geist, der uns führt und uns den richtigen Weg zeigt. Schenke uns deinen Geist, deinen Frieden und deine Liebe. Alles, was uns dabei hindert, ganz bei dir zu sein, nimm von uns. Höre, was wir dir in der Stille noch ganz persönlich sagen wollen: - Gebetsstille - Amen

Zuspruch:

Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. (2. Korinther 12,9)

Lesung: Jeremia 31,31-34 (GNB)

31 »Gebt Acht!«, sagt der Herr. »Die Zeit kommt, da werde ich mit dem Volk von Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließen. 32 Er wird nicht dem Bund gleichen, den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten herausführte. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihnen doch ein guter Herr gewesen war. 33 Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließen will, wird völlig anders sein: Ich werde ihnen mein Gesetz nicht auf Steintafeln, sondern in Herz und Gewissen schreiben. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein«, sagt der Herr. 34 »Niemand muss dann noch seinen Nachbarn belehren oder zu seinem Bruder sagen: ›Lerne den Herrn kennen!‹ Denn alle werden dann wissen, wer ich bin, von den Geringsten bis zu den Vornehmsten. Das sage ich, der Herr. Ich will ihnen ihren Ungehorsam vergeben und nie mehr an ihre Schuld denken.«

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 123,1-2.4.6(Jesus Christus herrscht als König)

1) Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.

2) Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.

4) Gleicher Macht und gleicher Ehren sitzt er unter lichten Chören über allen Cherubim; in der Welt und Himmel Enden hat er alles in den Händen, denn der Vater gab es ihm.

6) Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine, die ihn ehrt als teures Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, mit dem Geiste sie getaufet, und sie lebet, weil sie glaubt.

Predigt zu Johannes 7,37-39

Lied: NL 68,1-4(Lobe den Herrn meine Seele)

Kanon (wird nach jeder Strophe wiederholt)

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, loben den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Fürbittengebet:

Allmächtiger Gott, kaum eine Woche vergeht ohne neue Schlagzeilen, ohne neue Krisenherde und Katastrophen. Heute wollen wir dich für die Situation im nahen Osten bitten. Du siehst die Gewalt und den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis. Du siehst die Opfer auf beiden Seiten. Wir bitten dich: Mache du der Gewalt ein Ende. Schenke beiden Parteien Besonnenheit und ein echtes Bemühen um eine friedliche Lösung des Konfliktes.

Barmherziger Gott, stehe du auch deinem jüdischen Volk bei uns in Deutschland wie auch im Rest der Welt bei. Bewahre sie vor Anfeindungen und einem Erstarken des Antisemitismus. Mach uns sensibel für judenfeindliche Äußerungen in unserem Umfeld und schenke uns dann den Mut und die Courage für die Juden in unserem Land einzustehen. Erinnere uns Christen daran, dass du auch heute noch deine Geschichte mit dem Volk Israel schreibst und dass Jesus auch ein Teil dieses Volkes wurde.

Gütiger Gott, wir bitten dich auch für die Palästinenser, die unter Unrecht und wirtschaftlicher Knechtschaft zu leiden haben. Du siehst, wie sie sich nach einer Heimat und einem Staat sehnen, in dem sie ein Leben in Frieden und Freiheit führen können. Herr erbarme dich auch hier und hilf dabei, eine Lösung für diesen ewigen Konflikt im nahen Osten zu finden.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 347,1-4(Ach bleib mit deiner Gnade)

1) Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

2) Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.

3) Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.

4) Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Wochenspruch:

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Johannes 12,32)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich:

Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Kraft und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Orgelnachspiel aus der Markuskirche in Pforzheim

Leclair - Aria

Quelle: https://img.fotocommunity.com/das-brunnenhaus-maulbronn-ea0874c9-914d-4eb4-9d10-26c26e11360c.jpg?height=1080

EG 449,1-3 (Die güldene Sonne voll Freud und Wonne)

EG 123,1-2.4.6

NL 68,1-4 (Lobe den Herrn meine Seele)

EG 347,1-4 (Ach bleib mit deiner Gnade)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, zehn Tage dauert die Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Zehn Tage, in denen die Jünger Jesu in Jerusalem festsaßen und warteten. Die Bibel berichtet nichts von jener geheimnisvollen himmlischen Wiedervereinigung von Gott, dem Vater, mit seinem Sohn Jesus Christus. Es muss ein überwältigender Augenblick gewesen sein, der in krassem Gegensatz zu dem stand, was die Jünger in diesen zehn Tagen erlebten. Sie hatten die Freude und den Frieden gehabt, dass Jesus lebt. Doch jetzt war er nicht mehr da, konnte sich ihnen nicht mehr zeigen. Ein Gefühl der Verlassenheit wird sich bei dem einen oder anderem eingestellt haben. Sie nutzen die Zeit, um die Lücke zu schließen, die Judas hinterlassen hat, indem sie Matthias zum zwölften Apostel nachwählten.

Warten auf etwas, von dem man gar nicht so genau weiß, worum es sich eigentlich handelt, ist nicht leicht. In der Phantasie malt man sich etwas aus und hat zugleich Angst davor, dass einen die Realität dann enttäuschen könnte. So geht es sicherlich auch heute vielen Christen, die auf den Heiligen Geist warten.

Der heutige Predigttext geht auf diese Zeit des Wartens und der damit verbundenen Unsicherheit ein, indem er ein Wort Jesu aufgreift, das dieser am Ende des Laubhüttenfestes in Jerusalem an die feiernde Menge richtete. Ich lese aus dem Johannesevangelium, Kapitel 7, die Verse 37 bis 39:

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! 38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen. 39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Auch in diesen Tagen des Jahres 2021 sind wieder einmal alle Augen auf Jerusalem gerichtet, wieder bietet ein Fest Anlass für heftige Reaktionen. Vor einer Woche begingen die Muslime das Ende des Ramadan und die Juden feierten am Montag ihren Jerusalemtag, der an die Wiedervereinigung Jerusalems nach dem Sechstagekrieg von 1967 erinnert. Was mit punktuellen Zusammenstößen in Jerusalem begann, entwickelt sich derzeit zu einem neuen Flächenbrand im nahen Osten, der seine Auswirkungen sogar bis zu uns hat. Antisemitische Demonstrationen und Gegendemonstrationen fanden die letzten Tage an verschiedenen Orten in Deutschland statt. Es gärt. Ein Geist des Hasses, der Gewalt und der Verzweiflung macht sich auf beiden Seiten breit.

Würde Jesus sich heute unter die Demonstranten in Jerusalem mischen und ihnen dieselben Worte wie damals am Ende des Laubhüttenfestes sagen, dann würde er vermutlich wenig Verständnis ernten: Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken – jeder, der mir vertraut!

Und dabei ist der Durst so offensichtlich, der Durst nach Gerechtigkeit, nach einer Heimat und Perspektive für die Palästinenser, der Durst der Juden nach einem Leben in Sicherheit, letztlich der Durst auf beiden Seiten nach Frieden, nach Angenommensein und geliebt werden.

Als Christen sollten wir diesen Durst nur allzu gut kennen und wir sollten den kennen, der uns diesen Durst stillen will und kann: Jesus! Wie erhalten wir dieses durststillende Wasser? Das sagt der Predigttext: Sein lebendig machendes Wasser ist der Heilige Geist. Mit diesem Geist dürfen wir uns erfüllen lassen.

Doch die Gabe des Heiligen Geistes kann man nicht in Flaschen füllen und an Bedürftige verteilen. Dieser Heilige Geist bleibt unverfügbar und muss einem von Gott aus freien Stücken geschenkt werden.

Es ist spannend, dass einem der Heilige Geist an unzähligen Stellen der Bibel begegnet, dass er schon immer präsent ist. An vielen Stellen im Alten Testament wird vom Wirken des Heiligen Geistes berichtet. Schon bei der Schöpfung „schwebte er über den Wassern“. Gott gab ihn einzelnen auserwählten Menschen und begabte sie durch ihn: Gideon und Simson, die Propheten Jesaja und Hesekiel und viele weitere Menschen.

Im Fall der Jünger jedoch kommt der Heilige Geist erst nach der Aufnahme Jesu in Gottes Herrlichkeit, also nach der Wiedervereinigung von Gott, dem Vater, mit Gott, dem Sohn, zu ihnen. Warum ist das so? Warum ist diese Himmelfahrt im Vorfeld so wichtig?

Jesus muss erst die räumliche Trennung von seinem himmlischen Vater überwinden. Er muss wieder ganz am Herzen des Vaters seinen Platz einnehmen, um von dort mit ihm zusammen zu regieren und den Lauf dieser Welt zu beeinflussen. Gott in seiner Trinität ist in tiefsten Sinn die Beziehung zwischen Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Durch den Heiligen Geist werden wir in dieses Beziehungsgeschehen mit hineingenommen, zieht Gott in unser Leben ein.

Dass die Jünger gemeinsam in Jerusalem auf die Ausgießung des Heiligen Geistes warten sollten, musste etwas mit dem engen Band zu tun haben, dass Jesus durch den Heiligen Geist mit seiner Gemeinde, seiner Braut, seinem irdischen Leib verbindet. Nicht umsonst befahl er seinen Jüngern, dass sie an einem Ort zusammenbleiben sollten. Die leibliche Gemeinschaft der Jünger soll zur geistlichen Gemeinschaft genau dieser Jünger führen, bei der sie gemeinsam die Ausgießung des Heiligen Geistes erleben. Jesus sagte bereits zuvor zu seinen Jüngern: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen. (Matthäus 18,20)

Das ist es auch, was uns als Gemeinde in der Coronazeit so herausfordert: Was ist, wenn die leibliche Gemeinschaft einer virtuellen und digitalen Gemeinschaft Platz machen muss – zumindest zeitweise? Stirbt mit dem Ausbleiben der leiblichen Gemeinschaft auch irgendwann die geistliche Gemeinschaft? Gott sei Dank muss das nicht der Fall sein! Gottes Heiliger Geist kann auch durch Zoom oder diesen Hausgottesdienst seine Kraft entfalten.

Mit der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten in Jerusalem wird die Kirche als der neue Leib Christi in unserer Welt geboren. Und mit der Ausgießung seines Heiligen Geistes baut Jesus auch unter uns seine Gemeinde. Jeder, der mit dem Heiligen Geist erfüllt wird, ist automatisch Teil der Gemeinde Jesu Christi. Der Heilige Geist führt uns zusammen und wo der Heilige Geist fehlt, da bricht die Gemeinde auseinander und wird zerstreut.

Jesus verheißt allen, die an ihn glauben und die mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, dass von ihnen Ströme lebendigen Wassers fließen werden.

Glaubst Du an Jesus, an das, was die Bibel von ihm bezeugt? Fließen von deinem Leib Ströme lebendigen Wassers? Ich persönlich kenne oft das Gegenteil: Da fühle ich mich geistlich leer und vertrocknet. Wie verkrampft ist mein Christsein, wenn es nur noch darin besteht, irgendwelche Erwartungen und Vorstellungen zu erfüllen, die ich mir vom Christsein mache? Wie anziehend bin ich, wie anziehend sind wir als Gemeinde, wenn wir nur noch unsere eigenen Ideen von Christsein und Gemeinde verkörpern, anstatt den lebendigen Jesus, der uns mit seinen Ideen und Wegführungen immer wieder von neuem inspiriert?

Wir können nur das weitergeben, was wir vorher auch selbst empfangen haben. Wir können nur die geistlichen Erfahrungen und die Freude an Gott und seinem Sohn Jesus Christus weitergeben, die wir zuvor selbst geschenkt bekommen haben. Wir können nur weitergeben, was wir selbst zuvor erhalten haben. An diese einfache aber unendlich wichtige geistliche Wahrheit erinnert uns der Brunnen im Brunnenhaus des Klosters Maulbronn, dessen Bild es mit seinen drei Schalen sogar bis auf die 2 Euro Münzen geschafft hat. In diesem Brunnen läuft das Wasser von oben nach unten durch Schalen. Wenn die oberste Schale gefüllt ist, läuft das Wasser in die nächste. So ist dies auch bei uns: Erst wenn die Schale meines Lebens bis an den Rand gefüllt ist, kann ich überfließen und dieses lebendige Wasser weitergeben. Das mir von Gott geschenkte Lebenswasser wird so zum Lebenswasser meines Nächsten.

Auch Jesus hatte immer wieder Zeiten, in denen er sich zurückzog und sich neu von der Gegenwart seines himmlischen Vaters erfüllen ließ. Und als er nun mit seiner Himmelfahrt zu ihm zurückkehrte, konnte er sich in einem so umfassenden Sinn von seinem Vater erfüllen lassen, dass diese Fülle in Form des heiligen Geistes bis auf unsere Erde herabtropft und gelegentlich sogar in Strömen fließt.

Ich hoffe du bist schon einmal einem Menschen begegnet, von dessen Leib Ströme des lebendigen Wassers geflossen sind. Einem Menschen, in dessen Gegenwart du dich sicher und geborgen gefühlt hast. Einem Menschen, der dich nicht runtergezogen hat, sondern der dein Herz und deinen Sinn zum Schwingen gebracht hat. Einem Menschen, der sich nicht auf Kosten anderer profilieren musste, sondern der eine natürliche und von Gott gegeben Autorität hatte. Einem Menschen, der für dich ein Stück Himmel auf Erden war oder ist und mit dem du für immer verbunden sein möchtest. Dankbar dürfen wir sein, wenn wir solche Menschen in unserem Leben haben. Sie sind ein Geschenk. Zugleich gibt es Bedürfnisse in unserem Leben, die sie nicht erfüllen können. Nicht an allem lassen wir sie teilhaben. Nicht immer reicht ihre Kraft für unsere Nöte.

Der einzige Mensch, der auch unsere tiefsten Bedürfnisse stillen kann, war und ist der Mensch Jesus. Dieser wahre Mensch und wahre Gott Jesus ist durch seinen Heiligen Geist auch heute in den Herzen unzähliger Menschen präsent. Es sind Menschen, die sich nicht vom Hass und der Gewalt anstecken lassen, welche uns die Bilder der Medien zeigen. Es sind Menschen, die Gott im Angesicht des Leides und Elends dieser Welt dennoch loben und preisen können, weil sie wissen, dass Gott durch seinen Sohn Jesus dieses Leid auf seine Schultern genommen und am eigenen Leibe ertragen hat.

In dieser coronaverrückten Zeit gibt es viele Möglichkeiten, um sein „Lebenswasser“ des Heiligen Geistes zu teilen. Es reicht, wenn wir anderen fröhlich Zeugnis davon geben, was wir mit Gott im Laufe der Woche erlebt haben. Wenn wir die Dinge, die wir gerne als merkwürdigen Zufall abtun, als etwas erkennen, durch das sich der Heilige Geist uns mitteilen möchte. Dabei würden wir dann vielleicht auch merken, dass Gott in unserer Gemeinde viel mehr am Wirken ist, als wir gedacht hätten. Lasst es uns probieren. Haltet die Ströme des lebendigen Wassers nicht länger zurück, teilt sie mit anderen und erlebt dadurch, wie Jesus durch seinen Heiligen Geist mitten unter uns ist. Amen