Orgelvorspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbron

J.S. Bach 1. Satz aus der Sonate G-dur für Violine und Orgel, gespielt von Martina und Wolfgang Bürck

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 65,1-2.5-6 (Von guten Mächten treu und still umgeben)

1) Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2) Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

5) Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

6) Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Psalm: Psalm 90 (EG 746)

Herr, du bist unsre Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

Denn tausend Jahre sind vor dir / wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, sie sind wie ein Schlaf, wie ein Gras, das am Morgen noch sprosst, und des Abends welkt und verdorrt.

Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen.

Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht.

Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

Wer glaubt's aber, dass du so sehr zürnest, und wer fürchtet sich vor dir in deinem Grimm?

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

HERR, kehre dich doch endlich wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!

Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.

Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Herrlichkeit ihren Kindern.

Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unsrer Hände bei uns. Ja, das Werk unsrer Hände wollest du fördern!

(Psalm 90,1-5.6b-17)

Gebet:

Allmächtiger Gott, du bist der Schöpfer unseres Lebens wie auch der Welt, in der wir leben. Wir wissen:

Diese Welt wird vergehen und wir mit ihr. Wir wissen aber auch, dass du in Christus deine neue Schöpfung begonnen hast. Unser Leben ist in Christus. Daraus wollen wir heute Kraft und Lebensmut schöpfen. Erhalte uns in dieser Zuversicht, bis Jesus kommt und wir dann mit ihm das Fest des Lebens feiern, mit ihm, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

(Raum für ein persönliches Gebet)

Herr, dir sei Lob und Ehre, in Ewigkeit, Amen

Zuspruch:

Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

(Johannes 11,24-25)

Lesung: Johannes 5,24-29 24

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. 25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten hören werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie hören, die werden leben. 26 Denn wie der Vater das Leben hat in sich selber, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben zu haben in sich selber; 27 und er hat ihm Vollmacht gegeben, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. 28 Wundert euch darüber nicht. Es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören werden, 29 und es werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 526,1-3.7 (Jesus, meine Zuversicht)

1) Jesus, meine Zuversicht / und mein Heiland, ist im Leben. / Dieses weiß ich; sollt ich nicht / darum mich zufrieden geben, / was die lange Todesnacht /mir auch für Gedanken macht?

2) Jesus, er mein Heiland, lebt; / ich werd auch das Leben schauen, / sein, wo mein Erlöser schwebt. / Warum sollte mir denn grauen? / Lässet auch ein Haupt sein Glied, / welches es nicht nach sich zieht?

3) Ich bin durch der Hoffnung Band / zu genau mit ihm verbunden, / meine starke Glaubenshand / wird in ihn gelegt befunden, / dass mich auch kein Todesbann / ewig von ihm trennen kann.

7) Seid getrost und hocherfreut, / Jesus trägt euch, seine Glieder. / Gebt nicht statt der Traurigkeit: / Sterbt ihr, Christus ruft euch wieder, / wenn die letzt Posaun erklingt, / die auch durch die Gräber dringt.

Predigt zu 1. Korinther 15,35-38.42-44a

Lied: EG 398,1-2 (In dir ist Freude in allem Leide)

1) In dir ist Freude in allem Leide, /o du süßer Jesu Christ! / Durch dich wir haben himmlische Gaben, /du der wahre Heiland bist; / hilfest von Schanden, rettest von Banden. / Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, / wird ewig bleiben. Halleluja. Zu deiner Güte steht unser G'müte, / an dir wir kleben im Tod und Leben; / nichts kann uns scheiden. Halleluja.

2) Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden / Teufel, Welt, Sünd oder Tod; / du hast's in Händen, kannst alles wenden, / wie nur heißen mag die Not. / Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren / mit hellem Schalle, freuen uns alle / zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren und triumphieren, / lieben und loben dein Macht dort droben / mit Herz und Munde. Halleluja.

Fürbittengebet:

Herr, unser Gott, unser Kirchjahr geht zu Ende. Es war ein verrücktes Kirchenjahr, bei dem ab März nichts mehr so war, wie wir es gewohnt waren. Für vieles mussten wir neue Wege und Formen finden. Doch der Inhalt deiner guten Botschaft ist derselbe geblieben. An deinen Zusagen hat sich nichts geändert.

Deiner Treue wollen wir heute die Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres anbefehlen. Du siehst ihren Lebensweg und ihr Ende. Du siehst aber auch alle, die um sie trauern, die ihren Platz im Leben neu finden müssen. Stehe ihnen bei. Schenke du ihnen Trost und Zuversicht, damit sie den Weg weitergehen können, auf dem du sie leiten willst.

Deiner Treue wollen wir auch uns als Gemeinde anbefehlen. Führe du uns durch diese bewegten Zeiten. Lass uns bei dir Ruhe und Kraft finden. Sei bei all unseren Gemeindegliedern, die jetzt durch Krankheit oder Unfall im Krankenhaus sind, die durch Alter und Gebrechlichkeit zuhause oder im Heim gepflegt werden müssen.

Deiner Treue befehlen wir diese Welt an, zu der du sprichst: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22)

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 376,1-3 (So nimm denn meine Hände)

1) So nimm denn meine Hände / und führe mich bis an mein selig Ende / und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, / nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, / da nimm mich mit.

2) In dein Erbarmen hülle / mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille / in Freud und Schmerz. Laß ruhn zu deinen Füßen / dein armes Kind: es will die Augen schließen / und glauben blind.

3) Wenn ich auch gleich nichts fühle / von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele / auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände / und führe mich bis an mein selig Ende / und ewiglich!

Wochenspruch:

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.

(Psalm 90,12)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Kraft und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Orgelnachspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

J.S. Bach "Aria" aus den Goldbergvariationen in einem Arrangement für Violine und Orgel, gespielt von Martina und Wolfgang Bürck

Friedhof in Hamberg

EG 65,1-2.5-6 - Von guten Mächten wunderbar geborgen

EG 526,1-3.7 - Jesus, meine Zuversicht

EG 398,1-2 - In dir ist Freude in allem Leide

EG 376,1-3 - So nimm denn meine Hände

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, der heutige Gottesdienst trägt eine gewisse Endzeitstimmung. Am Toten- oder Ewigkeitssonntag blicken wir auf die Verstorbenen des nun zu Ende gehenden Kirchenjahres. Mit dem Tod dieser Menschen wird unser Blick zugleich auch auf unseren eigenen Tod gewendet. Dabei stellen wir uns vielleicht auch die Frage: Was wird kommen, wenn wir gestorben sind. Was wird sein, wenn unsere irdische Lebenszeit zu Ende ist?

Auch der Apostel Paulus wurde von Gemeindegliedern mit dieser Frage konfrontiert. In unserem Predigttext hören wir die Antwort, die er den Menschen in Korinth, im ersten Korintherbrief, Kapitel 15 gab:

35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. […] 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.

Liebe Gemeinde, unserer Vorstellungskraft sind Grenzen gesetzt. Das betrifft auch unsere Vorstellungskraft bezüglich unseres Weiterlebens nach dem Tod. Wie sollen wir uns im Anblick einer verwesenden Leiche die leibliche Auferstehung genau dieses Menschen vorstellen? Im Kern geht es dabei um die Frage nach der Kontinuität bzw. Diskontinuität unserer Person mit ihrer ganz eigenen Persönlichkeit, mit all ihren Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen.

In meinen Trauergesprächen begegnet mir auf die Frage „Glauben sie an ein Leben nach dem Tod?“ ganz häufig ein Achselzucken. Vor allem Männer, so mein Eindruck, tun sich mit dieser Frage häufig schwer, weil es hier um etwas geht, was man nicht greifen, sich nicht vorstellen kann. Fragt man weiter: Würden sie sich ein Leben nach dem Tod wünschen? Erhält man dann oft ganz andere Antworten: Ja, das wäre schon schön. Die Frage nach einem Leben nach dem Tod scheint im Widerstreit zwischen Kopf und Herz zu stehen. Der Kopf sagt nein, das Herz sagt ja. Manche stellen sich das Leben nach dem Tod dabei vielleicht als eine Fortsetzung des irdischen Lebens vor, nach dem Motto: Die Party geht weiter. Andere stellen sich ein ewiges Leben recht langweilig vor, erst recht, wenn man dann als Harfe spielender Engel die ganze Zeit auf einer Wolke rumsitzen müsste. Aber sowohl zum Party machen wie auch zum Harfe spielen braucht man vor allem eines: einen Körper.

Wie sieht es bei dir aus? Was sagen dein Kopf und dein Verstand zu der Frage nach der leiblichen Auferstehung der Toten?

Mit seiner Antwort möchte Paulus unserem Verstand entgegenkommen. Er sucht nach etwas, was wir verstehen und nachvollziehen können. Ein Weizenkorn ist so etwas. Tot und leblos liegt es in der Hand des Sämanns. Er säht es aufs Feld und beerdigt es. In der Erde findet eine geheimnisvolle Verwandlung statt. Die ursprüngliche Gestalt des Weizenkorns stirbt, indem es seine Form verändert und aufbricht. Wasser erweckt es zum Leben, setzt zusammen mit der Stärke in dem Korn einen Prozess in Gang, der den Trieb und damit die neue Pflanze hervorbringt. Paulus hätte dieses Bild noch weiter ausreizen können, z.B. indem er sie daran erinnert, dass dieser junge Trieb Wärme braucht und immer dem Licht entgegenstrebt, beides Dinge, die wir gerne auch mit Gott assoziieren.

Doch Paulus belässt es bei dem Bild des ersterbenden Samens in der Erde. Wir können uns nicht vorstellen, dass so ein toter, kleiner Same einmal eine große Pflanze bilden wird. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass aus einem winzigen Spermium mit der Länge von 60 Mikrometern – das sind 60 tausendstel Millimeter – und einer winzigen Eizelle mit einem Durchmesser von 0,1 mm mal das Ergebnis meines eigenen Leibes wurde. Hier kommt meine Vorstellungskraft absolut an ihre Grenze und trotzdem kann ich über das Ergebnis, nämlich meinen inzwischen ausgewachsenen Körper nur staunen.

Die Frage nach der leiblichen Auferstehung der Toten hat viel mit meiner Einstellung zu meinem eigenen Körper bzw. zur Körperlichkeit allgemein zu tun. Wenn ein alter Mensch stirbt, dessen Körper von vielerlei Gebrechen gekennzeichnet war, dann ist mir klar, dass so ein Körper nicht ewig weiterleben kann. Die Vorstellung, dass dieser alte Leib dann genau so, wie er zuletzt war vom Tode auferstehen und dann mit einem Rollator seine Runden durch den Himmel ziehen würde, ist schon verrückt. Anders ist es, wenn ein junger Mensch stirbt, mit makelloser Haut, sportlich und fit. So einen Körper assoziieren wir mit dem ewigen Leben, den würden wir gerne unsterblich machen. Mit Fitness und Kosmetik versuchen wir der Unsterblichkeit ein wenig nachzuhelfen, bis irgendwann dann doch die ersten Alterserscheinungen kommen.

Nein, der Himmel gleicht nicht einem gigantischen Fitnessstudio, in dem sich makellos durchtrainierte junge dynamische Typen tummeln. Begriffe wie jung und alt, hübsch und hässlich, fit und unfit verlieren dort ihre Bedeutung, weil Gott neue Maßstäbe setzt. Für ihn ist unser Körper nur das Gefäß für etwas viel kostbareres, nämlich unsere Seele.

Unser Körper dient unserer Seele als mobiles Eigenheim, er ist sozusagen das Automobil, mit dem wir uns durch die Welt bewegen, das wir abends im Bett einparken und am Mittagstisch betanken. Viele dieser Körpermobile dienen unserem schwachen Ego, indem wir uns über sie definieren und sie kräftig aufmotzen und tunen. Doch Gott geht es nicht um unser Körpermobil, Gott geht es um den Fahrer. Und dieser Fahrer ist unsere Seele, die so verletzlich ist, dass Airbags und Sicherheitsgurte allein nicht genügen, um sie auf Dauer vor einem tödlichen Unfall zu beschützen. Irgendwann muss unsere Seele umsteigen.

Wir wissen, dass Autos eine begrenzte Laufzeit haben. Irgendwann sind sie veraltet und ihre Materialien müssen zurück in die Rohstoffkette. Im Laufe der Zeit verändern sich auch die Materialien. Wo man früher rostenden, schweren Stahl gebrauchte, benutzt man heute leichte Glasfaserstoffe. Bei all dem Fortschritt der Technik und der Materialien übersieht man eines schnell: Der Zweck des Autos hat sich von der ersten motorgetriebenen Kutsche eines Carl Benz bis zum neusten Hightechauto nicht verändert: Es ist dazu da Menschen von A nach B zu bringen. Der Mensch ist nicht um des Autos willen da, sondern das Auto um des Menschen willen und so ist auch unsere Seele nicht um unseres Körpers willen da, sondern unser Körper um unserer Seele willen. Welche Materialien Gott dabei für unseren neuen Körper verwenden wird, ist absolut zweitrangig.

Das hinter dem Körpermobil stehende Konzept unserer Körperlichkeit ist vor, wie nach unserem Tod und unserer Auferstehung das gleiche, ganz einfach deshalb, weil dieses Konzept genial und gut ist und weil es von Anbeginn an der Idee Gottes entspringt!

Deswegen glauben wir als Christen auch nicht an Seelenwanderung, Wiedergeburt in dieser Welt oder an die esoterischen Ideen von Energiefeldern und ähnlichem. Wir sind von Gott als leibliche Wesen erschaffen und gewollt und deswegen werden wir auch nach unserem Tod als leibliche Wesen eine körperliche Neuschöpfung erleben. Unsere Seele ist dabei das, was die Kontinuität zwischen unserem bisherigen, irdischen Leben und dem zukünftigen, himmlischen Leben bildet. Doch diese Seele kann nicht losgelöst vom Geist Gottes existieren. Deswegen glauben wir, dass sich der Geist Gottes bereits schon in diesem Leben mit unserer Seele verbinden will. Darum geht es ja auch in der Taufe. Das ewige Leben beginnt im hier und jetzt, wo wir Gott in unser Körpermobil einsteigen und es von ihm segnen lassen.

Nicht das Wie der Auferstehung und des neuen Leibes ist dabei das Entscheidende, sondern das Dass der Auferstehung und des neuen Leibes. Wir dürfen uns überraschen lassen! Und eines dürfen wir von Gott bestimmt erwarten: in diesem neuen Körpermobil wird der Fahrspaß und Fahrtkomfort bestimmt nicht schlechter sein, als in unserem alten Körpermobil. Im Gegenteil, mit Gott am Steuer können wir dann erst so richtig loslegen. Amen