Orgelvorspiel aus der Altstadtkirche in Pforzheim

J.S. Bach - Komm, Gott Schöpfer

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 136,1-3(O komm, du Geist der Wahrheit)

1) O komm, du Geist der Wahrheit, / und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, / verbanne Trug und Schein. Gieß aus dein heilig Feuer, / rühr Herz und Lippen an, dass jeglicher getreuer / den Herrn bekennen kann.

2) O du, den unser größter / Regent uns zugesagt: komm zu uns, werter Tröster, / und mach uns unverzagt. Gib uns in dieser schlaffen / und glaubensarmen Zeit die scharf geschliffnen Waffen / der ersten Christenheit.

3) Unglaub und Torheit brüsten / sich frecher jetzt als je; darum musst du uns rüsten / mit Waffen aus der Höh. Du musst uns Kraft verleihen, / Geduld und Glaubenstreu und musst uns ganz befreien / von aller Menschenscheu.

Psalm: Psalm 118.II

Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

(Psalm 118,24-29 )

Gebet:

Herr, unser Gott, wir danken dir für dieses Pfingstfest. Wir danken dir, dass du uns durch deinen Heiligen Geist wieder nahegekommen bist. Verbinde uns, die wir diesen Gottesdienst jetzt an ganz unterschiedlichen Orten miteinander feiern, durch deinen Geist. Zeige uns, wo Dinge in unserem Leben im Argen liegen und worüber du dabei mit uns sprechen möchtest.

- Gebetsstille -

Herr erbarme dich über uns und schenke uns deinen Frieden. Amen

Zuspruch:

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Johannes 4,24)

Lesung: Johannes 14,15-19.23b-27

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben. […] Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. 27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel (EG 882):

Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, christliche und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

Lied: NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

Herr, ich komme zu dir, und ich steh' vor dir, so wie ich bin. Alles was mich bewegt, lege ich vor dich hin.

Herr, ich komme zu dir, und ich schütte mein Herz bei dir aus. Was mich hindert, ganz bei dir zu sein räume aus!

Meine Sorgen sind dir nicht verborgen, du wirst sorgen für mich. Voll Vertrauen will ich auf dich schauen. Herr, ich baue auf Dich!

Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz. Lege ein neues Lied in meinen Mund. Fülle mich neu mit deinem Geist, denn du bewirkst dein Lob in mir.

Predigt zu 1. Mose 11,1-9

Lied: EG 262,1-3(Sonne der Gerechtigkeit)

1) Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann. Erbarm dich, Herr.

2) Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit; mache deinen Ruhm bekannt überall im ganzen Land. Erbarm dich, Herr.

3) Schaue die Zertrennung an, der kein Mensch sonst wehren kann; sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm dich, Herr.

4) Tu der Völker Türen auf; deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht. Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm dich, Herr.

Fürbittengebet:

Herr wir bitten dich um deinen Heiligen Geist. Erfülle uns mit ihm und hilf uns dabei mit seiner Kraft dein Reich unter uns zu bauen.

Wir bitten dich für das Zusammenleben der Völker auf dieser Welt: Schenke uns deinen Geist, der uns zusammenführt, statt uns zu trennen. Schenke uns die Gabe der Liebe und der gegenseitigen Wertschätzung.

Wir bitten dich für den Gebrauch unserer menschlichen Sprache: Hilf uns unsere Worte weise und mit Bedacht zu wählen. Bewahre uns davor, unsere Sprache als Waffe zu gebrauchen um andere klein zu machen.

Wir bitten Dich, bewahre uns vor dem Hochmut, alles schon erkannt zu haben und besser zu wissen. Hilf uns, dass uns in dieser Zeit das Rechthaben nicht entzweit.

Wir bitten Dich für die technischen Errungenschaften und wissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Zeit: Lass sie uns zum Segen der Menschheit und deiner Schöpfung gebrauchen.

Wir bitten Dich für deine weltweite Kirche: Hilf uns die Zeichen der Zeit zu erkennen und die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Sei du der Herr und Steuermann deiner Kirche. Lass uns das suchen, was uns verbindet statt uns zu trennen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 610,1-3(Herr, wir bitten: Komm und segne uns)

Refrain (vor jeder Strophe):

Herr, wir bitten: Komm und segne uns; lege auf uns deinen Frieden. Segnend halte Hände über uns. Rühr uns an mit deiner Kraft.

1) In die Nacht der Welt hast du uns gestellt, deine Freude auszubreiten. In der Traurigkeit, mitten in dem Leid, lass uns deine Boten sein.

2) In den Streit der Welt hast du uns gestellt, deinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind, deinem Wort Vertrauen schenkt.

3) In das Leid der Welt hast du uns gestellt, deine Liebe zu bezeugen. Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn, bis wir dich im Lichte sehn.

Wochenspruch:

Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. (Sacharja 4,6b)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Woche deinen Frieden, deine Liebe und deinen Segen und so sprechen wir im Vertrauen auf Dich:

Der Herr segne uns und behüte uns, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns seinen Frieden. So segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen

Orgelnachspiel aus der Altstadtkirche in Pforzheim

J.G. Walther - Lobe den Herren

(Marijke ten Kart: Das Pfingstwunder, aus: Die große Bibel für Kinder)

EG 136,1-3

NL 51 (Herr, ich komme zu dir)

EG 262,1-3 (Sonne der Gerechtigkeit)

EG 610,1-3 (Herr wir bitten: Komm und segne uns)

Hörpredigt

Lesepredigt

Pfingsten – liebe Gemeinde, das hört sich nach Ferien an. Viele Familien bei uns freuen sich auf zwei Wochen Pfingstferien. Zwei Wochen das Thema Schule ausblenden, zwei Wochen, um mal wieder auf andere Gedanken zu kommen. Pfingsten 2021 bedeutet aber auch ein Tapetenwechsel unter erschwerten Bedingungen. Reisen in Coronazeiten ist ein nervenaufreibendes Abenteuer. Ferne Länder, fremde Sprachen und Kulturen – da müssen wir uns wohl noch ein wenig gedulden, bis das wieder ohne Probleme möglich wird. Ferne Länder und fremde Sprachen haben mehr mit Pfingsten zu tun, als uns das bewusst sein dürfte. Lesen wir den Bericht über das erste Pfingstfest 50 Tage nach Ostern in Jerusalem, dann war es dieses Ereignis, bei dem der heilige Geist die Trennung der Sprachen überwand. Die Jünger konnten auf einmal in fremden Sprachen das Evangelium von Jesus Christus verkündigen. Nun konnten sie in fremde Länder aufbrechen, um den Menschen dort in ihrer Sprache die gute Nachricht von Jesus zu verkünden.

An Pfingsten begann Gott eine Wunde zu heilen, die tief im Bewusstsein der Menschheit verankert ist: Das Getrenntsein durch Sprache, Kultur und Herkunft. Im Urlaub oder auch in jedem Staunen über das Andersartige genießen wir diese Vielfalt als Bereicherung. Im alltägliche Zusammenleben der Kulturen führt dieses Anderssein nicht selten zu Berührungsängsten, Missverständnissen und nicht selten gewalttätigen Auseinandersetzungen. Es geht nicht um das Ausräumen der Unterschiede, der Vielfalt, sondern um die gelingende Verständigung.

Der Predigttext für dieses Pfingstfest führt uns an den Punkt der Menschheitsgeschichte, an dem die Trennung begann, an den Punkt, an dem das auseinanderbrach, was wir seither mühsam wieder zu überwinden versuchen – sei es in der Urlaubsbegegnung oder im alltäglichen Zusammenleben. Wir hören den Predigttext aus 1. Mose 11,1-9, den Bericht über den Turmbau zu Babel:

1 Die Menschen hatten damals noch alle dieselbe Sprache und gebrauchten dieselben Wörter. 2 Als sie nun von Osten aufbrachen, kamen sie in eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. 3 Sie sagten zueinander: »Ans Werk! Wir machen Ziegel aus Lehm und brennen sie!« Sie wollten die Ziegel als Bausteine verwenden und Asphalt als Mörtel. 4 Sie sagten: »Ans Werk! Wir bauen uns eine Stadt mit einem Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann wird unser Name in aller Welt berühmt. Dieses Bauwerk wird uns zusammenhalten, sodass wir nicht über die ganze Erde zerstreut werden.« 5 Da kam der Herr vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten. 6 Als er alles gesehen hatte, sagte er: »Wohin wird das noch führen? Sie sind ein einziges Volk und sprechen alle dieselbe Sprache. Wenn sie diesen Bau vollenden, wird ihnen nichts mehr unmöglich sein. Sie werden alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.« 7 Und dann sagte er: »Ans Werk! Wir steigen hinab und verwirren ihre Sprache, damit niemand mehr den anderen versteht!« 8 So zerstreute der Herr sie über die ganze Erde und sie konnten die Stadt nicht weiterbauen. 9 Darum heißt diese Stadt Babel, denn dort hat der Herr die Sprache der Menschen verwirrt und von dort aus die Menschheit über die ganze Erde zerstreut.

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel führt uns sehr anschaulich vor Augen, was wir Menschen tagtäglich immer wieder im Kleinen und Großen erleben können. Menschen versuchen sich Denkmäler zu errichten, die sie über ihre Bedeutungslosigkeit hinwegtäuschen und trösten sollen. Wenn wir Menschen schon vergänglich sind, so soll doch zumindest das Werk unserer Hände Bestand haben und uns ein Denkmal setzen. Der Fortschritt wird von dem Gedanken beseelt, dass wir Menschen unseres eigenen Glückes Schmied sind und letztlich alle Probleme und Herausforderungen über kurz oder lang meistern können. Doch dient dieser Fortschritt immer guten und edlen Zielen?

Man kann den Text auch so lesen, dass Gott die Menschen damit vor sich selbst schützen wollte. Hätten sie alle eine Sprache und ein gemeinsames Ziel, dann hätte dies vielleicht schon vor langer Zeit das Ende unserer Welt mit sich gebracht, wenn es das falsche Ziel gewesen wäre: Wohlstand für alle auf Kosten der Natur und ihrer Ressourcen. Frieden auf Erden auf Kosten derer, die diesem Frieden im Weg stehen.

Gott weiß: Wenn der Mensch sich eigene Ziele steckt, die nicht seiner von Gott gegebenen Bestimmung entsprechen, dann kann daraus nichts Gutes entstehen. Dann führt jedes dieser Ziele letztendlich in die Katastrophe.

Seit dem Turmbau zu Babel ist viel Zeit vergangen und entweder versuchen Menschen seither die Gräben zwischen Völker und ethnischen Gruppen noch zu vertiefen, oder aber sie arbeiten daran, sie mühsam zu überwinden. Das 20 Jahrhundert wurde nicht zuletzt auch aufgrund der Erfahrung zweier Weltkriege zum Zeitalter der Globalisierung. Probleme können nicht mehr nur regional gelöst werden, sondern müssen durch das konstruktive Zusammenarbeiten der Staatengemeinschaft angegangen werden. Die Gründung der Uno im Juni 1945 ist hierfür einer der Meilensteine. Corona wie auch der Klimawandel führen uns mit aller Deutlichkeit vor Augen, dass wir Menschen alle im selben Boot sitzen.

Doch wir sprechen nicht alle dieselbe Sprache. Wissenschaftler und Politiker widersprechen sich in ihrer Deutung der Geschehnisse. Worte und Argumente werden als Waffen benutzt um zu polarisieren und die Gegenseite zu besiegen. Das Problem sind nicht die unzähligen Sprachen und Dialekte auf dieser Welt. Das Problem ist die Sprache des Herzens, die die Menschheit trennt und spaltet. Wo das Herz eines Menschen dunkel ist, da sind auch seine Gedanken, seine Taten und Absichten dunkel.

An Pfingsten beginnt Gott das Blatt zu wenden. Er sendet seinen Heiligen Geist allen, die sich für ihn und seine Gegenwart öffnen, allen, die ihn um diesen Geist bitten. Gottes Heiliger Geist schenkt den Menschen ein neues Herz und ein neues Ziel. Der Heilige Geist verbindet, statt zu trennen. Er überwindet die Grenzen von Sprachen und Kulturen, weil er uns an den einen bindet, von dem wir alle unser Leben geschenkt bekommen haben: Gott, unseren Schöpfer.

Die Menschen aus der Turmbaugeschichte wollten mit Gott konkurrieren, sie wollten mit ihm auf Augenhöhe sein. Doch ihre Herzenshaltung hat nicht gestimmt. Sie wollten ihren Turm nicht aus Liebe zu ihm bis in den Himmel bauen, sondern aus Überheblichkeit.

Wie reagiert Gott auf diese Anmaßung und hoffnungslose Selbstüberschätzung?

5 Da kam der Herr vom Himmel herab, um die Stadt und den Turm anzusehen, die sie bauten. 6 Als er alles gesehen hatte, sagte er: »Wohin wird das noch führen? – In seiner Weisheit weiß Gott, dass dieser menschliche Plan nicht aufgehen wird. Ohne ihn und ohne seinen Segen wird die Menschheit an sich selbst scheitern.

Viele Jahre später kommt Gott wieder vom Himmel herab in Gestalt seines Sohnes Jesus Christus. Hier begibt er sich wirklich auf die Augenhöhe seiner Menschen, indem er mit ihnen auf das schaut, was wir gerne vor Gott verbergen würden: Unsere Schwachheit, unsere Ohnmacht, unsere Schuld. Jesus ist weniger an der babylonischen Turmdenkmälern interessiert, als vielmehr an den Arbeitern, die diese im Schweiße ihres Angesichtes erbauen. Wir Menschen brauchen uns keine Denkmäler zu errichten, weil Gott an uns denkt und sich immer an uns erinnern wird, auch dann, wenn unsere Denkmäler schon längst dem Lauf der Zeit zum Opfer gefallen sind.

An Pfingsten kommen Gott und sein Sohn Jesus durch den Heiligen Geist erneut zu uns auf die Erde zurück. Doch diesmal ist es anders: Sie sind gekommen um zu bleiben, um in uns Wohnung zu nehmen und unseren Leib zu ihrem Tempel zu machen.

Du kannst diesen Heiligen Geist in dir erleben. Der Heilige Geist schenkt dir bei deinen Gedanken über Gott Frieden und Freude. Er bringt dich dazu, zu Gott Vater zu sagen. Er nimmt dir deine Ängste und verwandelt sie in Liebe und Zuversicht. Er verändert deine Sicht auf die Menschen, die dir begegnen, dass du sie nicht mehr als Gegner oder Bedrohung ansehen musste, wenn sie dir fremd sind. Der Heilige Geist schenkt dir offene Augen und Herzen für ihre Bedürfnisse und gibt dir die richtigen Worte um diesen Menschen das zu sagen, was sie brauchen und was sie näher in die Gemeinschaft mit Gott bringt. Siecher hast Du sehr vieles davon schon erfahren: Das richtige Wort zur rechten Zeit für dein Gegenüber, besondere Momente, in denen Du Dich von Gott angesprochen gefühlt hast, tiefer Frieden in Dir, Ruhe über eine Fragestellung, eine Wegweisung … - vielleicht hast Du das jedoch nicht mit dem Wirken des Heiligen Geistes in Verbindung gebracht. Manchmal müssen wir diesen Heiligen Geist in unserem Leben einfach nur entdecken.

Zugleich gilt aber auch: Wir müssen diesen Heiligen Geist Gottes auch wirklich wollen und Gott darum bitten, uns mit diesem Heiligen Geist zu erfüllen. Einige von uns verspüren gegenüber dem Heiligen Geist ein Unbehagen. Führt er nicht zu einer Art von Kontrollverlust? Wir ahnen, dass sich in unserem Leben etwas ändern könnte, wenn Gottes Geist in uns Raum bekommt. Wir haben Angst davor, dass Gott uns etwas nehmen könnte, was wir nicht loslassen wollen, weil es für uns Sicherheit bedeutet. Das müssen nicht zwangsläufig nur materielle Dinge sein. Das können eben gerade auch Ängste und Verletzungen sein. Sie kennen wir. Mit ihnen haben wir zu leben gelernt. Aber Gottes Geist? Wie sieht ein Leben mit ihm aus, wozu wird er mich bringen?

Hinter all dem steht die Frage, ob wir Gott bedingungslos vertrauen können und wollen, oder nicht. Dahinter steht die Frage, ob wir daran glauben, dass Gott es gut mit uns meint und das Beste für uns will oder nicht.

Mit dem Heiligen Geist lädt Gott uns ein uns in seine offenen Arme fallen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass er uns auffängt. Wo wir das können, wo wir uns und unser Leben loslassen können und den Sprung in seine Arme wagen, da wird es auch in unserem Leben endlich Pfingsten! Amen