Orgelvorspiel aus der evangelischen Kirche in Dürrn

J. S. Bach - Präludium C-dur

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 36,1-2.6 (Fröhlich soll mein Herze springen)

1) Fröhlich soll mein Herze springen dieser Zeit, da vor Freud alle Engel singen. Hört, hört, wie mit vollen Chören alle Luft laute ruft: Christus ist geboren!

2) Heute geht aus seiner Kammer Gottes Held, der die Welt reißt aus allem Jammer. Gott wird Mensch dir, Mensch, zugute, Gottes Kind, das verbind't sich mit unserm Blute.

6) Ei so kommt und laßt uns laufen, stellt euch ein, groß und klein, eilt mit großen Haufen! Liebt den, der vor Liebe brennet; schaut den Stern, der euch gern Licht und Labsal gönnet.

Psalm: EG 750 (Psalm 96)

Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt!

Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!

Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern!

Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt!

Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht.

Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich, das Meer brause und was darinnen ist;

das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist; jauchzen sollen alle Bäume im Walde

vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.

(Psalm 96,1-3.9-13)

Gebet:

Herr Jesus Christus, wir feiern deine Geburt! Wir feiern in einem Jahr, das uns nicht viele Anlässe zum feiern gab. Vieles macht uns dabei Angst und Sorgen.

Danke, Herr Jesus, dass du gerade jetzt nicht auf Abstand zu uns gehst. Ganz im Gegenteil: Du möchtest uns so nah kommen, wie wir es zulassen können. Du möchtest uns durch deine Geburt mit Freude und Hoffnung infizieren.

Wir bitten dich: Hilf uns dabei, dich in dieser Zeit mit ganz neuen Augen zu sehen. Nimm von uns alle Ungeduld, allen Zweifel und alle Vorbehalte gegenüber dir und deinem Plan für unser Leben. Lass uns in diesem Gottesdienst ganz neu deine Verheißung für unser Leben und diese Welt erkennen.

- Raum für ein persönliches Gebet - Amen

Zuspruch:

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Lesung: Johannes 1,1-5.9-14.

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. […] 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 45,1-4 (Herbei, o ihr Gläub´gen)

1) Herbei, o ihr Gläub'gen, fröhlich triumphieret, o kommet, o kommet nach Bethlehem! Sehet das Kindlein, uns zum Heil geboren! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!

2) Du König der Ehren, Herrscher der Heerscharen, verschmähst nicht zu ruhn in Marien Schoß, Gott, wahrer Gott von Ewigkeit geboren. O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!

3) Kommt, singet dem Herren, singt, ihr Engelchöre! Frohlocket, frohlocket, ihr Seligen: "Ehre sei Gott im Himmel und auf Erden!" O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!

4) Ja, dir, der du heute Mensch für uns geboren, Herr Jesu, sei Ehre und Preis und Ruhm, dir, fleischgewordnes Wort des ewgen Vaters! O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den König!

Predigt zu Jesaja 52,7-10

Lied: EG 35,1-4 (Nun singet und seid froh)

1) Nun singet und seid froh, jauchzt alle und sagt so: Unsers Herzens Wonne liegt in der Krippe bloß und leuchtet als die Sonne in seiner Mutter Schoß. Du bist A und O, du bist A und O.

2) Sohn Gottes in der Höh, nach dir ist mir so weh. Tröst mir mein Gemüte, o Kindlein zart und rein, durch alle deine Güte, o lieber Jesu mein. Zieh mich hin zu dir, zieh mich hin zu dir.

3) Groß ist des Vaters Huld, der Sohn tilgt unsre Schuld. Wir warn all verdorben durch Sünd und Eitelkeit; da hat er uns erworben die ewig Himmelsfreud. O welch große Gnad, o welch große Gnad.

4) Wo ist der Freuden Ort? Nirgends mehr denn dort, wo die Engel singen mit den Heilgen all und die Psalmen klingen im hohen Himmelssaal. Wären wir doch da! Wären wir doch da!

Fürbittengebet:

Herr, unser Gott, wir bitten dich für alle, denen in diesen Tagen nicht besonders weihnachtlich zumute ist. Du weißt, was sie umtreibt, was ihnen die Freude raubt. Lass sie erfahren, dass Weihnachten auch etwas mit ihnen zu tun hat, dass Jesus auch für sie in die Welt gekommen ist, um sie aus der Dunkelheit ihres Lebens zu befreien.

Wir bitten dich für all diejenigen in der Welt, die in diesen Tagen kein Zuhause haben, die obdachlos oder in irgend-welchen Flüchtlingslagern gestrandet sind. Stehe ihnen in dieser schwierigen Zeit bei und versorge sie mit allem, was sie zum Leben und Überleben benötigen.

Wir bitten dich für die Hungernden der Welt, für die, die durch die Coronapandemie von Hilfslieferungen abgeschnitten wurden und die nicht wissen, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Erbarme dich über sie. Finde du einen Weg, wie diesen Menschen geholfen werden kann.

Wir bitten dich für deine Schöpfung. Lass es auch für sie Weihnachten werden. Du, Jesus Christus, bist auch für sie gekommen, um sie aus ihrer Verlorenheit zu befreien und ihr neues Leben zu schenken. Ganz besonders bitten wir dich für die Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Schenke ihnen genügend Lebensraum in unserer Welt und ermögliche du ihnen eine Zukunft, die wir Menschen ihnen oft nicht zugestehen.

So bitten wir dich: Erbarme dich über all diese Anliegen und wende du dich mit deiner verändernden Kraft und Liebe uns zu.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 44,1-3 (O du fröhliche)

1) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!

2) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!

3) O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit! Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Tagesspruch:

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. (Johannes 1,14a)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Zeit deinen Weihnachts-frieden, deine Liebe und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Gott Vater Sohn und Heiliger Geist gebe uns seine Gnade:

Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass wir bewahrt werden zum ewigen Leben.

Orgelnachspiel aus der Schlosskirche in Pforzheim

Johann Krieger - Toccata D-dur

Die Tiefenbronner Kirchen, Detail aus der Krippenausstellung

EG 36,1-2.6 (Fröhlich soll mein Herze springen)

EG 45,1-4 (Herbei, o ihr Gläub´gen)

EG 35,1-4 (Nun singet und seid froh)

EG 44,1-3 (O du fröhliche)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Weihnachtsgemeinde, ich hoffe ihr konntet gestern einen schönen Heiligen Abend verleben. Es ist schon erstaunlich, wieviel Wirbel es in diesem Jahr im Vorfeld des Weihnachtsfestes gab, ob, wie und was erlaubt sein wird und wie man dieses Fest am besten feiern soll oder nicht. Während die Form des Festes so manchem Kopfzerbrechen gemacht haben dürfte, ist der Grund für dieses Fest unverändert der Gleiche: Gott schickt seinen besten „Mann“, um uns aus dem Chaos dieser Welt und unserer Gedanken zu befreien. Jesus kommt, um uns zu retten. Diese Rettungsaktion Gottes gerät schnell aus dem Blick, wenn man Weihnachten lediglich als ein Fest des Rückblicks und der Erinnerung an ein längst vergangenes Ereignis feiert. Den Grund für dieses Fest finden wir auch in der Gegenwart, die vor allem für uns zählt. Der Gegenwart und der zukünftigen Bedeutung von Weihnachten für unser Leben begegnen wir auch in den Texten der alttestamentlichen Propheten. Jesaja richtet 600 Jahre vor der Geburt Jesu den Blick auf das verheißene Heil Gottes, als würde es jetzt schon kommen. Ich lese aus Kapitel 52, die Verse 7 bis 10 in der Guten Nachricht Übersetzung:

7 Was für eine Freude! Über die Berge kommt der Siegesbote herbeigeeilt! Er bringt gute Nachricht, er verkündet Frieden und Rettung, er sagt zur Zionsstadt: »Dein Gott ist König der ganzen Welt!« 8 Horch, die Wächter der Stadt rufen laut, sie jubeln vor Freude; denn sie sehen mit eigenen Augen, wie der Herr auf den Berg Zion zurückkehrt. 9 Jubelt vor Freude, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat Erbarmen mit seinem Volk, er befreit Jerusalem. 10 Er greift ein, er hat seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker erhoben. Bis in den letzten Winkel der Erde sehen sie, wie unser Gott uns rettet.

Was der Prophet Jesaja für das Volk Israel und die Stadt Jerusalem verheißt, das gilt auch für uns, die wir aus jüdischer Sicht in den letzten Winkeln der Erde wohnen. Die Rettung beginnt mit einer guten Nachricht: Was für eine Freude! Über die Berge kommt der Siegesbote herbeigeeilt! Er bringt gute Nachricht, er verkündet Frieden und Rettung, er sagt zur Zionsstadt: »Dein Gott ist König der ganzen Welt!« In der Weihnachtsgeschichte sind es die Engel, die die Freudenbotschaft verkünden: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11 denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Lukas 2,10b.11)

Wo sind die Freudenboten unserer Tage? Wo verkörpern Menschen die Freude und Zuversicht dieser Botschaft. Vielleicht kennt ihr das auch: Da wird ein Lied von einem Chor aufgeführt, die Melodie fröhlich und beschwingt. Und was ist mit den Sägerinnen und Sängern? Die schauen ganz konzentriert und verkrampft, weil sie so damit beschäftigt sind, keine Patzer zu machen, dass sie gar keinen Kopf mehr für die Freude haben, die dieses Lied ausstrahlt.

Wir Christen sind die Freudenboten unserer Tage! Wir brauchen keine Botschaft in schöne Formen verpacken, um uns Gehör zu verschaffen. Wir brauchen nur von dem berichten, was wir selbst als die Frohe Botschaft für unser Leben erfahren haben. Und wenn uns nicht einfällt, was wir bezeugen könnten, dann lasst uns wenigstens auf das hören, was andere uns zu berichten haben. Und damit sind wir beim zweiten Punkt angelangt.

Neben den Freudenboten braucht es auch noch Hörer und Adressaten dieser Botschaft.

Hören wir die gute Weihnachtsbotschaft selber noch? Sind wir es nicht schon so sehr gewohnt, nur noch mit schlechten Nachrichten versorgt zu werden, dass wir die guten Nachrichten gar nicht mehr wahrnehmen? – Schaue ich mir die Nachrichten der letzten Wochen und Monate an, dann scheint es mir, als würde jede gute Nachricht sofort wieder klein gemacht. Der Freude über den kommenden Impfstoff folgen Nachrichten über mögliche Nebenwirkungen, Liefer- und Verteilungsschwierigkeiten und eventuell sogar eine mögliche Wirkungslosigkeit gegenüber einer neuen Virusvariante. Es scheint mir, als dürfte ja nicht zuviel Hoffnung aufkommen.

Wir dürfen uns die Weihnachtsfreude nicht auf dieselbe Weise stehlen lassen, indem wir sie relativieren oder irgendwie kleinreden. Wir wollen daran festhalten, dass mit Jesus Christus der Retter der Welt und unseres Lebens gekommen ist. Dieses Jahr dürfen wir uns bewusst machen, dass nicht nur ein Virus ansteckend ist, sondern auch die Freude über eine gute Nachricht. Vielleicht habt ihr schon mal davon gehört, dass eine Nachricht „viral geht“. Gemeint ist damit, dass sich etwas mit hoher Geschwindigkeit im Internet verbreitet. Wer Messengerdienste wie WhatsApp, Threema oder sonst etwas benutzt, kennt das bestimmt. Da bekommt man ein schönes anrührendes Video zugeschickt und muss dieses dann unbedingt an all seine Freunde und Bekannten weiterleiten. Auch heute haben wir etwas, was wir auf diesem Wege weiterleiten können: Jesus ist geboren, der Retter ist da!

Jesaja bettet die Freudenbotschaft noch in einen besonderen Kontext: Er spricht vom Berg Zion, auf den der HERR zurückkehrt, er redet von den Trümmern Jerusalems, die sich freuen sollen.

Gott kommt zurück in eine Welt, die so oft gottverlassen wirkt. Der Berg Zion ist ein Ort, an dem Gott bereits zuvor Geschichte mit seinem Volk geschrieben hat. Hier knüpft er an die alten Verheißungen an und erfüllt seine Versprechen. Vielleicht haben auch wir Trümmer einer heiligen Stadt Jerusalem in unserem Leben, einen Berg Zion, auf dem Gott vor langer Zeit einmal in unserem Leben gewohnt hat. Trostlos und öde liegt ein vielleicht erloschener Glaube vor uns, ein Da-ist-Nichts, ein Da-gibt-es-niemanden-mehr, der mir noch helfen könnte.

Genau in diese geistlichen und sonstigen biographischen Trümmer meines Lebens möchte Gott zurückkehren und suchen, was verloren und zerbrochen ist, damit er es heilen kann. Das erste, was Gott im Zusammenhang mit der Geburt Jesu wieder in Ordnung gebracht hat, war die Beziehung zwischen Maria und Josef. In jener heiligen Nacht waren all die Anfechtungen und Zweifel Josefs wie auch Marias verschwunden. Sie hatten sich mit Gottes Hilfe mit ihrer Situation und ihrem besonderen Auftrag ausgesöhnt. Welche Auswirkungen hat es auf unser Familienleben, wenn Jesus auch in unserer Familie zur Welt kommt, wenn wir die Aufgabe bekommen, für dieses Kind in der Krippe zu sorgen und gute Eltern für es zu sein?

Dieser Gedanke mag befremdlich sein, aber er zeigt, wie Gott sich seine Rettung der Welt vorgestellt hat: Gott selbst macht sich klein und schwach, damit er auch in unser Leben passt. Indem wir ihn in uns heranwachsen lassen, verändert er unser Denken und Handeln und schließlich unser ganzes Leben. Wie groß ist ein Gott, der es schafft seinen heiligen Arm in Form eines Kinderarms vor den Augen aller Völker zu erheben. Der es schafft, dass man sich auch heute im Jahr 2020 und trotz Corona bis in den letzten Winkel der Erde erzählt, wie unser Gott uns rettet. Amen