Orgelvorspiel aus der Friedenskirche in Tiefenbronn

J.S. Bach Choralbearbeitung über "Gelobet seist du, Jesu Christ"

Ablauf (Liturgie) des Hausgottesdienstes

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 37,1-4 (Ich steh an deiner Krippen hier)

1) Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und laß dir's wohlgefallen.

2) Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.

3) Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht', wie schön sind deine Strahlen!

4) Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O daß mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, daß ich dich möchte fassen!

Psalm: EG 737 (Psalm 71)

HERR, ich traue auf dich, lass mich nimmermehr zuschanden werden.

Errette mich durch deine Gerechtigkeit und hilf mir heraus, neige deine Ohren zu mir und hilf mir!

Sei mir ein starker Hort, dahin ich immer fliehen kann, der du zugesagt hast, mir zu helfen;

Denn du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.

Verwirf mich nicht in meinem Alter, verlass mich nicht, wenn ich schwach werde.

Du lässest mich erfahren viele und große Angst und tröstest mich wieder.

Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen.

(Psalm 71,1-3b.5.9.20a.21b.23)

Gebet:

Guter Gott, die Weihnachtsfeiertage liegen hinter uns und doch dürfen wir heute auch an diesem Sonntag noch einmal zur Ruhe kommen. Wir blicken auf das Weihnachtsfest zurück und richten uns gleichzeitig gedanklich auch schon wieder auf den Jahreswechsel aus. Hilf uns zwischen all dem Gestern und Morgen ganz im Hier und Jetzt anzukommen.

Sprich du in diesem Gottesdienst zu uns mit Worten, die wir verstehen, mit Liedern, die uns anrühren und mit Gedanken, die uns dir näherbringen.

Und in der Stille wollen wir dir weitere Anliegen nennen, Dinge und Menschen, die uns umtreiben. - Raum für ein persönliches Gebet - Amen

Zuspruch:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36)

Lesung: Jesaja 49,13-16 (GNB)

13 Freut euch, Himmel und Erde; jubelt, ihr Berge! Denn der Herr hilft seinem Volk, er hat Erbarmen mit den Unterdrückten. 14 Die Zionsstadt klagt: »Der Herr hat mich verlassen, mein Gott hat mich vergessen!« 15 Doch der Herr sagt: »Bringt eine Mutter es fertig, ihren Säugling zu vergessen? Hat sie nicht Mitleid mit dem Kind, das sie in ihrem Leib getragen hat? Und selbst wenn sie es vergessen könnte, ich vergesse euch nicht! 16 Jerusalem, ich habe dich unauslöschlich in meine Hände eingezeichnet; deine Mauern sind mir stets vor Augen.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 32,1-4 (Zu Bethlehem geboren)

1) Zu Bethlehem geboren / ist uns ein Kindelein. Das hab ich auserkoren, / sein eigen will ich sein. Eia, eia, / sein eigen will ich sein.

2) In seine Lieb versenken / will ich mich ganz hinab; mein Herz will ich ihm schenken / und alles, was ich hab, eia, eia, / und alles, was ich hab.

3) O Kindelein, von Herzen / will ich dich lieben sehr, in Freuden und in Schmerzen / je länger und je mehr, eia, eia, / je länger und je mehr.

4) Dazu dein Gnad mir gebe, / bitt ich aus Herzensgrund, daß dir allein ich lebe, / jetzt und zu aller Stund, eia, eia, / jetzt und zu aller Stund.

Predigt zu Lukas 2, 25-38

Lied: EG 39,1-3 (Kommt und laßt uns Christus ehren)

1) Kommt und lasst uns Christus ehren, Herz und Sinnen zu ihm kehren; singet fröhlich, laßt euch hören, wertes Volk der Christenheit.

2) Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen; wir, die unser Heil annehmen, werfen allen Kummer hin.

3) Sehet, was hat Gott gegeben: seinen Sohn zum ewgen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid ins Himmels Freud.

Fürbittengebet: (Wochengebet der VELKD)

Mit Simeon und Hanna halten wir nach dir Ausschau, Jesus Christus – du kleines Kind.

Du bist das Licht in diesen dunklen Tagen.

Du bist die Hoffnung in dieser bedrückenden Zeit, und du kommst zu uns.

Wie Simeon wollen wir dich in die Arme schließen.

Wie Simeon wollen wir das Heil sehen, das du schenkst.

Wir bitten dich: Umarme du die, zu denen wir Abstand halten müssen.

Heile du, wo wir nicht helfen können.

Erleuchte du, wo das Dunkel übermächtig ist.

Versöhne du, wo Hass und Gewalt regieren.

Rette du, wo der Tod herrscht.

Wie Hanna wollen wir dich loben.

Wie Hanna wollen wir von dir erzählen.

Jesus Christus – du kleines Kind.

Du bist der Anfang des Lebens.

Du bist die Hoffnung, die in uns wächst.

Du bist die Zukunft.

Dir vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, die noch kommen. Amen.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser:

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 47,1-4 (Freu dich, Erd und Sternenzelt)

1) Freu dich, Erd und Sternenzelt, Halleluja; / Gottes Sohn kam in die Welt, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, / heute uns geboren.

2) Seht, der schönsten Rosen Flor, Halleluja, / sprießt aus Jesses Zweig empor, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, ward er heut geboren, / heute uns geboren.

3) Engel zu den Hirten spricht: Halleluja, / freut euch sehr und fürcht´ euch nicht, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, / ward er heut geboren, / heute uns geboren.

4) Hört-s, ihr Menschen groß und klein, Halleluja, / Friede soll auf Erden sein, Halleluja. Uns zum Heil erkoren, war er heut geboren, / heute uns geboren.

Wochenspruch:

Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Johannes 1,14)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich: Schenke Du uns für die kommende Zeit deinen Weihnachts-frieden, deine Liebe und Hoffnung und so sprechen wir im Vertrauen auf dich:

Gott Vater Sohn und Heiliger Geist gebe uns seine Gnade: Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass wir bewahrt werden zum ewigen Leben.

Orgelnachspiel aus der evangelischen Markuskirche in Pforzheim

J.S. Bach "Pastorella"

26. Dezember 2020 in der Friedenskirche Tiefenbronn

EG 37,1-4 (Ich steh an deiner Krippen hier)

EG 32,1-4 (Zu Bethlehem geboren)

EG 39,1-3 (Kommt und lasst uns Christus ehren)

EG 47,1-4 (Freu dich, Erd und Sternenzelt)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, die Weihnachtsfeiertage liegen nun hinter uns, aber nicht die Weihnachtszeit. Wir bleiben noch ganz bei dem Kind in der Krippe und begleiten es in der Predigt auf seinem ersten Weg vom Stall in Betlehem hinaus nach Jerusalem in den Tempel. Dorthin bringen ihn Josef und Maria um ihn nach jüdischem Brauch am achten Tag beschneiden zu lassen. Als sie im Tempel waren geschah folgendes. Ich lese aus Lukas 2, die Verse 25 bis 38:

25 Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. 26 Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. 27 Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, 28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: 29 Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; 30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, 31 das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, 32 ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel. 33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. 34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – 35 und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden. 36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt 37 und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. 38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Maria und Josef hatten bereits im Stall von Betlehem erlebt, dass ihr Kind für Aufsehen sorgte. Hirten und Weise waren durch göttliche Zeichen auf es aufmerksam geworden. Und nun sind sie in der Stadt Jerusalem, im Tempel gelandet. Welch ein Unterschied zwischen dem schäbigen Stall dort in Betlehem und dem herrlichen Tempel hier in Jerusalem. In der Menge der Menschen, die dort ihrem Gottesdienst nachgehen, würden ihr Kind bestimmt nicht mehr auffallen. Doch auch dort werden zwei Menschen unabhängig voneinander auf dieses Kind aufmerksam: Simeon und die Prophetin Hanna. Auch sie erkennen in dem Jesuskind zum Staunen der beiden Eltern den verheißenen Messias.

Wie muss es sich anfühlen, wenn man sein ganzes Leben auf etwas wartet und dann plötzlich das, auf das man gewartet hat, auf einmal da ist? Das Warten war für Simeon zu einer Art Lebensversicherung geworden. Solange er den Messias nicht mit eigenen Augen sehen würde, so das Wort des Heiligen Geistes, würde er auch nicht sterben. Nun sieht er das Jesuskind, nimmt es sogar auf den Arm und weiß, dass nun bald sein Ende kommen wird: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Simeon scheint keine Angst vor dem Tod zu haben. Im Gegenteil, tiefer Friede ergreift sein Herz und nun weiß er, dass er die Welt und sein Leben loslassen kann.

Auch die Prophetin Hanna macht eine ganz ähnliche Erfahrung. Auch sie ist am Ende ihres Lebens angekommen und darf nun schon zu Lebezeiten in diesem Kind die offene Tür zum Himmel erblicken.

Die Begegnung der Beiden mit Jesus und seinen Eltern ist erstaunlich. Äußerlich wird sich das Leben für die Beiden nicht geändert haben. Sie werden durch die Begegnung nicht wieder jung und auch ihr Tod wird dadurch nicht hinausgezögert. Auch Jerusalem und ganz Israel wird sich zu ihren Lebzeiten nicht mehr verändern. Doch innerlich sind sie nun ganz verändert. Frieden, Gewissheit und tiefe Freude erfüllt die Beiden.

Liebe Gemeinde, hier begegnen wir letztlich der Frage nach der Relevanz des Glaubens für unser Leben. Wenn wir an Weihnachten vor der Krippe stehen und dieses Kind anschauen, dann verändert sich unser äußeres Leben auch nicht plötzlich. Dann verschwinden die nervigen Römer und all die anderen großen und kleinen Probleme auch nicht einfach aus unserem Leben. Äußerlich bleibt alles beim Alten und innerlich? Was könnte Simeon und Hanna von uns unterscheiden, dass sie innerlich auf einmal so voller Freude und Frieden sind? Ich denke es sind drei Dinge:

Das erste: Sie kennen die Geschichte Gottes mit seinem Volk und der Welt. Durch das Lesen der Schriften wussten sie, welchen Weg Gott mit seinem Volk und den Heiden geht. Sie sahen nicht nur ihren beschränkten Lebensausschnitt, sondern auch das große Ganze, in das ihr persönliches Leben eingebettet war. Dieses Gefühl für das große Ganze, für den Heilsplan Gottes mit seiner Menschheit fehlt uns glaube ich häufig. Wir schauen auf unser Leben und empfinden es vermutlich meist ziemlich unspektakulär und bedeutungslos. Wir sind es gewohnt, dass andere Geschichte schreiben. Das gilt für die Politik, die Wirtschaft und auch für den Glauben. Wer nimmt schon von mir Notiz?

Erst wenn ich mein Leben in einen größeren Kontext stelle, bekomme ich eine vage Vorstellung von dem Wert und der Bedeutung auch meines eigenen Lebens für Gott. Mit meinem kleinen Leben und seinen beschränkten Möglichkeiten bin ich ein Teil des großen Planes Gottes. Simeon hat nicht die Welt verändert, aber er hat gewusst, dass sein Leben mit dem verheißenen Messias verknüpft ist. Mit seinen eigenen Augen sollte er ihn noch sehen dürfen. Das ist der zweite wichtige Punkt: Simeon und Hanne kennen nicht nur den großen Plan Gottes, sie wissen auch, dass ihr Leben ein Teil dieses Planes ist.

Und nun kommen wir zum dritten Punkt: Sie vertrauen darauf, dass Gott seine Verheißungen mit diesem Kind erfüllen wird, auch über ihren Tod hinaus. Das Wissen um die Treue Gottes reicht ihnen aus, auch wenn zu ihren Lebzeiten wohl noch alles beim Alten bleiben wird.

Welche Verheißung steht über meinem Leben? Was darf ich noch mit meinen eigenen Augen sehen, ehe ich diese Welt wieder verlassen muss? Was wäre, wenn der ganze Sinn und Zweck meines Lebens darin bestehen würde, dass auch ich noch das Jesuskind mit meinen eigenen Augen des Herzens zu sehen bekomme?

Hast Du dir schon einmal die Frage gestellt, warum du noch am Leben bist? Warum du an der einen oder anderen Stelle in deinem Leben Bewahrung vor einem Unfall oder anderem erlebt hast? Vielleicht gibt es in deinem Leben noch etwas zu entdecken und mit eigenen Augen zu sehen, was du jetzt noch nicht wahrnehmen kannst. Die Verheißungen der Bibel können dir dabei helfen herauszufinden, was das ist. Es gibt einen gewaltigen Schatz des Glaubens zu entdecken. Zu allen Zeiten und an allen Orten haben Menschen diesen Schatz in ihrem Leben entdeckt und ausgegraben. Willst du dir das entgehen lassen? Willst du alt und resigniert sterben, weil du dich lieber an dich selbst geklammert hast, als an Gott und seine Verheißungen.

Simeon und Hanna können uns dabei helfen ein neues Gebet für unser Leben zu sprechen, ein Gebet, das so aussehen könnte:

Mein Herr und mein Gott, du hast mich erschaffen und in diese Welt gestellt, an den Platz an dem ich gerade stehe.

Hilf mir dabei die Verheißung zu erkennen, unter die du mein Leben gestellt hast. Lass mich mit meinen eigenen Augen sehen, was du mir und dieser Welt verheißen hast, damit auch ich dann einst wie Simon in Frieden gehen kann.

Darum bitte ich dich, um Jesu Christi willen, den seine Eltern auch mir in die Arme gelegt haben, damit ich in ihm dir begegnen kann. Amen