Orgelvorspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Max Reger Choralbearbeitung "O Haupt voll Blut und Wunden"

Votum:

Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied: EG 81,1-4 (Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen)

1) Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist du geraten?

2) Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, du wirst mit Essig und mit Gall getränket, ans Kreuz gehenket.

3) Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, was du erduldet.

4) Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! Der gute Hirte leidet für die Schafe, die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, für seine Knechte.

Psalm: Psalm 22.I (EG 709.I):

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volk.

Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

»Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.

Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, / und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub.

Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

Gebet:

Herr unser Gott, wir bedenken das Leiden und Sterben Jesu. In dieser Stunde fühlen wir uns ihm ganz nah. Wir haben keine Worte für das, was damals am Kreuz geschah. Unser Verstand kann es nicht fassen. Aber wir wissen, dieses Kreuz schenkt uns ein neues Leben. All unsere Schuld, all die Bruchstücke unseres Lebens legen wir vor diesem Kreuz ab.

Am Kreuz hast Du, Jesus, deinen Vater gebeten: Vergib ihnen ihre Schuld, denn sie wissen nicht was sie tun. Herr, sprich diese Worte auch über unserem Leben aus, heute und hier in diesem Gottesdienst.

Und in der Stille wollen wir dir sagen, was wir ganz persönlich vor dich und dein Kreuz bringen wollen: – Gebetsstille – Amen

Zuspruch:

Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. (2. Korinther 5,19)

Lesung: Johannes 19,16-30 (GNB)

16 Da lieferte Pilatus ihnen Jesus aus und gab ihn frei zur Kreuzigung. Die Soldaten übernahmen Jesus. 17 Er trug selber sein Kreuz aus der Stadt hinaus, bis zum so genannten Schädelplatz – auf Hebräisch heißt er Golgota. 18 Dort nagelten sie Jesus ans Kreuz und mit ihm noch zwei andere, den einen links, den anderen rechts und Jesus in der Mitte. 19 Pilatus ließ ein Schild am Kreuz anbringen; darauf stand: »Jesus von Nazaret, der König der Juden«. 20 Der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nicht weit von der Stadt entfernt, deshalb lasen viele Juden diese Aufschrift. Sie war in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache abgefasst. 21 Die führenden Priester sagten zu Pilatus: »Schreib nicht: ›Der König der Juden‹, sondern dass dieser Mann behauptet hat: ›Ich bin der König der Juden.‹« 22 Pilatus sagte: »Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.« 23 Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz genagelt hatten, nahmen sie seine Kleider und teilten sie in vier Teile. Jeder erhielt einen Teil. Das Untergewand aber war in einem Stück gewebt und hatte keine Naht. 24 Die Soldaten sagten zueinander: »Wir wollen es nicht zerreißen; das Los soll entscheiden, wer es bekommt.« So traf ein, was in den Heiligen Schriften vorausgesagt war: »Sie haben meine Kleider unter sich verteilt. Mein Gewand haben sie verlost.« Genau das taten die Soldaten. 25 Nahe bei dem Kreuz, an dem Jesus hing, standen seine Mutter und deren Schwester sowie Maria, die Frau von Klopas, und Maria aus Magdala. 26 Jesus sah seine Mutter dort stehen und neben ihr den Jünger, den er besonders lieb hatte. Da sagte er zu seiner Mutter: »Frau, er ist jetzt dein Sohn!« 27 Und zu dem Jünger sagte er: »Sie ist jetzt deine Mutter!« Von da an nahm der Jünger sie bei sich auf. 28 Jesus wusste, dass nun alles zu Ende gebracht war. Aber damit die Voraussagen der Heiligen Schriften vollends ganz in Erfüllung gingen, sagte er: »Ich habe Durst!« 29 In der Nähe stand ein Gefäß mit Essig. Die Soldaten tauchten einen Schwamm hinein, steckten ihn auf einen Ysopstängel und hielten ihn Jesus an die Lippen. 30 Jesus nahm davon und sagte: »Jetzt ist alles vollendet.« Dann ließ er den Kopf sinken und gab sein Leben in die Hände des Vaters zurück.

Glaubensbekenntnis:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied: EG 85,1-2.4.6.9 (O Haupt voll Blut und Wunden)

1) O Haupt voll Blut und Wunden, / voll Schmerz und voller Hohn, / o Haupt, zum Spott gebunden / mit einer Dornenkron, o Haupt, / sonst schön gezieret / mit höchster Ehr und Zier, / jetzt aber hoch schimpfieret: / gegrüßet seist du mir!

2) Du edles Angesichte, / davor sonst schrickt und scheut / das große Weltgewichte: / wie bist du so bespeit, / wie bist du so erbleichet! / Wer hat dein Augenlicht, / dem sonst kein Licht nicht gleichet, / so schändlich zugericht'?

4) Erkenne mich, mein Hüter, / mein Hirte, nimm mich an. Von dir, Quell aller Güter, / ist mir viel Guts getan; dein Mund hat mich gelabet / mit Milch und süßer Kost, dein Geist hat mich begabet / mit mancher Himmelslust.

6) Es dient zu meinen Freuden / und tut mir herzlich wohl, wenn ich in deinem Leiden, / mein Heil, mich finden soll. Ach möcht ich, o mein Leben, / an deinem Kreuze hier mein Leben von mir geben, / wie wohl geschähe mir!

9) Erscheine mir zum Schilde, / zum Trost in meinem Tod, und lass mich sehn dein Bilde / in deiner Kreuzesnot. Da will ich nach dir blicken, / da will ich glaubensvoll dich fest an mein Herz drücken. / Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Predigt zu Jesaja 52,13-15;53,1-12

Lied: EG 93,1-4 (Nun gehören unsre Herzen)

1) Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha, der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah, das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.

2) Nun in heilgem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha. Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah, als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering, als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

3) Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha, ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah, dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor; und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.

4) Schweigen müssn nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha, die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja! Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu, ja wir dienen dir von Herzen. Ja, du machst einst alles neu!

Fürbittengebet:

Herr unser Gott, wir wissen, dass Du ein lebendiger Gott bist, ein Freund des Lebens und nicht des Todes. Nur indem du Mensch geworden bist, konntest du dich der Macht des Todes aussetzen und sie ein für alle Mal bezwingen und den Sieg erringen.

Hilf uns dabei, in diesem Sieg zu leben und zu bleiben. Hilf uns dabei, Menschen beizustehen, die den Tod vor Augen haben. Lass uns die richtigen Worte finden und Trost und Hoffnung spenden.

Wir bitten dich für die Menschen, die auch heute noch gequält und zu Tode gefoltert werden. Du kennst die dunkelsten Orte dieser Welt. Wir bitten dich, erbarme dich über diese geschundenen und gequälten Kreaturen. Gebiete dem Hass und der Gewalt Einhalt. Bewahre Du diese leidenden Menschen an Leib und Seele.

Herr, im Angesicht des Kreuzes bitten wir dich für uns als Gemeinde: Bewahre uns davor, den Mut zu verlieren und zu resignieren. Bewahre uns davor, uns in alle Winde zu zerstreuen, weil der Einsatz für dein Reich vergebens scheint. Hilf uns dabei, dir auch durch die dunklen Täler zu folgen, weil wir wissen dürfen: Du bist da und dein Stecken und Stab werden uns auch dann trösten.

Und gemeinsam beten wir mit den Worten Jesu:

Vaterunser

 

Vater unser im Himmel Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Lied: EG 384,1-3 (Lasset uns mit Jesus ziehen)

1) Lasset uns mit Jesus ziehen, / seinem Vorbild folgen nach, / in der Welt der Welt entfliehen, / auf der Bahn, die er uns brach, / immer fort zum Himmel reisen, / irdisch, doch schon himmlisch sein, / glauben recht und leben fein, / in der Lieb den Glauben weisen. / Treuer Jesu! Bleib bei mir, / gehe für, ich folge dir.

2) Lasset uns mit Jesus leiden, / seinem Vorbild werden gleich. / Nach dem Leide folgen Freuden, / Armut hier macht dorten reich. / Tränensaat, die erntet Lachen; / Hoffnung tröstet mit Geduld: / es kann leichtlich Gottes Huld / aus dem Regen Sonne machen. / Jesu! Hier leid ich mit dir, / dort teil deine Freud mit mir.

3) Lasset uns mit Jesus sterben! / Sein Tod uns vom andern Tod / Rettet und vom Seelverderben / von der ewgen Höllennot. / Lasst uns töten, weil wir leben, / unser Fleisch ihm sterben ab, / so wird er uns aus dem Grab / in das Himmelsleben heben. / Jesu, sterb ich, sterb ich dir, / dass ich lebe für und für.

Wochenspruch:

Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Bitte um Gottes Segen:

Herr, wir bitten dich um deinen Segen: Der allmächtige und barmherzige Gott gebe uns seine Gnade, Schutz und Schirm vor allem Bösen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass wir bewahrt werden zum ewigen Leben.

Orgelnachspiel aus der Kreuzkirche in Mühlhausen

Johannes Brahms Choralberbeitung über "O Welt, ich muss dich lassen"

Osterweg in Mühlhausen, Station 7: Kreuzigung

EG 81,1-4 (Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen)

EG 85,1-2.4.6.9 (O Haupt voll Blut und Wunden)

EG 93,1-4 (Nun gehören unsre Herzen)

EG 384,1-3 (Lasset uns mit Jesus ziehen)

Hörpredigt

Lesepredigt

Liebe Gemeinde, am Karfreitag denken wir an das Leiden und Sterben Jesu. In seinem Leiden und Sterben begegnet uns zugleich auch das Leiden und Sterben unzähliger weiterer Menschen, die im Laufe der Zeit bis in unsere Gegenwart gequält und getötet werden. Bei dem, was Jesus angetan wurde, erfahren wir das, was Menschen einander antun, wenn sie aus ihren eigenen dunklen Motiven heraus handeln. Und doch ist das Leiden und Sterben Jesu von seiner Bedeutung für uns anders, als das Leiden und Sterben der vielen anderen, an deren Schicksal wir mit der gleichen Intensität denken könnten, wenn es hierbei um ein bloßes Erinnern gehen würde.

Am Kreuz Jesu wird unser eigenes Schicksal verhandelt. Hier steht jeder von uns ganz persönlich im Scheinwerferlicht eines Prozesses, bei dem es um unsere Mittäterschaft an diesem Mord geht. Keiner von uns kann sagen, das geht mich nichts an, ich habe damit nichts zu tun. Das Kreuz Jesu ist nämlich der Ort, an dem die gesamte Schuld der Menschheit, wie auch jedes einzelnen Menschen zur Sprache kommt. Jesus sagt: Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäus 25,40). Diese Aussage Jesu kann nur dann zutreffen, wenn Jesus auch in der Vergangenheit wie in der Gegenwart bei und in jedem Menschen gegenwärtig ist.

Gleichgültigkeit gegenüber meinem Nächsten ist Gleichgültigkeit gegenüber Jesus, der in meinem Nächsten gegenwärtig ist. Die meisten Zeitgenossen von uns dürften darüber nur den Kopf schütteln. Wer will sich schon schlecht oder schuldig fühlen? Und Jesus? Warum mischen er und seine Leute sich in das Leben anderer ein, anderer, die ihr Leben doch auch sehr gut ohne diesen Jesus leben können, die Jesus nicht gebeten haben, das für sie zu tun, die die Verantwortung für ihr Leben und Handeln lieber selber tragen wollen?

Das Leiden und Sterben Jesu wäre ein punktuelles Ereignis in der Geschichte geblieben und hätte nichts mit uns und heute zu tun, wenn es nicht der entscheidende Teil eines Gesamtplanes Gottes für das Schicksaal der gesamten Menschheit gewesen wäre. Das Leiden und Sterben Jesu ist Teil eines Planes, den Gott schon Jahrhunderte und Jahrtausende vor der Geburt Jesu gefasst hatte und er hat die Menschen auch schon lange vor der Geburt Jesu in diesen Plan eingeweiht. Er tat dies mit Hilfe des Alten Testamentes und hier ganz besonders mit dem, was er die Propheten darüber wissen ließ.

Gottes Langzeitplan gab den Menschen vor der Geburt Jesu einen Trost und eine Perspektive für ihr Leben und den Lauf der Welt, wie dieser Plan auch den Menschen seither und bis auf den heutigen Tag eine Hoffnung und ein Ziel gibt.

Als Jesus öffentlich zu wirken begann, da kannte er die Schriften des Alten Testamentes und er bezog sich bei vielen Gelegenheiten auf sie, um den Menschen damit zu sagen, dass sich dieser Plan Gottes nun mit ihm erfüllen wird. Die Zeit des Wartens ist vorbei. Jetzt beginnt das neue Reich Gottes, in dem die Menschen wieder mit Gott versöhnt zusammenleben können!

Der Predigttext für diesen Karfreitag des Jahres 2021 ist ein Text aus dem Alten Testament, aus dem Propheten Jesaja, Kapitel 52 und 53. Er ist eines der sogenannten Gottesknechtslieder. Sechs- bis 700 Jahre vor Jesu Geburt hat der Prophet Jesaja bereits das skizziert, was sich tatsächlich mit Jesus erfüllte. Hören wir, was er damals im Auftrag Gottes aufschrieb:

13 Siehe, meinem Knecht wird's gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. 14 Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, 15 so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. 53,1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn. 7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. 8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Liebe Gemeinde, des HERRN Plan wird durch ihn gelingen! Gottes Langzeitplan, um die Menschheit wieder mit sich zu versöhnen, wird gelingen. Dieser Plan wird gelingen, weil Gott uns Menschen durch und durch kennt und er alleine weiß, was uns wirklich nachhaltig aus unserer verzweifelten Lage befreien kann. Bei Jesaja sehen wir, dass die Vorstellung eines leidenden Gottesknechtes nicht nur uns nicht gefällt, sondern auch den Menschen damals nicht geschmeckt hat. Ja, das Leiden und Sterben ist bitterste Medizin, aber Medizin, die wir zum Leben brauchen. Sie ist deswegen so bitter, weil am Kreuz unsere menschlichen Vorstellung von Gott zerbrechen. Gott stirbt dort am Kreuz! Ein Gott, der stirbt kann doch nicht mehr Gott sein, weil doch wenigstens Gott unsterblich bleiben muss. Ja, das stimmt. Gott kann nicht sterben! Gott allein ist in sich selbst unsterblich, ewig und gut. Wir Menschen sind so ziemlich genau das Gegenteil von Gott: sterblich, zeitlich begrenzt und zum Schlechten verführbar. Wir haben es in den letzten Jahrtausenden trotz technischen Fortschritts und wachsenden Wissens nicht hinbekommen, die wirklichen Probleme der Menschheit zu lösen. Im Gegenteil: Jede Generation scheint einen noch größeren ökologischen Fußabdruck auf diesem Planeten zu hinterlassen und jede Generation von Menschen denkt sich noch raffiniertere Waffen aus, um Teile der Menschheit und sich letztlich selbst aus dem Weg zu räumen. Nein, wir Menschen sind nicht gut.

Gott weiß und wusste um unsere menschliche Krankheit und den Gendefekt in unserer „seelischen DNA“ und so stand er vor der Wahl: Entweder scheitert das Projekt Menschheit und der schöne blaue Planet verglüht irgendwann wieder in den Tiefen des Universums, oder aber er begibt sich selbst in diese Welt, um all das auf die eigene Rechnung zu nehmen, was wir hier auf Erden tagtäglich verbockt haben. Den Preis dafür konnte und kann Gott aber nur dann zahlen, wenn er das auf sich nimmt, was eigentlich wir dafür bezahlen müssten, wir, die es als Menschheit zulassen, dass tagtäglich hunderttausende von Menschen auf unserer Welt am Verhungern sind, die es als Menschheit zulassen, dass unsere Meere vermüllen, unzählige Tierarten ausgerottet werden und der Regenwald als grüne Lunge der Erde bald nur noch einer sterbenskranken Raucherlunge gleicht.

Ja, wir müssen den Preis des Menschseins bezahlen, indem wir früher oder später sterben werden und dann nichts von all dem festhalten und mitnehmen können, woran wir unser Herz gehängt haben.

Genau dieser Welt setzt sich Gott aber in Jesus aus. In dem er in Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott wird und ist, setzt er sich dem aus, worunter wir leiden: der Sünde, der Vergänglichkeit, dem Tod. Gott, der gemäß seiner Eigenschaften unsterblich und gut ist, lädt in Jesus das Böse dieser Welt auf seine Schultern, trägt es ans Kreuz und – stirbt.

Das kann der menschliche Verstand nicht fassen. Das ist unglaublich, dass ist hässlich, von so einem leidenden und sterbenden Gott wenden wir uns schnell ab. Doch wenn wir uns vom Kreuz abwenden, dann wenden wir uns von der wahren Welt ab, dann fliehen wir vor der Realität. Das Kreuz ist der Spiegel einer gefallenen und von Gott getrennten Welt. An diesem Kreuz sehen wir all die anderen hässlichen Schandflecken unserer Menschheit: Die Kinder, die sexuell missbraucht werden, die Frauen, die erniedrigt und Opfer von Gewalt werden, die Schützengräben von Verdun, die Gaskammern von Ausschwitz. All das und noch vieles mehr ist die Realität dieser Welt. Wie können wir uns an dem Guten und Schönen dieser Welt freuen, wenn wir gleichzeitig wissen, dass all dies Gute und Schöne einem Großteil der Menschheit vorenthalten wird, ja, wir es oft sogar nur auf Kosten anderer genießen können, die günstigen Konsumgüter, den schönen Urlaub, wenn er denn mal wieder möglich ist.

In genau diese Welt ist Gott gekommen und hat dafür eine Gestalt angenommen, die unsere Vorstellungen eines netten, lieben und letztlich harmlosen Gottes sprengt. Jesaja schreibt: Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

Und als dieser Gott tritt er nun in dein Leben und sagt: Dies tat ich auch für dich. All dies nahm ich auf mich, weil du mir so unendlich wertvoll und wichtig bist, dass ich mein Leben für dich am Kreuz hingegeben habe.

Gottes Langzeitplan wird aufgehen, egal ob wir uns ihm vertrauensvoll öffnen oder uns angewidert von ihm abwenden. Die Frage ist nur, welchen Platz willst du in diesem Plan einnehmen? Willst du an der Seite Jesu stehen und ihn den Preis für dein Leben aus Liebe zu dir zahlen lassen oder willst du den Preis für deinen Lebensstil selbst bezahlen? Gott lässt dir die Wahl, aber er wünscht sich, dass du die Wahl triffst, die ihm eine lebendige Beziehung zu dir ermöglicht und die dir ein neues Herz schenkt- durch Jesu Tod am Kreuz. Amen